Mila Josefina Graf streicht mit dem Bogen gefühlvoll über ihr Violoncello und lässt warme, weiche Klänge durch den Saal schweben. Darüber ertönt das Fagott von ihrer Zwillingsschwester Julia Silvana. Ihr Kopf ist rot vor lauter Eifer und Anstrengung. Die beiden 14-jährigen Musikschülerinnen aus Brugg sind hochkonzentriert beim Vortrag vor der dreiköpfigen Prix-Rotary-Jury (Katharina Gohl Moser, Hans Brupbacher und Giuseppe Feola), die eifrig Notizen macht. In den Publikumsrängen ist es mucksmäuschenstill.

Draussen in der Eingangshalle des Schulhauses Chapf in Windisch steht Elia Kasper aus Frick und lauscht entspannt der Musik. Das Gitarrentalent hat seinen Einsatz schon hinter sich und ist mit den erbrachten Leistungen zufrieden. «Wenn ich spiele, fühle ich mich frei», meint der 13-Jährige. Angefangen hat er im Alter von 7 Jahren. Er übt auf seinem Instrument täglich 50 Minuten.

Durchhaltewille ist gefragt

«Musik erfordert ähnliche Voraussetzungen wie Leistungssport: Disziplin, einen starken Willen und Leidenschaft», sagt Masaya Higashigaito, Querflötist und musikalischer Leiter des von den Rotary Clubs Zurzach-Brugg, Brugg-Aare-Rhein und Laufenburg-Fricktal organisierten Förderwettbewerbs. Doch nicht alle Kinder haben einen Durchhaltewillen wie beispielsweise die 9-jährige Elvire Rüfenacht, die ihren Violinkoffer und die Gitarrentasche durchs Schulhaus schleift und gleich zweimal antritt.

Die Anmeldungen für den 18. Prix Rotary seien dieses Jahr nicht so zahlreich gewesen wie auch schon, bedauert Rotarier Arthur Patrik. «Viele Jugendliche sind kaum noch bereit, regelmässig zu üben. Gute Musik gibts ja auf Knopfdruck. Dabei muss man keinen Finger rühren.» Patrik windet der Musikschule Brugg ein Kränzchen, die besonders talentierte Jugendliche auch über den obligatorischen Musikunterricht hinaus mit Extrastunden fördert und jeweils die meisten Wettbewerbsteilnehmer stellt.

Der Gründer ist auch mit dabei

Auch der Gründer des Prix Rotary, Erwin Hort aus Bad Zurzach, ist beim Wettbewerb zugegen. Gespannt sitzt er neben der Präsidentin Gudrun Goitein, die durch die dreistündige Veranstaltung führt, und hört den Darbietungen zu. Der 86-Jährige hat bisher noch keine einzige Ausgabe verpasst. Für ihn ist dieser Event eine Herzensangelegenheit; genauso wie er es für den 2013 verstorbenen legendären Jazz-Musiker George Gruntz war, der jahrelang in der Jury sass und deswegen sogar mal eine Tournee absagte. Der Musikwettbewerb hat schon einige Erfolgsgeschichten mitgeschrieben. Pianistin Jasmin Schlegel und Klarinettist Moritz Roelcke, beide Prix-Rotary-Gewinner, heimsten beispielsweise an zahlreichen weiteren Jugendmusikwettbewerben Preise ein und sind auf dem besten Weg, international Karriere zu machen.