Rüfenach

Mit der Farbe verblasst auch die Erinnerung: Er sorgt sich um das Denkmal in Rüfenach

«Es bräuchte wieder einmal etwas Farbe», sagt Kurt Liebhardt über den Zustand des Denkmals unterhalb der Kirche Rein. Louis Probst

«Es bräuchte wieder einmal etwas Farbe», sagt Kurt Liebhardt über den Zustand des Denkmals unterhalb der Kirche Rein. Louis Probst

Kurt Liebhardt sorgt sich um das Denkmal der 5. Division in Rüfenach – ein Fresko des Köllikers Ernst Leu, das an die ersten Monate der Grenzbesetzung 1939 bis 1945 erinnert.

«Es bräuchte wieder einmal etwas Farbe», stellt Kurt Liebhardt fest und blickt auf das Denkmal unterhalb der Kirche Rein, an der Strasse übers Villigerfeld.

«Auch die Inschrift ist nicht mehr gut leserlich.» Tatsächlich sind die Farben auf dem Fresko, das an den Einsatz der 5. Division in den ersten Monaten der Grenzbesetzung 1939 bis 1945 erinnert, etwas ausgebleicht.

Das Denkmal liege ihm am Herzen, stellt Kurt Liebhardt fest. «Mein Vater, er hatte Jahrgang 1900, hat damals in dieser Gegend Aktivdienst geleistet», erklärt er und zieht eine Kopie aus einem Dienstbüchlein hervor.

«Er war bei der Werk-Kompanie des Grenz-Bataillons 253 eingeteilt. Sein Kommandant war damals Leutnant Walter Hegnauer. Ich selber bin in Lauffohr aufgewachsen und schon als Bub oft bei diesem Denkmal gewesen.»

Nicht rundum Freude

Vor gut 73 Jahren, am 15. September 1940, war das Denkmal eingeweiht worden. Das Fresko, das im Vordergrund Soldaten im «Tenü blau» bei Befestigungsarbeiten und im Hintergrund Szenen aus dem Leben der Zivilbevölkerung darstellt, wurde von Ernst Leu (1913 bis 1994) geschaffen.

Ernst Leu, der aus Kölliken stammte und später in Zollikon lebte, hat für die 5. Division auch einige Soldatenmarken entworfen.

Freude scheint das Denkmal bei den militärischen Vorgesetzten des damaligen Kommandanten der 5. Division, Oberstdivisionär Eugen Bircher,offensichtlich nicht ausgelöst zu haben.

Daniel Heller schreibt jedenfalls in seiner Biografie «Eugen Bircher – Arzt, Militär, Politiker»: «Als die Division am Bettag 1940 bei der Kirche Rein einen ‹Grenzschutzstein› zum Gedenken an den Bau der Befestigung der Nordgrenze mit Ansprachen Birchers und des Generals einweihen wollte, schrieb Oberstkorpskommandant Prisi dem General, die Division hätte keinen Grund, sich selber Denkmäler zu setzen.»

Der General, so Heller, hätte seine Teilnahme abgesagt und in einem betont freundlichen Brief an Bircher Bedenken geäussert, «dass der Stein zu falschen Interpretationen Anlass geben könnte.»

Im Besitz von Gemeinden

Das Denkmal befindet sich denn auch nicht etwa im Besitz des VBS. Es gehört laut der Gemeindeverwaltung Rüfenach den Gemeinden Remigen, Rüfenach und Villigen. Für Kurt Liebhardt steht fest: «Ich finde, dass man Sachen, wie dieses Denkmal erhalten sollte.»

Vor rund zwei Jahren schon habe er sich deshalb an verschiedene Stellen gewandt. Allerdings habe er dabei den Eindruck erhalten, dass sich niemand zuständig fühle. Geschehen sei jedenfalls nichts.

(Quellen: «Die Fünfte – 111 Jahre 5. Division», Aarau, 1986. Daniel Heller: «Eugen Bircher – Arzt, Militär, Politiker», Zürich 1988.)

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