Die Aktiven des Vereins Schinznacher Baumschulbahn haben alles drangesetzt, dass die Lok «Pinus» bei der Saison-Eröffnung am Freitag wieder an der Spitze des Zuges schnaufen konnte, wie damals im April 1978. «Wir haben sie den Winter über in der Kesselrevision gehabt», berichtet Vereins-Vizepräsident Peter Gysel. Das Kommando im Führerstand der «Pinus» haben Lokführer Daniel Baumgartner und Heizer Robert Hadorn. Beheizt wird der Kessel mit walisischer Steinkohle. Gysel: «Wir bekommen sie von der letzten Kohlemine in Westeuropa, die noch für den Lokomotivenbedarf produziert.»

Je sechs fahrbereite Dampf- und Dieselloks stehen heute im Depot. Von überallher kamen sie nach Schinznach-Dorf, immer mit bewegten Vorgeschichten und meist in desolatem Zustand, mit der «Drakensberg» sogar eine aus Südafrika. In der Schweiz selbst gab es schon keine geeigneten Fahrzeuge mehr, als sich die Baumschule Zulauf in den 1970er-Jahren dazu entschloss, die 1928 erbaute Schmalspur-Betriebseisenbahn – 90 Jahre her, also noch ein Jubiläum – wieder neu zu beleben.

In Schienen und Weichen investiert

Diese hatte ursprünglich dazu gedient, Pflanzen auf dem weiträumigen Areal von A nach B zu transportieren, noch ohne Lokomotiven, rein mit der Muskelkraft der damaligen Zulauf-Mitarbeiter. Dann kamen in den 50er-Jahren Traktoren und Lastwagen auf und die Bahnstrecke verlor an Bedeutung. Teile der ursprünglichen Schienen lagen noch im Boden, als die «Pinus» vor 40 Jahren die erste Runde drehte. Benno Kolb (89), Mann der ersten Stunde und bis heute im Verein aktiv, mag sich noch gerne an die Anfänge erinnern. Wie improvisiert die ersten Jahre noch alles war, inklusive der Waggons ohne Dach. Benno Kolb: «Wenn es regnete, spannten die Fahrgäste eben ihre Schirme auf.»

So schön ist die Fahrt mit der Schinznacher Baumschulbahn

So schön ist die Fahrt mit der Schinznacher Baumschulbahn

Auf den Tag genau 40 Jahre nach ihrer Jungfernfahrt dreht die Baumschulbahn wieder ihre Runden, um in die Jubiläums-Saison zu starten – mit der gleichen Dampflok wie am 13. April 1978.

Heute können die Passagiere nicht nur die Schirme zu Hause lassen. Auch die Strecke hat mit der von 1978 nur noch wenig zu tun. Immer wieder hat Zulauf in Schienen und Weichen investiert, hat die Gleise erneuert und auf die heutige Länge gebracht. Was geblieben ist, ist das gemächliche Tempo. Knapp eine halbe Stunde sind die Fahrgäste auf den rund 2,8 Kilometern unterwegs, wo Langsamkeit Trumpf ist.

Fast 25 000 Fahrgäste jährlich

Co-Geschäftsführer Johannes Zulauf, der die Apéro-Gäste begrüsst, war bei der Jungfernfahrt der «Pinus» noch nicht auf der Welt, ist aber mit dem Bahnbetrieb gross geworden. Der Rauch der «Pinus» hüllt ihn ein. Er sagt: «Was ich hier schmecke, ist für mich ein Stück Kindheit.»

Und so wollen heute beide Seiten, der Verein Schinznacher Baumschulbahn (www.schbb.ch) und die Zulauf AG, die Strecke 40 Jahre nach ihrer Eröffnung nicht mehr missen – die einen, weil sie Bähnler aus Leidenschaft sind, die anderen, weil die Baumschulbahn ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist, das ein Plus an Kunden beschert. Kein Wunder, sind im Schnitt doch zwischen 22 000 und 24 000 Fahrgäste jährlich damit unterwegs.

Im 40. Jahr des Bestehens wollen daher beide ordentlich feiern. Speziell an der Jubiläumssaison ist ein Tag der offenen Werkstatt im Mai, die Aufführung des Jim Knopf-Kindermusicals im Juni/Juli und ein Jubiläumsfest im September.