Bezirksgericht Brugg
Mit einem kreativen, aber illegalen Trick verschaffte er sich einen neuen Führerausweis

Nachdem ihm der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen worden war, hat ein knapp 50-jähriger Schweizer kurzerhand den Namen seiner Frau angenommen und nochmals eine Fahrprüfung gemacht.

Louis Probst
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Jahrelang fuhr der Beschuldigte ohne Führerausweis. (Symbolbild)

Jahrelang fuhr der Beschuldigte ohne Führerausweis. (Symbolbild)

Nicole Nars-Zimmer

«Auf jeden Fall habe ich mir Gedanken über meine Zukunft gemacht», versicherte der Beschuldigte auf die Frage von Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth. «Ich habe nicht vor, so weiterzumachen.»

Toll getrieben hatte er es zweifellos. Vorgeworfen wurden ihm mehrfacher Diebstahl, mehrfacher Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, mehrfaches Anbieten und Tragen einer Waffe, Erschleichen eines (Fahr-)Ausweises, mehrfaches Fahren ohne Berechtigung, Fahren in angetrunkenem Zustand, Fahren in nicht fahrfähigem Zustand, Entwendung eines Fahrzeugs, mehrfaches Schiessen mit einer Feuerwaffe, mehrfache Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher Erwerb und Konsum von Betäubungsmitteln sowie Inverkehrbringen eines Fahrzeugs in nicht betriebssicherem Zustand. «Das», meinte der Beschuldigte, «ist alles unter Drogeneinfluss erfolgt.»

Jahrelang ohne Billett unterwegs

Bei Einbrüchen in die Wohnung seines Vermieters hatte er mehrere Faustfeuerwaffen und Munition mitlaufen lassen und später alles in Zürich verscherbelt. Zur Last gelegt wurde ihm zudem, neben dem Konsum von Kokain, dass er im Grossraum Zürich während Monaten einen Drogenhändler zu dessen «Terminen» chauffiert hatte.

«Zentrales Thema sind aber die Strassenverkehrs-Delikte», stellte die Staatsanwältin fest. «Der Beschuldigte ist jahrelang ohne Führerschein herumgefahren. Zwischen 2005 und 2013 hat er, trotz Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit, stets Motorfahrzeuge gelenkt. Er ist dabei einige Male erwischt und verurteilt worden.

Selbst nach Eröffnung einer Strafuntersuchung hat er jedoch munter weitergemacht. Der Beschuldigte hat zudem eine ‹äusserst kreative, aber keineswegs gesetzeskonforme Lösung› gefunden, um zu einem Führerausweis zu kommen.»

Wenige Tage nach der Heirat hatte er nämlich den Familiennamen seiner Frau angenommen und – unter falschen Angaben – einen Lernfahrausweis beantragt. Später hatte er die Fahrprüfung abgelegt und war damit zu einem Führerschein auf den neuen Namen gekommen.

Wortreich, aber in der Sache eher vage, machte der Beschuldigte geltend, dass er sich «nur wegen der Arbeit» und «nur sehr selten» ans Steuer gesetzt habe.

«Der Beschuldigte ist ganz offensichtlich unbelehrbar, und er versucht, alles schön zu reden», betonte die Anklägerin. Sie beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, eine Busse von 1000 Franken sowie den Widerruf des bedingten Erlasses einer früheren Freiheitsstrafe.

Kein «allerletzter Denkzettel»

Der Verteidiger versuchte die Delikte seines grösstenteils geständigen Mandanten zu relativieren. Er machte zudem geltend, dass bei einigen Anklagepunkten die Verjährung eingetreten sei. «Der Antrag der Staatsanwältin ist massiv zu reduzieren», verlangte der Verteidiger. «Die Uneinsichtigkeit meines Mandanten kann nicht bestritten werden. Er kämpft aber verbissen um die Rückkehr in ein normales Leben. Nach einem Unfall hat er sein Verhalten geändert.»

Bei diesem Unfall war der Beschuldigte – ohne Führerausweis, aber unter Einfluss von Kokain und Benzodiazepinen – auf dem nicht betriebssicheren Motorrad seiner Ex in einer Kurve geradeaus gefahren und in eine Treppe geknallt. Dabei hatte er sich schwer verletzt.

Der Verteidiger hielt eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Busse von höchsten 300 Franken für angemessen. Er plädierte zudem – als «allerletzten Denkzettel» wie er sagte – für eine nur teilweise unbedingte Strafe.

Das Gericht folgte jedoch einstimmig den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Es sprach den Beschuldigten zwar in den verjährten Punkten frei, aber im Sinne der Anklage schuldig.