Remigen
Mit sechs Jahren verliebte er sich in die Klarinette

Der 21-jährige Remiger Klarinettist Moritz Roelcke tritt als Solist mit dem Siggenthaler Jugendorchester auf. Seine Liebe zum Instrument begann mit sechs Jahren.

Elisabeth Feller
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Moritz Roelcke

Moritz Roelcke

André Albrecht

Weshalb gefällt einem gerade dieses Instrument? Moritz Roelcke, 21 Jahre jung, und vor Energie nur so sprühend, kann oder will seine Liebe nicht wortreich beschwören. Nur so viel: Er besuchte als Sechsjähriger mit seiner Mutter ein Konzert des grossen Klezmer-Musikers Giora Feidman und flog förmlich auf dessen Instrument – die Klarinette. «Ich wusste sofort: Dieses Instrument will ich unbedingt spielen.»

Es blieb nicht bei einer möglicherweise rasch verglühenden Begeisterung – Moritz Roelcke begann sich ernsthaft mit dem Instrument auseinanderzusetzen. Er traf auf den Windischer Klarinettisten und Dirigenten des Siggenthaler Jugendorchesters (SJO) Marc Urech, der ihn unterrichtete und ihm riet: «Geh’ in ein Orchester.» Was Moritz Roelcke auch tat.

Weg zum Berufsmusiker war nicht eben

Im SJO erfuhr er, wie beglückend es ist, mit «anderen Gleichgesinnten ringsum» Musik zu spielen. «Wir Bläser sind von den Komponisten reich mit wunderbaren Melodien bedacht worden», sagt Roelcke und schwärmt in diesem Zusammenhang vom «SJO als einer unerhörten Basis. Ich habe bei Marc Urech unglaublich viel gelernt.» Hört man Moritz Roelcke zu, glaubt man, dass ihm alles nur so zugefallen ist.

Das ist es nicht. Der 21-Jährige hielt zwar unbeirrt an seinem Wunsch fest, Berufsmusiker zu werden, aber der Weg dazu war nicht eben. Nach der Bezirksschule wechselte er ans Kunst- und Sportgymnasium Zürich, doch dann brach er die Ausbildung nach einigen Jahren ab. «Die Doppelbelastung war einfach viel», sagt er. Deswegen wagte Roelcke – nach Bestehen der Aufnahmeprüfung – den Sprung an die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Damit war er dort angelangt, wohin es ihn schon immer gezogen hatte. Mittlerweile studiert er im fünften Semester; 2013 will er den Bachelor machen. Und dann? «Mein grösster Wunsch: In einem Orchester spielen» – um dort umzusetzen, was er bei Marc Urech und Fabio Di Càsola, seinem Lehrer an der ZHdK, gelernt hat.

«Etwas ganz Besonderes»

Ein Satz folgt dem anderen in rascher Folge. Roelcke erwähnt Lieblingskomponisten wie Mozart, Beethoven, Brahms, Dvorak, Strawinsky, Schostakowitsch und Mahler. Alle Genannten seien genial, «aber Mahler ... Mahler ist schon etwas ganz Besonderes». Hört man den jungen Musiker – in einer Mischung aus Übersprudeln und Nachdenklichkeit – sprechen, glaubt man ihm aufs Wort, wenn er sagt: «Nach einem Konzert kann ich oft bis in die frühen Morgenstunden nicht einschlafen, weil ich in eine komplett andere Welt eingetaucht bin. Emotional macht mich ein Konzert einfach fertig.»

Muss einem da bange werden vor den nächsten Konzerten, die er mit dem SJO unter Marc Urech bestreiten wird? Um Gottes Willen, schüttelt Roelcke amüsiert den Kopf. Louis Spohrs selten gespieltes erstes Klarinettenkonzert ist für ihn schlicht «ein wunderschönes, elegantes und übersichtliches, aber auch unglaublich schwieriges Werk, weil alles so spielerisch klingen soll». In der Leichtigkeit liegt die Herausforderung, was Moritz Roelcke, Marc Urech und das SJO jedoch als Chance für einen musikalischen Höhenflug begreifen.

Was kommt danach? «Wir werden sehen», ist die fröhliche Antwort. Nach einem muss Moritz Roelcke derzeit nicht mehr Ausschau halten: einer Wohnung. Eine solche hat der Remiger kürzlich gefunden. In Zürich. Dort, wo das Tonhalle-Orchester zu Hause ist.