Austritt aus Verband

Mit der KESD-Kündigung will Birr sparen

"Wir versprechen uns eine bessere Betreuung der Mandate mit weniger Wechseln in den Mandatsführungen", sagt René Grütter, Gemeindeamman von Birr.

"Wir versprechen uns eine bessere Betreuung der Mandate mit weniger Wechseln in den Mandatsführungen", sagt René Grütter, Gemeindeamman von Birr.

Der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst ist ab 2020 nur noch für 23 Gemeinden zuständig – das hat Folgen.

Seit der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD), der im Auftrag der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) tätig wird, für alle 24 Gemeinden des Bezirks unter dem Dach des per Januar 2016 gegründeten Gemeindeverbands «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» geführt wird, hagelte es von verschiedenen Seiten Kritik. Insbesondere die Gemeinden Birr und Windisch waren mit der Arbeit des KESD nicht zufrieden und beantragten eine Kündigung.

Als Grund dafür wurde die nicht nachvollziehbare Vorgehensweise der Beistände in einigen Fällen genannt. Zum Teil hätten die Beistände auch gegen die Gemeinde gearbeitet, hiess es. Der Austritt aus dem Fachbereich KESD gebe Birr die Möglichkeit, die Beistände selbst auszusuchen, sagte der damalige Ammann Markus Büttikofer im November 2017 im Vorfeld der Gemeindeversammlung. Während sich der Einwohnerrat Windisch gegen die KESD-Kündigung aussprach, hiessen die Stimmbürger von Birr an der Gmeind die Kündigung per Ende 2019 einstimmig gut.

Einsparungen von 30'000 Franken

In den vergangenen Wochen suchte die Gemeinde Birr nun per Stelleninserat einen Berufsbeistand oder eine Berufsbeiständin (60 bis 80 Prozent) für die KESD-Leitung mit Stellenantritt per 1. August oder nach Vereinbarung. Mit dieser Massnahme holt die Gemeinde Birr, die rund 4500 Einwohner zählt, eine outgesourcte Dienstleistung wieder ins Haus. «Dadurch versprechen wir uns eine bessere Betreuung der Mandate mit weniger Wechseln in den Mandatsführungen», sagt Gemeindeammann René Grütter.

Mit den Abteilungen Soziale Dienste, SVA-Zweigstelle und Finanzen sowie der Führung des Kindes- und Erwachsenenschutzes unter demselben Dach verspreche sich die Gemeinde einen Synergieeffekt, der die Wege verkürzt und die Kommunikation zwischen den einzelnen Schnittstellen verbessert. In finanzieller Hinsicht sind gemäss den Berechnungen der Gemeinde Birr jährliche Einsparungen in der Höhe von zirka 30'000 Franken möglich.

Geplant sind insgesamt 120 Stellenprozente für den KESD in Birr. Die Verantwortlichen werden rund 80 Mandate zu betreuen haben. Laut dem Gemeindeammann ist diese Fallzahl ziemlich konstant. Sobald die KESD-Leitungsstelle besetzt ist, wird die entsprechende Planung angegangen und die Übergabe der Mandate mit dem Verband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» koordiniert. «Ziel ist es, den Klientinnen und Klienten unnötige Wechsel zu ersparen», sagt René Grütter. «So können wir uns durchaus vorstellen, gewisse Fälle bereits ab Herbst 2019 selbst zu führen beziehungsweise bei allfälligen Beistandswechseln eine Übertragung nach Birr vorzunehmen.»

Beistände sind stark ausgelastet

Auf die ausgeschriebene Stelle in Birr konnte die Gemeinde laut Ammann Grütter einige sehr interessante Bewerbungseingänge verzeichnen. Es wurden bereits Gespräche geführt. «Wir sind zuversichtlich, dass die Stelle zeitnah besetzt werden kann.» Geschäftsführerin Gabriela Oeschger vom Gemeindeverband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» sagt zur bevorstehenden Mandatsverschiebung: «Bis spätestens 31. Dezember 2019 müssen sämtliche rund 80 KESD-Mandate nach Birr übertragen worden sein. Da alle unsere 14 Beistände und Beiständinnen Birrer Mandate führen, können wir die Übergaben flexibel gestalten und uns nach den Möglichkeiten von Birr richten.»

Beim erst dreijährigen Gemeindeverband sind die Fallzahlen kontinuierlich angestiegen von 736 per Ende 2015 auf 796 per Ende 2018. Ein Teil der abgehenden Birrer Mandate werde somit gleich wieder ersetzt. Und da sich der Verband mit derzeit 76 Mandaten pro Vollzeitstelle ohnehin am oberen Rand der von der Kokes (Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz) empfohlenen Belastung von 60 bis 80 Mandaten befinde, werde es durch den Austritt von Birr beim Gemeindeverband keinen Stellenabbau geben, hält Oeschger fest. Dieser Entscheid sei bereits an der Abgeordnetenversammlung im vergangenen Juni gefällt worden.

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