«Breit, breit», kommandiert im Heck des Übersetzbootes Thomas Staubmann. Vorne im Bug stemmen sich Richard Hug und Walter Marti gegen die Stachel und drücken das Boot «breit», das heisst quer zur Strömung, um das Auflaufen auf eine Felsplatte zu vermeiden. Pius Ineichen ist, mit dem Spanntau in der Hand, ausgestiegen und hilft vom Ufer her mit, das Boot um die Untiefe zu dirigieren.

Mit zwei Weidlingen und fünf Übersetzbooten haben sich am Sonntagmorgen die Wasserfahrer des Pontonier-Sportvereins Brugg auf ihre «Chäschüechlifahrt» begeben. Als Gäste mit an Bord sind der Brugger Vizeammann Martin Wehrli, der Villiger Gemeindeammann Schebi Baumann und die Villiger Gemeinderätin Annelies Berner sowie Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei Brugg.

Patent «Arm strong»

Ambitiöses Ziel dieser traditionellen Fahrt, die den Auftakt zur Fahrsaison 2012 markiert, ist der markante Felsen oberhalb der Eisenbahnbrücke. Selbstverständlich erfolgt die Fahrt flussaufwärts durch die Aareschlucht ohne den Einsatz von Motoren.

Gearbeitet wird ausschliesslich mit Ruder, Stachel und Spanntau - gewissermassen nach Patent «Arm strong» – und natürlich mit der Erfahrung. Und erfahrene Pontoniere sind mit dem 79 Jahre alten Alfred Hartmann und dem ein Jahr jüngeren Kurt Byland zweifellos mit dabei. «Das ist schon speziell bei den Pontonieren», sagt dazu Peter Lüscher, der Präsident des Pontonier-Sportvereins Brugg. «Bei uns müssen drei Generationen miteinander kutschieren.»

Der Verein zählt denn auch unter seinen rund 65 aktiven Mitgliedern - darunter sechs Damen – 25 aktive Veteranen, die eine eigene Abteilung bilden, aber auch 15 Jungpontoniere. «Wir haben keinen Mangel an Nachwuchs», erklärt Peter Lüscher. «Schwieriger ist es aber, den Nachwuchs später auch im Verein zu halten.»

Ein Biber in Sicht

Flussaufwärts geht es durch die engste Stelle der Aareschlucht beim Schwarzen Turm. «Die Verhältnisse sind nicht ideal», stellt Richard Hug fest. «Es fliesst zu wenig Wasser, um mit den Schiffen über die Felsplatten hinwegzukommen, und zu viel, um sie betreten und das Spanntau einsetzen zu können.» Mit gegenseitiger Hilfe werden auch schwierige Stellen überwunden. Für eine Begegnung der besonderen Art sorgte unterhalb der Brunnenmühle ein Biber, der sich, aufgeschreckt durch den ungewohnten Betrieb im Revier, ins Wasser flüchtet.

Nach gut anderthalb Stunden harter Arbeit der Pontoniere und Pontonierinnen haben alle Schiffe das Ziel erreicht. Flussabwärts geht es, nach einem Apéro auf dem Felsen, bedeutend schneller. Nur knappe zehn Minuten dauert die Fahrt zurück ins Pontonierhaus im Schachen – zu den heissen Chäschüechli.