Brugg
Mutige Angehörige von Demenzkranken haben das Wort

Samuel Vögeli von der Alzheimervereinigung gestaltete eine «Doppelpunkt»-Radiosendung mit. Damit will er unter anderem die schweren Verluste aufzeigen, die Demenz für die Angehörigen bedeutet.

Elisabeth Feller
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«Demenz belastet auch Angehörige stark», weiss Samuel Vögeli. wal

«Demenz belastet auch Angehörige stark», weiss Samuel Vögeli. wal

Im Herbst vergangenen Jahres brachte ein 64-Jähriger in Rupperswil seine 73-jährige, schwer demenzkranke Ehefrau um. Weshalb kam es so weit? Was war das Motiv des Mannes? Freunde des Ehepaars glauben, dass der Ehemann einfach keine Kraft mehr hatte.

Tatsächlich verändert eine Demenz (Alzheimer) das Leben Betroffener radikal. Demenz belastet indessen auch die Angehörigen, denn die Pflege von Demenzkranken fordert Körper und Geist aufs Äusserste. Von den rund 110000 Demenzkranken, die in der Schweiz leben, werden mehr als die Hälfte zu Hause betreut.

Hoffnungsvolles Projekt

Nun widmet sich ein «Doppelpunkt» dem Thema: Die 60-minütige Radiosendung zeigt die schweren Verluste auf, die Demenz für die Nächsten mit sich bringt, stellt aber auch ein hoffnungsvolles Projekt aus dem Kanton Thurgau vor. Die Sendung wurde von fünf, mit dem Thema eng verbundenen Menschen gestaltet, die an der Universität Basel Pflegewissenschaft studieren.

Einer von ihnen ist Samuel Vögeli, der seit Herbst 2009 Leiter der Geschäftsstelle Alzheimervereinigung in Brugg ist. Wie seine Mitgestalter besuchte auch Vögeli im Rahmen seines Studiums den Kurs «Pflege an die Öffentlichkeit» von Cornelia Kazis. Sie wiederum ist Radioredaktorin und in dieser Eigenschaft auch für den «Doppelpunkt» verantwortlich. «Ziel des Kurses war es, am Ende ein Öffentlichkeitsprodukt herzustellen», sagt Vögeli.

Beeindruckende Offenheit

Was wird zu hören sein? «In der Sendung kommen Menschen zu Wort, das heisst: mutige Angehörige, die mit beeindruckender Offenheit über ihre Erlebnisse berichten. Dann verweisen wir auf ein modellhaftes Angebot im Kanton Thurgau. Dort suchen die externen psychiatrischen Dienste Betroffene zu Hause auf und beraten, begleiten und unterstützen pflegende Angehörige. Die Sendung wird schliesslich abgerundet durch Zahlen und Fakten. Birgitta Martensson, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung, liefert diese und zeigt zugleich auf, was nun auf politischer Ebene geschehen muss.»

Damit die Radiosendung klar und verständlich rüberkommt, wird Schweizerdeutsch gesprochen, «denn wir wollen ja möglichst viele Menschen für das Thema Demenz respektive Alzheimer sensibilisieren», unterstreicht Samuel Vögeli.

Doppelpunkt «Nie allein mit dem Schweren» am Donnerstag, 13. Januar, DRS1, 20 bis 21 Uhr.

Information/Beratung Alzheimervereinigung Aargau, Geschäfts- und Beratungsstelle, Fröhlichstrasse 7, 5200 Brugg; Öffnungszeiten: Mo, Di und Fr 9–12 Uhr; Do
9–12 und 15–18 Uhr; Tel.: 056 406 50 70; E-Mail info.ag@alz.ch; www.alz.ch/ag