Ein Tag im Juli 2017 ist prägend im Leben von Martin (Name geändert). Es ist der Tag, an dem die Polizei bei ihm eine Hausdurchsuchung durchführt und eine Marihuana-Indoorplantage entdeckt. Doch es kommt noch mehr ans Licht: Die Beamten finden bei ihm auch kinderpornografisches Material. An diesem Tag im Juli beschlagnahmt die Polizei 108 Hanfpflanzen, Marihuana, Haschisch, Hanfsamen sowie etliche Speichermedien wie USB-Sticks. Sichergestellt werden auch 7800 Franken. Martin kommt für 30 Tage in Untersuchungshaft. Eine schlimme Zeit, ein Tiefpunkt in seinem Leben.

Gestern musste sich der 52-Jährige vor dem Bezirksgericht Brugg im abgekürzten Verfahren verantworten wegen mehrfach qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Geldwäscherei, mehrfacher Pornografie sowie Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Der Beschuldigte erscheint in Jeans und Hemd, nestelt kurz nach Verhandlungsbeginn in seiner Aktentasche, sucht etwas nervös nach seiner Brille. Punkt für Punkt geht Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven die Anklagepunkte mit Martin durch. Er anerkennt sämtliche ihm zu Last gelegten strafbaren Handlungen.

Kryptowährung als Zahlungsmittel

Insgesamt nahm der Beschuldigte mit dem Verkauf von Marihuana und Haschisch zwischen August 2016 und Juli 2017 gut 37'450 Franken ein. Der Bruttogewinn betrug gut 16'800 Franken. Er verkaufte die Produkte über zwei Plattformen im Darknet in der Kryptowährung Bitcoin.

Anschliessend versandte er die Betäubungsmittel mittels Postsendungen, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Weil Martin die Kryptowährung einsetzte, um weitere Betäubungsmittel zum Weitervertrieb und zum Eigenkonsum zu kaufen, und er dabei wusste, dass die verwendeten Vermögenswerte aus dem Drogenhandel stammen, wurde ihm auch Geldwäscherei zu Last gelegt. Zudem hat der Beschuldigte regelmässig Marihuana aus eigener Produktion sowie Haschisch konsumiert.

Martin schaute sich gemäss Anklageschrift auch Kinderpornografie an. Das entsprechende Material beschaffte er sich ebenfalls im Darknet. Zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung war der Beschuldigte im Besitz von 24 Bildern und 215 Videos mit Darstellungen von sexuellen Handlungen mit Kindern. Warum er dies tat, ist an der Gerichtsverhandlung kein Thema mehr, weil es sich um ein abgekürztes Verfahren handelt.

Arbeitslos und ausgesteuert

Vor Gericht wird klar, dass Martin mit den Einnahmen aus dem Drogenhandel seinen Lebensunterhalt bestritt. Gemäss eigenen Aussagen war er vor der Untersuchungshaft arbeitslos und ausgesteuert. Gerichtspräsidentin Kerkhoven erkundigt sich beim Beschuldigten danach, wie seine Situation jetzt aussieht. Bereitwillig gibt Martin Auskunft, erklärt, dass er nach der Untersuchungshaft eine Krise hatte und sich in psychiatrische Behandlung begab. Mittlerweile scheint Martin auf einem guten Weg zu sein. Er hat zwei Jobs und schaut zu seinem Kind, das bei ihm wohnt. «Meine Lebenssituation ist viel besser als vor der U-Haft», sagt Martin.

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach forderte eine 18-monatige bedingte Freiheitsstrafe mit einer Probezeit von zwei Jahren unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft, dazu eine Busse von 1000 Franken. Diesem Antrag folgt das Gesamtgericht unter Gerichtspräsidentin Kerkhoven nach kurzer Beratung. «Das Gericht erachtet die Sanktion als angemessen», sagt Kerkhoven und hält dem Beschuldigten zugute, dass er Reue zeigt und sich im Strafverfahren kooperativ gezeigt hat. «Die Lebensumstände sind jetzt günstig und Sie haben sich fachliche Hilfe geholt», sagt die Gerichtspräsidentin.

Der Beschuldigte muss zudem die Verfahrenskosten tragen. Sobald sich seine wirtschaftliche Situation gebessert hat, muss er auch die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückbezahlen.