Stadtmusik Brugg

Musik, die Bilder und Gefühle generiert

Das Jahreskonzert der Stadtmusik Brugg in der reformierten Kirche war laut, gewagt, vielfältig und stimmungsvoll.

«Da sieht man vor lauter Noten nur Schwarz.» So beschrieb Stadtmusik-Präsident Walter Telser – mit einem Augenzwinkern natürlich – gleich zu Beginn, was den Brugger Stadtmusikanten und dem Publikum beim Jahreskonzert bevorstand. An knifflige Stücke wagten sie sich heran, bei denen er sich teilweise wie Indiana Jones vorkomme: Auf einem Abenteuer voller Fallen und Tücken, unerwarteten Auflösungszeichen und anderen Überraschungen. Unter dem Motto «Geschichten und Legenden» starteten die Musiker das Abenteuer bei den Inkas auf den peruanischen Anden – und dies gleich zu Beginn mit vollster Lautstärke: «Machu Picchu» heisst das relativ neue Stück von Satoshi Yagisawa, das eröffnet wird mit der musikalischen Umsetzung des Inkareichs und dessen Hauptstadt Cusco. Der sehr laute Start wurde rasch besänftigt durch behutsame Klarinettentöne, mit denen die Idylle dieser offenbar unbeschwerten Zeit schön beschrieben wurde.

Doch nichts währt ewig: Es folgten die Schlachten der Inkas gegen die spanischen Eroberer und deren Zerstörungswut. Durch die Musik sieht man Bilder vor sich, die Fantasie spielt mit, die Geschehnisse werden spürbar. Der Stadtmusik ist es da wirklich toll gelungen, die entsprechenden Gefühle zu generieren – Aufwühlende wie Schöne. Zum Schluss gibts nicht gerade ein Happy End, aber immerhin ein Wiederauferleben der Pracht der Inkas mit der späten Entdeckung von Machu Picchu, der Stadt auf 2430 Metern Höhe, die von den Spaniern unerreicht blieb. Es fühlt sich an, als würde man auf den Horizont über den Anden schauen, von der Schönheit und Imposanz der Stadtruine und deren Kulisse verblüfft. Was lange währt, wird endlich gut – oder so.

Heidi, Candide und Glenn Miller

Die Vorführung ging weiter mit alten Musicals. Bei «Heidi und Peter» vom Berner Mario Bürki zeigte die Stadtmusik ihr Können, die vielen Akte mit deren unterschiedlichen Stimmung von düster bis hell und heiter umzusetzen. Grösste Herausforderung des Abends war aber wohl die Ouvertüre zu Leonard Bernsteins «Candide», die sehr schwierig zu spielen ist. Es folgte ein Medley mit Teilen verschiedener Lieder von Glenn Miller: Bekannte Melodie voller Swing, bei denen die Vielseitigkeit der Stadtmusik zur Geltung kam.

Am Ende spielten sie mit «West Side Story» wieder etwas von Leonard Bernstein, der vergangenen August 100 Jahre alt geworden wäre. Und als Zugabe gabs einen Solothurner Marsch, um nochmals die Stärke des Blasorchesters zu zeigen, so Dirigent Roman Brogli. An Kraft fehlte es während des ganzen Konzerts indes nicht: Es war insgesamt etwas zu laut, vielleicht war die Stadtkirche akustisch nicht der geeignete Ort für Stücke dieser Art. Hervorzuheben bleibt der Mut des Orchesters, sich an die schwierigen Lieder heranzuwagen. Auch die Solos kamen sehr schön daher. Unterstützt wurden die Brugger von einer Delegation der Stadtkapelle der süddeutschen Partnerstadt Rottweil und von Musikern der Gesellschaften aus Riniken, Windisch, Gebenstorf, Baden-Wettingen, Schwaderloch und vom Aargauischen Musikverband.

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