Brugg

Mühleräder kosten jährlich etwa 3000 Franken

Trotz Verkauf: Die markante Brunnenmühle samt den beiden Mühlerädern soll erhalten bleiben.

Das war eine Überraschung im März in Brugg: Der Stadtrat will die altehrwürdige Brunnenmühle an der Aare für 2 Mio. Franken verkaufen, lautete die Schlagzeile in der Presse. Der Gebäudekomplex mit den beiden funktionierenden Mühlerädern, den sieben Wohnungen sowie der benachbarten Scheune gehört der Einwohnergemeinde.

Viele rieben sich verwundert die Augen, fragten nach dem Grund (die AZ berichtete). SP-Einwohnerrat Reto Bertschi lancierte eine Petition auf der Online-Plattform petitio.ch mit dem Titel «Kein Verkauf der Brunnenmühle in Brugg». Er schlug vor, die historisch wertvolle Liegenschaft – ein Wahrzeichen der Stadt und ein Publikumsmagnet – zu erhalten und, soweit nötig, zu sanieren. Insgesamt 255 Unterschriften sind zusammengekommen.

Auch bei FDP-Einwohnerrat und Historiker Titus Meier hat die Verkaufsabsicht zu einigen Fragen geführt. In einer kleinen Anfrage erkundigte er sich beim Stadtrat unter anderem danach, warum der angestrebte Verkauf nicht aktiv kommuniziert und öffentlich begründet wurde, welche zukünftige Nutzung als wünschenswert erachtet wird oder welche Auflagen ein Käufer hinsichtlich der Mühleräder hat.

In seiner jetzt vorliegenden Antwort weist der Stadtrat darauf hin, dass der Verkauf im Jahr 2017 beschlossen wurde. «Überlegungen im Rahmen der Revision der Nutzungsplanung hatten gezeigt, dass für die Liegenschaft kein Eigenbedarf seitens Stadt besteht beziehungsweise sich die Liegenschaft für eine öffentliche Nutzung nicht eignet.» Insbesondere die Standortoption für einen Kindergarten sei vertieft geprüft, aufgrund anderer, besserer Optionen jedoch verworfen worden.

Preis basiert auf einer Schätzung

Der Finanzkommission wurde die Verkaufsabsicht im Herbst 2017 mitgeteilt und begründet, fährt der Stadtrat fort. Ebenfalls sei der geplante Verkauf im Bericht zum Finanzplan 2018–2023 vermerkt. «Die nun erfolgte Ausschreibung hat zum Ziel, eine Käuferschaft zu finden, die gewillt ist, das denkmalgeschützte Objekt einer geeigneten Nutzung zuzuführen und es langfristig zu unterhalten.»

Ein Mandat für den Verkauf wurde der Aarbrugg AG erteilt, da der Stadtrat die Verhandlungen mit den Interessierten nicht selbst führen will. «Eine aktive Kommunikation über einen Verkauf ist dann vorgesehen, wenn Resultate der Ausschreibung vorliegen, welche vorgängig mit der Finanzkommission besprochen und von dieser gutgeheissen worden sind», führt die Behörde aus.

Der angestrebte Verkaufspreis, heisst es weiter, basiere auf einer Verkehrswertschätzung. Beim Zuschlag mitberücksichtigt werde, welche Nutzungen und Projekte die Interessierten vorsehen. «Die Brunnenmühle soll weiterhin als markantes Gebäude in der Stadt Brugg in Erscheinung treten, insbesondere sollen die Mühleräder erhalten und unterhalten werden.» Ein Käufer habe – «grob abgeschätzt und gemäss Erfahrungswerten» – für die Mühleräder mit jährlichen Unterhaltskosten von etwa 3000 Franken zu rechnen. Nicht geplant sei derzeit eine finanzielle Beteiligung der Stadt.

Garten-Verpachtung ist möglich

Mit der laufenden Revision der Ortsplanung wird die Parzelle von der Zone für öffentliche Bauten in die Wohnzone W2 umgezont. In dieser sind neben Wohnnutzungen auch nicht störende Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe zugelassen. Die definitive Abparzellierung ist laut Stadtrat später mit dem Käufer vorzunehmen. Erfolgen soll sie entlang der südlichen Strassenlinie «und kann dabei vor der Wohnliegenschaft wie bisher einen Bereich für das Abstellen von Personenwagen und Velos umfassen». Noch nicht präzisiert wurde in den Verkaufsunterlagen eine Verpachtung des Garten- und Sitzplatzbereichs. Eine solche sei je nach Interesse des Käufers aber möglich.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

Meistgesehen

Artboard 1