Brugg

Mit der Motorsäge im Freudenstein-Wäldli: Forstbetrieb weiss von nichts

Der Zustand der Bäume im Freudenstein-Wäldli beschäftigt die Stadt und die Baumpfleger. Einer alten Eiche musste am Freitag die Baumkrone entfernt werden. Auftraggeber ist das städtische Bauamt.

Das Freudenstein-Wäldli in der Stadt Brugg ist ein zentral gelegenes Erholungsgebiet direkt an der Aare und für die meisten Ur-Brugger mit vielen Emotionen verbunden. Was in diesem kleinen Waldstück passiert, wird von Passanten und Anwohnern stets genau beobachtet. 

Aufgeregt meldet sich am Freitagmorgen ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, und erzählt von einer bevorstehenden Holzschlag-Aktion. Er könne nicht verstehen, warum die Stadt eine stattliche Eiche fällen lasse. Bis Jungpflanzen wieder zu grossen Bäumen heranwachsen, daure es 100 Jahre, hält der Mann fest.

Krankheit hat zu vielen dürren Ästen geführt

Der Forstbetrieb Brugg weiss auf Nachfrage dieser Zeitung nichts von einer Baumfällaktion im Freudenstein-Wäldli. Beim Augenschein vor Ort ist schon von Weitem ein etwa fünf Meter hoher Eichenstamm ohne Baumkrone erkennbar. Das Heulen einer Motorsäge ist zu hören. Mit einem Plastikband ist das Areal abgesperrt, in dem zwei Baumpfleger mit Holzereiarbeiten beschäftigt sind. Sie verweisen für weitere Auskünfte ans städtische Bauamt.

Jonas Stucki, stellvertretender Abteilungsleiter beim Werkhof Brugg, erklärt den Sachverhalt. Im Freudenstein-Wäldli gebe es verschiedene Pflanzen, die krank seien. In den letzten Sommerferien hätten Baumpfleger das Waldstück während eineinhalb Tagen unter die Lupe genommen und unter anderem abgestorbene Äste herausgeschnitten. Bei der erwähnten Eiche habe sich aber gezeigt, dass diese Massnahme nicht genüge.

"Die Standfestigkeit der Baumkrone mit den auf den Sportplatz hinaus ragenden Ästen konnte nicht gewährleistet werden", hält Stucki fest. Aus Sicherheitsgründen habe er die Baumpfleger beauftragt, die Baumkrone zu entfernen und den Baumstamm auf zirka 5 Meter Höhe zu belassen. "Denn das Efeu am Stamm ist intakt und kann Insekten und anderen Kleintieren weiterhin als Lebensraum dienen", so der stellvertretende Abteilungsleiter.

Schnittholzinseln und 15 junge Eichen

Einen Teil des Schnittholzes wird bewusst als Feinstruktur für Kleinlebewesen am Boden zurückgelassen. Im Umkreis von etwa zehn Metern sind im Freudenstein-Wäldli laut Stucki 15 junge Eichen gepflanzt worden. Sie sollen mithelfen, den Baumbestand sukzessive zu erneuern. Weiterhin dominant in diesem Waldstück sind drei grosse Linden.

Und warum wurde für diese Arbeit nicht der Forstbetrieb Brugg aufgeboten? Jonas Stucki sagt: "Die Stärke unseres Forstbetriebs ist das Fällen ganzer Bäume." Bei der erwähnten Eiche hätte das bedeutet, dass der Baum auf den neuen Sportplatz gefallen wäre und diesen allenfalls beschädigt hätte. "Das wollte ich vermeiden. Und weil es hier Sinn macht, den Baumstamm stehen zu lassen, habe ich die Baumpflege beauftragt. Sie sind spezialisiert darauf, die Bäume sanft zu Fall zu bringen."

Der Forstbetrieb Brugg musste laut Stucki am Freitagmorgen bei der aareseitigen Abzweigung in die Grütstrasse eine Linde entfernen, weil Schnittarbeiten am Baum im Frühling 2018 zur Anregung des Wachstums keine positive Entwicklung brachten. Offenbar war der Wurzelbereich bei Strassenbauarbeiten rund um die Linde tangiert worden. Dieser Baum wird an der gleichen Ecke durch eine neue Linde ersetzt. 

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1