Ist er das? «Ja, ich bin Pascal Ammann», sagt der junge Mann, der eher Mr. Smiley heissen müsste: Breites Lächeln, amüsiert funkelnde Augen unter einem Blondschopf. Fehlt bloss noch seine Gitarre. Sein jetziges Instrument ist noch ganz neu; er spielt es erst seit drei Wochen - mit ihm wird er Joaquín Rodrigos Fantasia para un Gentilhombre am Wochenende in Windisch und Lengnau interpretieren. Etwas Lampenfieber hat Pascal Ammann aus Lauffohr schon: «Ich trete erstmals mit einem Orchester auf», sagt er und strahlt wie ein Maikäfer: Ammann spielt mit dem Siggenthaler Jugendorchester (SJO) und dem Dirigenten Marc Urech. «Ich habe selten einen Menschen erlebt, der derart für die Musik lebt wie er», sagt Ammann bewundernd und erzählt von Marc Urechs inspirierender, fordernd-fördernder Probenarbeit.

«Versuche es doch damit»

Also kann bei den Konzerten nichts schiefgehen? Das würde Pascal Ammann kaum behaupten wollen. Der junge Musiker ist zu selbstkritisch. «Die musikalische Entwicklung ist nie zu Ende», merkt er bescheiden an. Wie kam er überhaupt zur Gitarre? War es Liebe auf den ersten Blick? Nein, schüttelt er den Kopf. «Ich war acht Jahre alt, nahm am Instrumentenparcours in Brugg teil, sah das Instrument und dachte mir: ‹Versuche es doch damit›.» Die Zuneigung wuchs immer mehr, sodass für Ammann schliesslich feststand: «Ich studiere klassische Gitarre an der Zürcher Hochschule der Künste.» Er seufzt leise auf. Im Vergleich zum Klavier oder zur Geige fristet die klassische Gitarre in den Konzertsälen ein relativ seltenes Dasein.

«Es sind leider nicht viele Konzerte geschrieben worden für dieses Instrument», sagt Pascal Ammann und schüttelt verwundert seinen Kopf, «dabei verfügt die Gitarre über eine unerhört reiche Farb- und Klangpalette.» Ammann schwärmt von Alt-Meistern wie dem Spanier Andrés Segovia, dem Engländer Julian Bream und dem Kubaner Leo Brouwer. Künstler, die er schätzt - selbst wenn ihre Aufnahmen der jeweiligen Zeit und damit der jeweiligen Spielweise verhaftet sind. Seit diese Grossen die Gitarre zum edlen Soloinstrument adelten, habe sich «spieltechnisch enorm viel getan», betont Ammann. Er selbst ist glücklich, dass er nun mit dem SJO die Fantasia para un Gentilhombre aufführen kann: Ein Werk mit barocken Bezügen. «Die Fantasia ist nicht ganz so berühmt wie Rodrigos Concierto de Aranjuez, aber ebenfalls sehr schön und mit spieltechnischen Tücken gespickt.» Noch stehen einige Proben bevor - bis dahin gilt der Courant normal für den 20-Jährigen, der bald seinen Bachelor machen wird.

Die Zukunft ist vielseitig

Wie sieht er seinen künftigen Weg? «Ich will Musik machen.» Hinter dem schlichten Satz steckt viel Gedankenarbeit. Ammann will die Vielseitigkeit seines Instrumentes in unterschiedlichen Formationen ausspielen; er will verschiedene Musikstile zusammenführen - wie etwa für sein Bachelor-Projekt.

Für dieses nimmt er Rodrigos Fantasia, entwickelt sie mit eigenen Stücken in Richtung Pop-Rock, wobei ihm ein Streichquartett, ein Klarinettist, eine Sängerin, ein Rapper und ein Schlagzeuger zur Seite stehen werden. So will Pascal Ammann die Möglichkeiten seines geliebten Instrumentes immer mehr ausloten. Schon jetzt unterrichtet Ammann regelmässig an der Musikschule in Baden. Sein jüngster Schüler ist gerade mal fünf Jahre alt. Ammann lacht, als er von dem quicken Buben erzählt. Doch dann wird der junge Gitarrist ernst: «Musiker bin ich erst dann, wenn ich heimkomme.»

Konzerte Samstag, 5. Mai, ref. Kirche Windisch, 20 Uhr. Sonntag, 6. Mai, kath. Kirche Lengnau, 17.15 Uhr.