Brugg

Mit vollen Segeln schippert er durchs zweite Leben

Hochseeskipper Frederik Briner ist rund sieben Monate im Jahr in den Gewässern um Korsika und Sardinien unterwegs. Seine Psychologiepraxis hängte der Brugger 1994 an den Nagel, um ein zweites Leben anzufangen.

Wenn ihm der Wind in die Haare bläst, die Luft ein wenig salzig schmeckt, die Delfine neben ihm aus dem Wasser springen und die Sonne auf die Haut brennt, dann ist Skipper Frederik Briner in seinem Element. Er wird im Sommer seine 17. Saison auf seiner Segeljacht auf dem Mittelmeer rund um Korsika und Sardinien verbringen. 1994 hat er sich, wie er selbst sagt, «von seinem ersten Leben verabschiedet». Er hatte in Zürich Psychologie studiert, machte den Doktortitel, arbeitete unter anderem als Verkehrspsychologe und hatte eine eigene Praxis.

Tagein, tagaus predigte er seinen Patienten, sie sollten ihre Träume verwirklichen und hörte sich ihre Geschichten an. Dann war für Frederik Briner die Zeit gekommen, den eigenen Traum in die Tat umzusetzen: als Hochseeskipper unterwegs zu sein und den Menschen das Segeln näherzubringen.

Immer eine andere Crew an Bord

«Ich habe diese Entscheidung nie bereut. Damit hat mein zweites Leben angefangen», sagt Briner. Klar gebe es manchmal auch unangenehme Situationen, das Wetter könne sich schnell ändern. «Doch einen Trost habe ich: Jeder Sturm geht vorbei, und solche Situationen schweissen die Crew zusammen», fügt der Skipper an.

Im Sommer ist Skipper Frederik fast alle zwei Wochen mit einer neuen Crew unterwegs. Jeweils von April bis Oktober. Seine Mitfahrer sind vorwiegend Schweizer, die bei ihm einen Segeltörn gebucht haben oder solche, die für ihren Hochsee-Ausweis die erforderlichen 1000 Seemeilen absolvieren wollen. Denn seine Segeljacht, die «Eolienne XIII», ist eine Schuljacht. Sie ist 12,30 Meter lang, 3,80 Meter breit und bietet für neun Personen Platz. Es sind aber nie mehr als fünf Mitsegler an Bord. Dies sei zwar Luxus, «aber die Leute schätzen es, wenn sie Platz haben», so Briner.

Es war Zufall, als Frederik Briner vor Jahren ein kleines Inserat in der Zeitschrift «Seemeile» sah, wo die «Eolienne» zum Verkauf angeboten wurde. «Das war eine einmalige Gelegenheit», sagt Briner. Der Name Eolienne ist französisch und bedeutet Windmühle. Er hat die Jacht nicht umgetauft, denn: «Ein Schiff darf man nicht umtaufen, das bringt Unglück.»

Seit rund 35 Jahren hat Frederik Briner seinen Hochsee-Ausweis. «Die grosse Freiheit auf dem Wasser fasziniert mich einfach, ich sehe nicht alle 100 Meter ein Fahrverbot, das ist schön», sagt der Segler. «Auf See kann ich Entscheidungen treffen, ich muss aber auch die Verantwortung tragen.» Jeden Morgen in den rund sieben Monaten, in denen Briner auf dem Meer unterwegs ist, arbeitet er mit seiner Crew eine Checkliste ab: Hat es Öl im Motor? Genug Kühlwasser? Sind alle Luken und Ventile geschlossen? Sind die Keilriemen fest? Erst wenn alles in Ordnung ist, legt das Schiff ab.

Briner liebt die navigatorischen Leckerbissen; wenn er sein Schiff durch die vielen Klippen und Felsen navigieren kann. Oft schwimmen die Delfine neben dem Boot oder er kann beobachten, wie sich Schwärme von fliegenden Fischen über Wasser bewegen. Bereits viermal hat er einen Wal gesehen – ein seltenes Ereignis. Und er geniesst es, wenn er in einer kleinen, abgelegenen Bucht ankern, baden, den Sonnenuntergang beobachten und sich entspannen kann.

Im Winter ist Briner in der Schweiz. Die rund fünf Monate nutzt er, um die neue Saison zu planen, die Segeltörns zu organisieren und am Schiff Reparaturen vorzunehmen. Mehrmals besucht er dafür seine «Eolienne», die im Hafen von Olbia in Sardinien überwintert. Dort beaufsichtigt er die Wartungsarbeiten: Die Muscheln müssen abgekratzt werden, die Jacht braucht einen neuen Anstrich und neue Fensterrahmen.

Sechsmal um die Welt

Rund 133000 Seemeilen hat Frederik Briner bereits abgefahren. Das entspricht sechs Erdumrundungen. Auch seine Frau Gabriela ist ab und zu mit an Bord. Sie leitet die Buchungsstelle für die Segeltörns in Brugg, wenn Frederik Briner unterwegs ist. Das heisst aber auch, dass sich die beiden oft wochenlang nicht sehen. Im April startet die neue Saison wieder und Skipper Frederik erwartet den 1000. Besucher auf der Jacht. Ob er sich denn in Zukunft noch einen weiteren Traum erfüllen wolle? «Nein», sagt der Skipper. Einzig seine Nachfolge müsse er noch regeln. Seinen Traum hat er sich erfüllt – und er lebt sein zweites Leben.

Weitere Infos unter: www.segeln.ch
Weitere Bilder unter http://picasaweb.google.com/brinerfritz?feat=email

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