Birrhard/Birmenstorf
«Musste mich entscheiden: Entweder lerne ich ein Instrument oder braue Bier»

Teo Musso, ein Bierbrauer aus dem Piemont, war zu Gast im Weinkeller Riegger. In jungen Jahren studierte er das Handwerk in Belgien. Heute gibt es von einem «Birra Baladin» rund 30 Sorten. 2013 verkaufte er 1,25 Millionen Liter Gerstensaft.

Rosmarie Mehlin
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Teo Musso braut seit 25 Jahren mitten im Piemont Bier und hat damit sehr viel Erfolg. Sandra Ardizzone

Teo Musso braut seit 25 Jahren mitten im Piemont Bier und hat damit sehr viel Erfolg. Sandra Ardizzone

Zur Fois Gras wurde «Xyauyu» kredenzt, zur Pasta pomodoro e basilico «Nora», der reife Käse wurde von einem Glas «Elexier» begleitet. Bernhard Bühlmann vom «Bären Mägenwil» und die Gaucho’s aus Zürich hatten das Menü für einen Event im Weinkeller Riegger in Birrhard zubereitet.

Thema bei den Getränken war das Piemont. Aber weder Barbera, Barolo noch Barbaresco wurde ausgeschenkt, sondern . . . Bier. Genauer: verschiedene Kreationen aus der Brauerei jenes Italieners, der den Gerstensaft für Spitzenköche und Gourmets salonfähig gemacht hat – Teo Musso.

Mit den breiten Silberringen an den Fingern könnte er glatt als Harley-Rocker durchgehen. Mit seinem grau melierten Lockenkopf, der Brille und dem wilden Bartwuchs noch viel mehr als Cantautore. Geboren im südlichen Piemont, aufgewachsen mitten unter Weinbergen, war aus dem Kleinbauernsohn zunächst ein Schmid geworden.

Auf Besuch bei einem Onkel in Monte Carlo hatte er sich mit 22 Jahren in eine Balletttänzerin verliebt und war mit ihr in sein 1000-Seelen-Heimatdorf Piozzo zurückgekehrt. Zusammen hatten sie die örtliche Bar aus ihrem langjährigen Dornröschenschlaf erweckt und ihr – inspiriert von einem kleinen Wanderzirkus – den Namen «Le Baladin» gegeben. Sie boten fast 200 Sorten Bier aus halb Europa an und Teo organisierte regelmässig Konzerte. «Musik und Bier waren schon immer meine grössten Leidenschaften.»

Beim Riegger-Diner hatte Musso über sich, seine Philosophie und seine Biere geplaudert; am Samstagmorgen beim Frühstück im «Bären» Birmenstorf, tat er dies mit uns. 50 Jahre alt ist er vor kurzem geworden, doch die Leidenschaft und der Enthusiasmus, mit denen er erzählt, sind die eines Jungspunds. «Eines Tages musste ich mich entscheiden: Entweder ich lerne ein Instrument spielen, oder Bier brauen.» Zwischen 1991 und 1995 fuhr er regelmässig nach Belgien, um in der renommierten Brauerei d’Achouffe das Handwerk zu studieren.

Danach nahm er im «Le Baladin», durch eine Glasscheibe von den Gästen getrennt, seine Karriere als Bierbrauer in Angriff. «Era un disastro! Die vorwiegend älteren Gäste goutierten das nicht und blieben meinem Lokal fern.» Teo Musso liess sich nicht unterkriegen.

Er experimentierte mit Gewürzen und Früchten, die er seinen Bieren beifügte. Mit den ersten zwei Kreationen im Gepäck reiste er zwei Jahre lang durch ganz Italien und klopfte wie ein Hausierer bei renommierten Restaurants an. «Etwa 100 Restaurants haben damals mein Bier auf ihre Karte genommen.»

Die beiden Biere von damals hat Musso immer noch im Sortiment: «Isaac» (nach seinem 1997 geborenen Sohn) und «Super Baladin». Zusammen mit «Nora» und «Nazionale» bilden sie noch heute das Fundament des Baladin-Sortiments.

«Nora» – der Name von Isaacs Mutter – und «Wayan» – der Name der 2000 geborenen Tochter – werden ohne Hopfen gebraut: «Es bekommt die Bitterkeit durch Myrrhe aus Äthiopien und mein ‹Nazionale› war das erste italienische Bier, dessen Zutaten zu 100 Prozent aus dem Inland stammen.»

Teo ist ein Naturkind, mit der Scholle verbunden: «Was ich heute bin, verdanke ich den Reben, der Erde, auf der sie wachsen und den Düften, die sie verströmen.» Aus Teo, der von seiner Kleinstbrauerei eine unterirdische Pipeline zu den Lagertanks im ehemaligen Hühnerstall seiner Eltern baute, ist inzwischen ein ganz Grosser geworden: Von «Birra Baladin» gibt es heute rund 30 Sorten. 1,25 Millionen Liter Gerstensaft haben letztes Jahr die inzwischen stattliche Brauerei in Piozzo verlassen.

Die 7,5-dl- und 3,3-dl-Flaschen – teilweise mit Zapfen verschlossen – werden bis nach Brasilien und Japan exportiert. Es gibt Kreationen, die besonders zu Fischgerichten passen, andere zu kaltem Fleisch, wieder andere zu Schokolade; sie tragen Namen wie «Open Rolling Stone, «Yi-Er», Mama Kriek». Mit «Teku» hat Musso ein spezielles Glas als Symbol für Bierqualität kreiert. Lokale in und ausserhalb von Italien existieren zahlreiche Baladin-Lokale, seit 2011 auch eines im Herzen von New York.

Der Erfolg hat Teo Musso nicht verändert. Noch immer sprüht er vor Begeisterung für seine Biere, noch immer steckt er voller Visionen, strebt stets nach Neuem aber nie nach Perfektion. Er kocht und isst mit Leidenschaft, trinkt dazu auch gerne mal – «ma certo» – ein Glas Wein und ist vor 14 Monaten nochmals Vater einer Tochter geworden: Wetten, dass in Teos kreativem Kopf bereits ein Bier namens «Soraya» schäumt.