Umiken
Mit Marronistand und Pastel de Nata durch die Krise: Ein Quartierladen wird zum wintertauglichen Treffpunkt

Im Laden für portugiesische und spanische Produkte gibt es seit wenigen Wochen auch Kaffee und Snacks. Die neuen Besitzer bringen neuen Schwung und neue Konzepte – und wollen so die Krise meistern.

Claudia Meier
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Vanessa Mendes – für das Foto ohne Mund-Nasen-Schutz – wird täglich mit frischem Gebäck von einer portugiesischen Bäckerei aus Zürich beliefert.

Vanessa Mendes – für das Foto ohne Mund-Nasen-Schutz – wird täglich mit frischem Gebäck von einer portugiesischen Bäckerei aus Zürich beliefert.

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Nach über 20 Jahren bekam der Brugger Stadtteil Umiken im Frühling 2019 wieder einen Quartierladen. Die Portugiesin Filipa Oliveira hauchte damals unter dem Namen «Sabor Ibérico» (Iberischer Geschmack) dem Erdgeschoss an der Baslerstrasse 140 mit portugiesischen und spanischen Lebensmitteln neues Leben ein.

Seit Anfang September dieses Jahres ist das Geschäft in neuen Händen. Vanessa Mendes, 23, und ihr um ein Jahr älterer Freund Michael Sousa haben den Laden von Filipa Oliveira übernommen. In der portugiesischen Gemeinschaft kennt man sich. «Ich habe zuvor bei einem Grossverteiler gearbeitet und immer davon geträumt, ein eigenes Geschäft zu führen», sagt Vanessa Mendes in der neu gestalteten Imbissecke. Ihr Freund sei ursprünglich Koch und stamme aus einer Gastrofamilie. «Indem wir den Laden flächenmässig verkleinert und dafür Tische und Stühle aufgestellt haben, ist es uns gelungen, unsere beiden Berufsbereiche zu kombinieren», erzählt Vanessa Mendes. Seit das Lokal umgestaltet ist, treffen sich dort jeden Abend Kumpels und Stammgäste an der Wärme.

Am Sonntag bis 20 Uhr geöffnet, am Montag geschlossen

Vanessa Mendes ist es wichtig, dass im Stadtteil Umiken etwas läuft und dieser auch wieder über einen Treffpunkt verfügt, wo man sich spontan begegnen kann. Deshalb planen die neuen Besitzer diverse Aktivitäten, so gut das während der Coronapandemie eben geht – beispielsweise mit einem Marronistand vor dem Haus. Neu liefert eine portugiesische Bäckerei aus Zürich die typischen Backwaren wie Pastel de Nata (Puddingtörtchen) und Brote täglich frisch nach Umiken. Das Geschäft hat südländische Öffnungszeiten: Es ist von Dienstag bis Freitag nachmittags zwischen 13 und 16.30 Uhr geschlossen und steht dafür am Samstag sowie am Sonntag ganztags offen.

Von der Vorgängerin konnten die jungen Ladeninhaber viele Stammkunden übernehmen. Das Sortiment wird den Kundenbedürfnissen angepasst. «Wir sind auf Wein, Fleisch und Fisch spezialisiert», fährt Vanessa Mendes fort. Bald will sie portugiesische Milchprodukte ins Angebot aufnehmen.

Das Wirtepatent will sie nach der Geburt des Kindes anpeilen

Um möglichst wenig Food-Waste zu produzieren, bieten die Inhaber verderbliche Lebensmittel kurz vor Ladenschluss über die App «To good to go» zu einem reduzierten Preis an. «Auch dadurch konnten wir neue Kunden generieren, die bei uns dank der Parkplätze vor dem Haus noch kurz einen Halt einlegen», sagt Vanessa Mendes, die ihr erstes Kind erwartet. Die 24-Jährige ist in der Schweiz geboren und verbrachte danach die ersten sieben Jahre ihres Lebens im Norden Portugals, bevor sie rechtzeitig zum Schulstart in die Schweiz zurückkam.

Daher kennt sie die Traditionen Portugals und besorgt ihren Kunden auf Bestellung auch typisches Festessen wie Spanferkel. So bald wie möglich will Mendes das Wirtepatent anpeilen. Mit Blick auf die vergangenen Monate sagt sie: «Ich bin stolz, dass wir den Schritt in die Selbstständigkeit trotz der Coronapandemie gewagt haben.»

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