Villnachern

Mit diesem witzigen Video kämpft die Schulpflege gegen den Spardruck

«Wir schreiben Zukunft!» Mit diesem Video ruft die Schule Villnachern zur Teilnahme an der Gemeindeversammlung:

«Wir schreiben Zukunft!» Mit diesem Video ruft die Schule Villnachern zur Teilnahme an der Gemeindeversammlung.

In Villnachern wird das Stimmvolk aufgerufen, die Gemeindeversammlung zu besuchen und das Budget 2020 zurückzuweisen. Die Schulpflege erachtet es als nicht nachhaltig.

Trotz Sparmassnahmen haben sich die düsteren Wolken am Finanzhimmel in Villnachern bisher nicht verzogen. Das Budget 2020 rechnet – bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 120 Prozent – mit einem Verlust von knapp 300'000 Franken.

Die Schulpflege ist überzeugt, dass jetzt ein Dialog geführt werden muss. Denn indem Kleinstbeträge eingespart oder Unterhaltsarbeiten vertagt würden, seien die massiv steigenden Kosten in den verschiedensten Bereichen unmöglich in den Griff zu bekommen. Anders ausgedrückt: Die Schulpflege erachtet das Budget als nicht nachhaltig.

Sie appelliert an die Bevölkerung, die Gemeindeversammlung am 28. November zu besuchen und das Budget zurückzuweisen, «um so dem Gemeinderat die Gelegenheit zu geben, die finanzielle Zukunft der Gemeinde Villnachern festzulegen».

Das witzige Video hat einen ernsten Inhalt

Mit einem Elternbrief, der gestern am frühen Morgen in elektronischer Form verschickt wurde, sowie einer witzigen, selbst produzierten Videobotschaft weist die Schulpflege auf ihr Anliegen hin, stellt die Schule vor, zeigt die Veränderungen in der Gesellschaft – und macht gleichzeitig Werbung in eigener Sache.

Apropos Werbung: Angelehnt ist der rund vierminütige Film unter dem Titel «Wir schreiben Zukunft!» an den legendären Werbespot der Fischer Bettwarenfabrik aus dem zürcherischen Au-Wädenswil. «Wir bilden fast 200 Kinder aus, in jeder Grösse und in jedem Alter – und bereiten sie in top Qualität auf das Berufsleben vor», sagt Schulpflegepräsident Stephan Gentner im Video. Mit einer weiteren Anspielung auf die Bettwarenfabrik Fischer, die jeweils Anfang Woche geschlossen hat, ergänzt er: «Wir haben auch am Montag offen.»

Die Botschaft ist aber durchaus ernst: «Indem die Schule die Zukunft aktiv mitgestaltet, sichert sie kommenden Generationen einen guten Einstieg in das Berufsleben», hält die Schulpflege in einer Medienmitteilung fest. Sozialkompetenz und Kreativität würden wichtiger, heisst es dazu im Video.

Dieses ist übrigens zu finden auf der Website der Schule und konnte innert kurzer Zeit über 150 Klicks verzeichnen. Die Schulpflege habe einige Komplimente erhalten, sagt Schulpflegepräsident Gentner auf Anfrage. Das Video, fügt er an, sei mit einem iPhone gedreht, vertont und geschnitten worden. «Produktionskosten 0 Franken, Arbeitsaufwand etwa 1 Tag.»

Bei der Infrastruktur werden die Ausgaben nur verschoben

Der Spardruck in der Gemeinde sei hoch, auch die Schule sei betroffen, ist sich die Schulpflege bewusst. Aber: «Soll um jeden Preis gespart werden und ist das überhaupt zielführend?» Mit dem Budget 2020, so die Schulpflege, sollen notwendige Revisionen und Infrastruktur-Sanierungen erneut verschoben und bei unterschiedlichen Anspruchsgruppen empfindliche Kürzungen vorgenommen werden: von der Musikgesellschaft bis zur Informatik.

Unter den in der Medienmitteilung erwähnten Kleinstbeträgen versteht der Schulpflegepräsident Kürzungen im Bereich von einigen hundert Franken. Als Beispiele nennt er auf Nachfrage die vor einiger Zeit erfolgte Umstellung bei den Gemeindenachrichten vom wöchentlichen auf den zweiwöchigen Versand, die vorgesehenen Kürzungen bei den Weiterbildungen in Feuerwehr und Schule oder bei der Altersausfahrt. Diese seien zwar zu verkraften. Es stelle sich aber die Frage, ob sie bei einem Defizit von mehreren hunderttausend Franken erfolgsversprechend seien.

Unterhaltsarbeiten wie Strassensanierungen oder Revisionsarbeiten bei Pumpen und Feuerwehrfahrzeugen könnten immer hinausgeschoben werden, sagt Gentner weiter. Es bestehe allerdings ein Risiko. Der Schulpflegepräsident erinnert an den Bruch der Wasserleitung in der Hintergasse. Es musste ein Provisorium erstellt werden.

An der Gemeindeversammlung steht als zusätzliches Traktandum ein Kredit für den Ersatz zur Diskussion. Kurz: Bei der Erneuerung der veralteten Infrastrukturen seien die Ausgaben vorerst nur verschoben.

«Sollten die Lehrerlöhne auf das Niveau der Nachbarkantone angehoben werden, um konkurrenzfähig zu bleiben, und die Schulpflegen abgeschafft werden, so ist mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen», ist sich die Schulpflege sicher.

Gemeinnützige Genossenschaft unterstützt die Gemeinde

Selbst nach einer Spende der Gemeinnützigen Genossenschaft Villnachern (GGV) sowie Kürzungen durch den Gemeinderat sei noch immer ein Defizit zu verzeichnen, fährt die Schulpflege fort. Dies obwohl 2016 ein Investitionsstopp beschlossen worden sei und sehr haushälterisch mit den verfügbaren finanziellen Mitteln umgegangen wurde.

Tatsächlich: Die Gemeinnützige Genossenschaft Villnachern (GGV), ist den Unterlagen zur Gemeindeversammlung zu entnehmen, hat der Einwohnergemeinde finanzielle Unterstützungsbeiträge von insgesamt 200 000 Franken zugesichert – Beiträge an die Sanierung des Allwetterplatzes und den Betrieb des Schwimmbads genauso wie an die Anschaffung von Tablets an der Schule sowie an das Jugend- und Dorffest 2020. Der Gemeinderat sei sehr dankbar für diese Unterstützung, sagt Gemeindeammann Roland König auf Anfrage.

Ziel des Gemeinderats sei es, die Einnahmen und Ausgaben ins Lot zu bringen, betont König. «Darauf arbeiten wir hin.» Von den Sparbemühungen betroffen seien praktisch alle Bereiche. Über die Forderung nach einer Rückweisung des Budgets, von der König über die Aargauer Zeitung erfahren hat, zeigt sich der Gemeindeammann zwar überrascht. Aber: Das sei ein demokratisches Recht. Er freut sich nun auf angeregte Diskussionen an der Gemeindeversammlung und auf einen grossen Aufmarsch der Stimmberechtigten.

Die Gemeindeversammlung ist der geeignete Ort

«Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Gemeinderat», hebt Schulpflegepräsident Stephan Gentner hervor. Es gehe darum, über das «Gesamtbild» zu reden. «Dazu braucht es einen Dialog. Und eine Gemeindeversammlung ist dafür der geeignete Ort in einer direkten Demokratie.»

Ganz konkret stellen sich gemäss dem Schulpflegepräsidenten unter anderem die Fragen, ob ein Defizit von 300'000 Franken ein Problem darstelle oder ob 400'000 Franken auch noch in Ordnung wären, was eine Steuererhöhung bewirken würde, und ob es notwendig sei, die Badi zu schliessen. «Und was bedeutet eine älter werdende Bevölkerung bezüglich Gesundheitskosten und Steuereinnahmen und kann und soll man diese durch weiteren Spardruck auffangen», lauten weitere Fragen.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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