Djamal Moumène öffnet die Tür mit wachem Blick und ruhiger Ausstrahlung. Zwei Gitarren sind in der Mitte seines grosszügigen Schlafzimmers aufgestellt, vier weitere Gitarren befinden sich in der Ecke oder unter dem Fenster. Sofort ist klar: Hier wohnt ein waschechter Musiker. Der Gitarrist mit peruanischen Wurzeln wohnt in einer WG mit Sarina Schmid von der Brugger Band Ellas. Durch Freundschaften und Bekannte hat sich die Altstadtwohnung zum Treffpunkt für viele regionale Musiker entwickelt.

Nach einer Kostprobe von Moumènes Talent auf zwei verschiedenen Gitarren, wobei die blaue hervorragend zu den bunten Socken passt, geht es weiter auf den kleinen sonnenbestrahlten Balkon mit Blick über die Hausdächer der Brugger Altstadt. Sein musikalisches Talent kann sich der Jazzmusiker nicht wirklich erklären. Der Vater hört nur gerne Musik und die Mutter hat zwar vor der Geburt klassischen Gesang ausgeübt, aber seine Eltern hatten keinen weiteren Einfluss auf Moumènes musikalisches Talent.

Als Schlagzeuger gestartet

Aufgewachsen ist Moumène in der Schweiz, grösstenteils in Brugg. Klein Djamal wählte in der dritten Klasse Schlagzeugunterricht. Der heute 25-jährige Musiker startete seine Musikerlaufbahn also nicht erwartungsgemäss als Gitarrist. Seine Leidenschaft zur Gitarre entdeckte er per Zufall während seiner Kanti-Schulzeit. Allerdings merkte Moumène schnell, dass die Gitarre sein Instrument ist. Er fing an zu üben und machte innert kurzer Zeit grosse Fortschritte. Der Ansporn dazu kam aber nie von aussen. Die Leidenschaft zur Gitarrenmusik entfaltete sich und reichte als Motivator aus. Trotzdem war Musiker lange kein Berufswunsch. «Ich wollte bloss nie Musik studieren. Eigentlich wollte ich Psychologe werden wie mein Vater.»

Djamal Moumène macht Musik und spricht darüber.

Djamal Moumène macht Musik und spricht darüber.

Musik war stets etwas Privates für Moumène und er fürchtete, die Lust an der Musik zu verlieren, einen Überdruss zu bekommen. Doch genau sein Vater war es, der Djamal auf die Idee brachte, Musiker zu werden. Bei einem Männergespräch setzte er seinem Sohn den Floh ins Ohr, auf die Musik zu setzen. Eine Idee, auf die Moumène nie selber gekommen wäre. Vor allem der Fakt, dass er erst seit Kurzem Gitarre spielte, hielt ihn zunächst ab. «Ich startete relativ spät, die meisten beginnen mit fünf Jahren und ich erst mit 16 Jahren in der zweiten Kanti.» Nach vielen Überlegungen und einem Gespräch mit seinem Musiklehrer der Kantonsschule Baden, Max Frankl, ist Musiker sein erklärtes Berufsziel.

Im April 2015 stand die Aufnahmeprüfung an die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) bevor. Moumène bestand sowohl die Aufnahmeprüfung als auch das Vorstudium und startete im September 2015 sein Jazz-Studium an der ZHdK.

Doch der Aufprall in der Realität war hart. Die Musik wurde vom Hobby zum Beruf – mit all seinen Höhen und Tiefen. Der Wechsel zum akademischen Spielen fiel Moumène nicht leicht. Besonders in seinem zweiten Jahr hatte er einen Durchhänger. Es war ungewohnt für den Jazzmusiker, nicht nur die selber gewählte und geliebte Musik zu machen, sondern auch andere Stücke zu spielen mit «nicht nur sympathischen Menschen», wie er sagt. Diese Kombination war für die Kreativität schwierig und nagte auch am Selbstbewusstsein. Sein Jazz-Studium abzubrechen, war für Moumène aber nie eine Option.

Quartett als Bachelorarbeit

Im Sommer 2018 wird Moumène sein Studium mit einem Bachelor in Jazzgitarre abschliessen. Als Bachelorarbeit hat er das Quartett Mène gegründet und eigene Kreationen komponiert. Moumène hatte bis zum Start seiner Bachelorarbeit noch keine eigenen Stücke komponiert und daher extra früh gestartet. Eine weise Entscheidung, denn wie viele Musiker erlebte auch Moumène eine Blockade. «Das Schreiben ist ein Handwerk und wie bei jedem Handwerk braucht es viel Übung», so Moumène. Es dauert lange, bis der selbstkritische Musiker mit einem Stück zufrieden ist. Inspiration für seine Kompositionen findet Moumène in vielem. Sein Lieblingsbuch «L’Étranger» von Albert Camus, der Wunsch, ein konkretes Gefühl zu vermitteln, oder Musiker wie Jimi Hendrix sind pure Inspiration für ihn.

Die Band Mène ist mit Persönlichkeiten aus der ganzen Schweiz besetzt. Der Zürcher Tobias Pfister (Sax), der Bündner Vito Cadonau (Bass) und der Berner Noah Weber (Drums) komplementieren das Quartett. Die Gründung von Mène beruht zwar auf einer Bachelorarbeit, aber die vier Männer haben Pläne über die Abschlussarbeit hinaus. So sind verschiedene Auftritte, eine Tour sowie ein gemeinsames Album geplant.

Langweilig wird es Moumène in nächster Zeit sicherlich nicht. Neben dem beabsichtigten Masterstudium spielt er mit viel Leidenschaft in weiteren Bands wie «New Polarities» und «Kontext Clay». Auffällig ist der Musikstil: Jede Band verkörpert eine andere Stilrichtung. Dies ist ein zentraler Aspekt für Moumène. «Ich könnte mir nicht vorstellen, nur einen Musikstil zu verkörpern. Ich möchte ein Hybrid sein.» So schliesst Moumène zwar mit einem Bachelor in Jazzgitarre ab, ist aber weder Pop, Indie-Pop oder Hip-Hop abgeneigt. Ein klarer Vorteil als Musiker.

Dennoch ist das Dasein als Musiker immer noch schwierig. Ein regelmässiges Monatseinkommen besteht bei Moumène genauso wenig wie ein fixer Alltag. Je nach Auftrittsmenge und -bezahlung verdient Moumène in einigen Monaten mehr als in anderen. So unterrichtet Moumène in seinem Bandraum zusätzlich zwischen vier und fünf Schüler im Gitarrenspiel. Seine Passion an andere weiterzugeben, bereitet ihm viel Freude. Daher ist ein kleines Pensum als Musikschullehrer durchaus denkbar für ihn. Seine Bands sind aber dennoch der Fokus seiner Karriere und er möchte flexibel bleiben. «Zwei Nachmittage an einer Musikschule wären optimal.»

Tour nach Kongo und Spanien

Flexibel und spontan muss Moumène immer sein. Ein Leben als Musiker ist schwer planbar. Bestes Beispiel dafür sind seine Tourneepläne mit Tshanda Sangwa, einem gefeierten Kinderstar aus der Demokratischen Republik Kongo und Mitstudent an der ZHdK. Moumène und Sangwa planen eine gemeinsame Kongo-Tour. Die Planung gestaltet sich allerdings als äusserst anspruchsvoll. Ursprünglich wollten die beiden Musiker bereits im April 2018 durch den Kongo touren, allerdings mussten die Pläne aufgrund politischer Schwierigkeiten verschoben werden. Der neue Plan für die Kongo-Tour wird mit mehr Vorlaufzeit strukturiert. Entweder geht es bereits im Sommer oder dann im Dezember nach Afrika.

Im November hat Moumène zudem einen Abstecher nach Spanien geplant. Gemeinsam mit einem Zürcher Bassisten und zwei Katalanen, beide studieren zur Zeit in Basel, wird Moumène für zwei Wochen in Barcelona ein Maximum an Konzerten spielen.

Der Musiker hat einige grosse Projekte geplant, über er aber noch keine Details verraten kann. Über die Zukunft als Musiker macht sich Moumène keine Sorgen. Obwohl er momentan noch nicht alleine von der Musik leben kann. «Es wird schon gut kommen», meint Moumène zuversichtlich. «Es ist bis jetzt immer gut gekommen.»

Das ist es in der Tat. So war Moumène mit dem Bieler Musiker Nemo, der ebenfalls an der ZHdK studiert, im Studio und konnte Gitarrenspuren aufnehmen. Ausserdem hatte er mit den Stadtmatrosen, einem Badener Musikerkollektiv, an der Badenfahrt 2017 zwei Auftritte auf der Hauptbühne. Zudem hat er auf die Frage nach dem schlimmsten musikalischen Erlebnis nach langer Pause und tiefem Schnaufer nur «Holz anfassen, bis jetzt noch keines» zu erzählen.