Entwicklungshilfe
Mülliger hat in den Bergen Guatemalas Schule auf die Beine gestellt

Walter Suter aus Mülligen gibt zehn Döfern in Guatemala eine Zunkunfsperspektive. «Jetzt können dort auch die Mädchen die Sekundarschule besuchen», freut er sich. Der Mülliger hat in den Bergen Guatemalas den Bau einer Schule ermöglicht.

Claudia Meier
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Walo Suter vor seinem Haus in Mülligen: «Das Leben ist ein ständiges Geben und Nehmen.» claudia meier

Walo Suter vor seinem Haus in Mülligen: «Das Leben ist ein ständiges Geben und Nehmen.» claudia meier

Er sitzt am Esstisch und blickt durchs Fenster in den Garten. Die letzten Nebelschwaden ziehen über das Dorf davon. Nebelschwaden wie sie auch im Hochland von Guatemala das Landschaftsbild prägen. Doch Walo Suter war selbst noch nie im Norden Guatemalas. «Ich werde vermutlich nie dorthin kommen», sagt der 65-Jährige. Der Pensionär und passionierte Gleitschirmflieger mit dem athletischen Körper ist zurzeit gesundheitlich reduziert.

Anfang Juli wurde in den Bergen Guatemalas, im Dorf Peña Blanca im Bezirk Alta Verapaz, das «Maya-Institut K’amolbe’e Walo Suter» mit einer Maya-Zeremonie und einer grossen Feier offiziell eingeweiht. Zehn Dörfer sind dem Institut angeschlossen, wo Knaben und Mädchen die Sekundarschule besuchen können.

Möglich wurde der Bau, weil Walo Suter das Erbe seiner Eltern sinnvoll anlegen wollte. Nach vertieften Abklärungen bei verschiedenen Organisationen entschied sich Suter für dieses Projekt von Enfants du Monde. Die Schule war bereits geplant, die Finanzierung aber noch nicht gesichert.

Dann ging es plötzlich schnell. 2011 verpflichtete sich Suter, den Bau des Schulgebäudes inklusive Bibliothek und Schulmaterial sowie die Lohn- und Weiterbildungskosten für alle Lehrer und den Direktor in den ersten drei Betriebsjahren zu finanzieren. Die Organisation will erreichen, dass der Staat die Kosten ab dem vierten Betriebsjahr selber trägt.

Seit dem 16.Januar werden nun 44 Schüler am Institut unterrichtet. Der Anteil der Mädchen lag im ersten Semester bei 32 Prozent. Ziel ist, dass er auf
50 Prozent steigt. «Das gab es noch nie, dass Mädchen aus diesem abgelegenen Gebiet die Sekundarschule besuchen können», erzählt Suter. Bisher war dieses Privileg einzelnen Knaben vorenthalten, die den weiten Weg zur nächsten Sekundarschule zu Fuss auf sich nehmen oder in der 3 Stunden entfernten Stadt wohnen konnten.

«Wenn das Bildungsniveau steigt, geht es dem Land besser. Die Jungen müssen nicht mehr auswandern, weil sie nun eine Perspektive haben», fasst Suter die Motivation für sein Engagement zusammen. Am Institut wird zweisprachig unterrichtet: Spanisch und in der Maya-Sprache Q’eqchi. «Einerseits wird die lokale Tradition der Mayas gepflegt und andererseits haben die Jugendlichen dank der spanischen Sprache Zugang zur Welt.» Dieser Ansatz wird mittlerweile auch von der Regierung unterstützt. Der Unterricht im Klassenzimmer wird mit Praxistagen in den Dörfern ergänzt. Nach drei Jahren Sekundarschule können sich die Schüler zu Landwirten oder Lehrern ausbilden lassen.

Walo Suter blickt zurück: «Ich habe oft Geld weggegeben, das ich nicht brauchte. Viele von uns hier leben im Überfluss – aber das macht uns nicht glücklicher – im Gegenteil.» Weil Suter an einer unheilbaren Augenkrankheit leidet, hat er auch schon eine Augenklinik in Afrika mitfinanziert.

Suter hatte immer das getan, was er für richtig hielt. Nach der kaufmännischen Lehre meldete er sich 1969 für die Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule (HWV) an. Doch ein Praktikum in Schottland mit invaliden Buben veränderte sein Leben nachhaltig: «Ich lernte viele Kinder kennen, die nicht annähernd die gleichen Möglichkeiten hatten wie wir. Das mischte mein Leben neu auf.» Anstelle der HWV absolvierte der damals junge Mann aus wohlbehüteten Familienverhältnissen die Ausbildung zum Sozialarbeiter.

Die letzten 18 Jahre seines Berufslebens hatte Suter bei der Jugend- und Familienberatungsstelle in Mellingen gearbeitet. «Es hätte nicht anders kommen können», sagt Walo Suter zufrieden. «Das Leben ist ein ständiges Geben und Nehmen. Wer gibt, wird immer auch beschenkt – und umgekehrt.»

www.edm.ch