Brugg
Mit sechs Jahren verliebte sich die Bruggerin Valeria Curti ins Fagott

Seit ihrem 12. Lebensjahr spielt Valeria Curti im Siggenthaler Jugendorchester (SJO). Nun tritt sie als Solistin in Erscheinung: Sie spielt mit dem SJO Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert.

Elisabeth Feller
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Caleria Curti ist Feuer und Flamme für ihr Instrument, das Fagott

Caleria Curti ist Feuer und Flamme für ihr Instrument, das Fagott

AZ

Mit sechs Jahren entdeckte sie an einem Tag der offenen Tür ein Instrument, das ihr Leben verändern sollte: Valeria Curti verliebte sich auf der Stelle in das Fagott, das Klassikliebhabern als sperrig und schwer spielbar erscheint.

Das Herbstprogramm

Das Siggenthaler Jugendorchester (SJO) spielt Carl Maria von Webers Fagott-Konzert mit Valeria Curti und Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 7. Aufführungen:
Sa, 23. November, 19.30 Uhr Reformierte Kirche Windisch;
So, 24. November, 17.15 Uhr Katholische Kirche Lengnau;
So, 15. Dezember, 17.15 Uhr Kurtheater Baden. (AZ)

Die heute 18-jährige Bruggerin lächelt. Sie weiss, worauf ihr Gegenüber anspielt – die roten Köpfe der Fagottisten, die manche Konzertbesucher angstvoll an Sauerstoffflaschen denken lässt. Gegen rosa gefärbte Wangen lasse sich aber nichts tun, sagt die junge Musikerin und ist flugs mit einer Erklärung zur Hand: «Anders als bei der Oboe braucht es für das Fagott mehr Luft, dafür aber weniger Druck.» Valeria Curti deutet auf das Doppelrohrblatt: «Das ist das sogenannte Röhrli.» Der eigentliche Tonerzeuger des Fagotts wird auf einen S-Bogen aufgesteckt.

Alles klar? Für den Laien nicht unbedingt, aber das spielt keine Rolle. Hauptsache, Valeria Curti erzählt weiter so spannend wie bisher von ihrem dunkelrot schimmernden Instrument aus Ahorn.

Weshalb hat sie das Fagott schon als Kind ins Herz geschlossen? «Ich war fasziniert von seinen tiefen, sonoren Klängen.» Einmal entdeckt, wollte sie unverzüglich Stunden nehmen, doch Valeria musste sich noch gedulden: bis zu jenem Zeitpunkt, als der Fagottlehrer Patrik Lüscher an die Musikschule Brugg kam – eine wichtige Bezugsperson, zu der später eine zweite hinzukam: Matthias Racz. Er unterrichtet die Musikerin seit einigen Jahren an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Sie war die Jüngste im Orchester

Spricht Valeria Curti von Musik, Komponisten und ihrem geliebten Fagott, hört sich das kinderleicht an.

Doch die 18-Jährige leistet Knochenarbeit. Sie besucht das Kunst- und Sportgymnasium in Zürich und wird bald die Maturarbeit in Angriff nehmen; sie steckt im zweiten Bachelor-Jahr und visiert den Master an; sie absolviert schon Probenspiele, um gewappnet zu sein für die ersehnte Stelle als Fagottistin in einem Orchester – zudem übt sie jeden Tag manche Stunden zu Hause.

Valeria Curti lächelt erneut: Sie hat längst gelernt, ihre Zeit einzuteilen und optimal zu nutzen. «Im Zug von Brugg nach Zürich mache ich Aufgaben; das ist prima.» Prima ist auch das Mitwirken im Siggenthaler Jugendorchester (SJO), dem sie seit ihrem 12. Altersjahr angehört. Als sie in das von Marc Urech dirigierte Ensemble eintrat, war sie die Jüngste.

«Eine sehr soziale Situation»

Sie war angefragt worden, weil das SJO nur eine Fagottistin hatte. Valeria Curti schnupperte kurz und wurde danach ins kalte Wasser geworfen: «Meine Orchestererfahrung begann gleich mit Brahms’ 4. Sinfonie», sagt sie und bekennt freimütig: «Am Anfang war ich völlig überfordert, aber dann bin ich in die Orchesterarbeit reingewachsen. Die Situation gefiel mir, weil ich sie als sehr sozial empfunden habe.»

Inzwischen hat sie mit dem SJO viele sinfonische Schwergewichte erkundet. «Für das Fagott gibt es dankbare Aufgaben», sagt sie und erwähnt als Beispiele Strawinskys «Sacre du printemps» und Schostakowitschs 9. Sinfonie.

Im Orchester sitzen ist das Eine, vor ihm stehen das Andere. Für einmal schlüpft Valeria Curti jetzt in die Rolle der Solistin. Mit Webers Konzert hat sie sich eine Preziose der Fagott-Literatur ausgesucht .

Dass sie als Solistin dem Orchester den Rücken zuwendet, kam ihr bei den Proben anfänglich etwa ungewohnt vor, «aber», sagt sie entwaffnend, «ich hoffe, dass alle wissen: Ich bin eine von ihnen». Auftrumpfen? Nie im Leben. Nach ihrem solistischen Auftritt verwandelt sich die 18-Jährige wieder in ein SJO-Mitglied. Für Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 7 sucht Valeria Curti ihren gewohnten Platz im Orchester auf, um mit allen Sinnen an dem teilhaftig zu sein, was ihr alles bedeutet – Musik.