Windisch
Mit Frau Christen auf der Fitness-Welle surfen

Die Seniorentheatergruppe Herbschtrose probt Elsa Bergmanns Luststspiel «Wer raschtet – roschtet».

Elisabeth Feller
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«Ich habe mir meinen Speckgürtel in harter Arbeit zugelegt», sagt Herr Huber augenzwinkernd zu Frau Ammann. Diese blickt nur kurz auf die Taille von Herrn Huber. Für diese interessiert sich Frau Ammann nämlich ebenso wenig wie für den plötzlich ausgebrochenen Fitness- und Jogging-Virus in der Seniorengruppe. Frau Christen hat eine Vorreiterrolle übernommen – und das so überzeugend, dass sie sogar den zurückhaltenden Herrn Fässler zum Mitmachen überreden kann. Missbilligend schüttelt Frau Ammann den Kopf:
Sie kann auch Frau Berger nicht verstehen, die ebenfalls begeistert auf der Fitness-Welle surft.

«Wir beginnen früh»

Fitness? Lieber pflegt Frau Ammann ihre eingebildeten Krankheiten, denen sie mit unzähligen Tropfen und Pillen zu Leibe rückt, bis Herr Huber eines Tages sagt: «Weg damit! Jetzt räumen wir beide den Apothekerschrank.» Frau Ammann (Myrtha Schellenberg) und Herr Huber (Hans Hofstetter) treten von der Bühne ab – Pierrette Stegmüller blickt ihnen zufrieden nach. Die Regisseurin aus Oberentfelden schätzt den Elan der Seniorentheatergruppe: Wenn andere sich im Bett noch einmal wohlig räkeln, sind die neun Akteurinnen und Akteure der Herbschtrose im Kirchgemeindesaal bei der katholischen Kirche Windisch schon sehr aktiv.

«Wir beginnen früh», hatte Marlies Nauer lachend gesagt und auf die seit Monaten dauernden Proben am Montag und Freitag verwiesen. Sie spielt in Elsa Bergmanns Stück «Wer raschtet – roschtet» Frau Christen, die selbst joggt und andere zum Mitjoggen überredet. Es geht witzig zu und her an diesem Morgen. Und das vor allem, weil Autorin Elsa Bergmann Figuren mit hohem Wiedererkennungswert entwickelt hat. Der medial allzeit präsente Schlankheits- und Fitnesswahn macht in diesem Lustspiel auch vor den so genannt älteren Semestern nicht Halt – und das stimmt alle Beteiligten vergnügt.

«Macht das doch so»

Insbesondere dann, als Frau Christen, Frau Berger (Martha Zürcher) und Herr Fässler (Bruno Brogli) im Freizeitdress – grasgrünes Outdoor-Shirt, dunkelblaue Hosen, Jogging-Schuhe, Walking-Stöcke – die Bühne betreten. Welch ein Trio! Kritisch beäugt von Fräulein Fässler (Anita Frey). Die Konversation auf der Bühne ist etwas schleppend. Deshalb geht Pierrette Stegmüller nach vorne, zur Bühne. «Macht das doch so», sagt die Regisseurin – und siehe da: Es klappt. Mittlerweile hat Anita Frey (Fräulein Fässler) ihr Kopftuch abgelegt. Nun ziert ein pinkfarbener Reif mit Blume den Kopf der Darstellerin. Die Regisseurin ist skeptisch: Wie wird sich das auf der Bühne machen? Das wird man sehen. Genauso, wie man noch viel sehen wird bis zur Premiere im «Lindenpark» in Windisch. Weil die Herbschtrose auch dort proben darf, gibt es für die Bewohnerinnen und Bewohner eine Vorpremiere am 19. Oktober. Danach wird die Herbschtrose bis März 2012 im ganzen Kanton Aargau touren und «sogar einen Abstecher nach Zürich wagen», wie Marlis Nauer stolz sagt.

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