An einem grauen Regentag vor zwei Jahren fing Thomas Hochstrasser mit einem Freund spontan zu schnitzen an. Der Architekt fing sofort Feuer für das manuelle Schaffen mit dem Naturelement. Immer grösser wurden die Fundstücke aus Robinien- und Tannenholz, die er bearbeitete. Immer feiner gestaltete er die Details seiner 2 bis 4 Meter hohen Figuren.

Den Rohschnitt an den bis zu 90 kg schweren Stämmen macht der Autodidakt mit der Motorsäge. Ihre naturgegebene Form bestimmt die Haltung der Menschengestalten, die entstehen. Feinarbeiten wie Gesichtszüge, Glieder oder Details an den Körpern erfolgen dann mit Stechbeutel und verschiedenem Schnitzwerkzeug.

Das schönste Geschenk

«An Ideen mangelt es mir nie», lacht der 50-Jährige, der sich mit seiner ersten eigenen Ausstellung wohl das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht hat, das man sich vorstellen kann. Vom 11. August bis zum 13. Oktober 2013 sind 15 Skulpturen des Schnitzers links und rechts der Fussgängerbrücke über die Reuss nahe der alten Spinnerei Unterwindisch ausgestellt, in deren Gebäulichkeiten Hochstrasser mit seiner Frau Susanne Siebenhaar auch wohnt.

Ein Spaziergang durch die idyllische Landschaft bietet sich geradezu an. Unterwegs begegnet man dann beispielsweise «Diego», einem schlanken stolzen Mannsbild, das seine hinter ihm stehende, ebenfalls in Holz erschaffene Frau keines Blickes würdigt. Oder stösst vor einer prachtvollen Kastanie auf «Wendehals», der wie auf frischer Tat ertappt wirkt. «James» erinnert mit seiner leicht devoten Haltung etwas an den Butler in «Dinner for One». Mitten in einem Lindenbaum entdeckt der Fussgänger den sogenannten «Bock» mit eindrucksvollem Gehörn.

Inspiration von Freunden

Zu den Namen seiner Exponate liess sich der Künstler von der eigenen Fantasie oder Freunden inspirieren. «Afrika» betitelt er eine Frauenskulptur, die eine Vase über ihrem Kopf stemmt.

Dass man die einzelnen Schnitte im Holz sieht, ist gemäss Hochstrasser gewollt. Oft wirken die Figuren etwas knorrig, wie das Material aus dem sie geschaffen sind. Und egal, wie deren künstlerische Qualität vom Betrachter beurteilt wird: Sie sind originell, monumental, bisweilen archaisch und passen so gut in die Landschaft, dass man sie sich gar nicht mehr wegdenken kann.

Die Ausstellung von Thomas Hochstrasser dauert noch bis zum 13. Oktober. Sie ist frei zugänglich, Pläne vor Ort weisen den Weg.