Was im Aargau kreucht, wächst, blüht und Früchte trägt, in Bildern festzuhalten, habe sie schon immer gelockt, sagt die Grafikerin und Illustratorin Barbara Scarabée Käser-Weber. Doch es blieb bei der Idee, eigentlich aus unerfindlichen Gründen, wie sie anfügt. Bis sie, ziemlich genau vor zwei Jahren, durch einen Artikel in dieser Zeitung auf den Aargauer Aquarellkasten von Stefan Muntwyler aufmerksam wurde. Sie schrieb den Farbforscher an, löcherte ihn mit Fragen, die dieser geduldig beantwortete, und war kurz darauf im Besitz des Aargauer Aquarellkastens Nr. 198.

Andächtig habe sie vor dem wunderschön gestalteten Kasten gesessen, erinnert sie sich. Töpfchen mit Aargauer Wappenblau und Aargauer Rüebliorange, eines mit Wettiger Schüttgelb, das im trockenen Zustand eher an ein trauriges Häufchen Dreck erinnere, ein anderes mit dem zarten Küttiger Rosa. Auch Würenloser Grün, Hallwiler Graugrün, Schinznacher und Holderbänkler Grau oder Elfiger Schwarz regten die Fantasie der Künstlerin an.

«Die ersten Versuche waren eine Offenbarung», sagt sie. «Das Schüttgelb zeigte einen nie vermuteten, wunderbar goldgelben Ton, das Küttiger Rosa ein pudriges Nichts und die im Farbkasten kaum zu unterscheidenden Grautöne bewiesen ihre Eigenständigkeit.» Und als sie die Farben unter einander gemischt habe, hätten diese einen nie vermuteten Farbenreichtum offenbart.

Wissenschaftlich präzis

Das erste Bild entstand, der seltene Eisvogel. Barbara Scarabée Käser-Weber zeichnete und malte Pflanzen, Blumen, Kräuter, Käfer, Vögel und Reptilien – mit fotografischer Detailtreue, akribisch und wissenschaftlich präzis. Eine wissenschaftliche Zeichnerin? Ihr Onkel hätte die als Grafikerin ausgebildete Nichte gerne an das paläontologische Institut der ETH Zürich gebunden. Doch sich nur mit Fossilien abzugeben, war ihr zu wenig interessant. «Ich war zu jung, um mich ausschliesslich mit dieser Materie zu befassen. Aber die Liebe zum wissenschaftlich Präzisen ist geblieben, bisweilen auch in skurrilen Kombinationen.»

Barbara Scarabée Käser-Weber zog es vor, als freischaffende Illustratorin zu arbeiten und der künstlerischen Freiheit Raum zu geben. Sie gab sich den Künstlernamen Scarabée, was Käfer heisst auf Französisch. Als Skarabäen werden Abbildungen des Heiligen Pillendrehers in der altägyptischen Kunst bezeichnet. Käfer habe sie schon immer gern gezeichnet.

Bass erstaunter Farbforscher

Stefan Muntwyler habe geschwiegen, eine gefühlte Viertelstunde lang nichts gesagt, als ihm die ersten Werke vor Augen geführt worden seien, erinnert sich Barbara Scarabée Käser-Weber. Er sei wohl bass erstaunt gewesen, dass solche Bilder mit seinen Farben überhaupt möglich seien.

Geboren ist die Künstlerin in Johannesburg, wo ihr Vater für Sulzer arbeitete. Aufgewachsen ist sie aber in Winterthur und Muri BE. Seit 15 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann und zwei neugierigen Katern in Villigen. Und dass kein Lift in die schöne Dachwohnung des Mehrfamilienhauses führt, bedauert sie jetzt gerade sehr, hat sie sich doch vor ein paar Wochen den Fuss gebrochen.

Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Galerie Anixis von Hanni Malcotsis an der Oberstadtstrasse in Baden begleitete sie deshalb an Stöcken humpelnd durch die Ausstellung, in der Maler und Farbforscher Muntwyler monochrome Arbeiten zeigt, ergänzt mit den Farben von Kythira. An der Vernissage wurde in der Ansprache ihr Pseudonym treffend mit ihrer Arbeitsweise verknüpft: «Ganz in der Manier des Namensgebers ihres Künstlernamens, des beharrlichen, nimmermüden Pillendrehers, der nicht eher ruht, als bis die Kotkugel im Erdloch versorgt ist, verfolgte Barbara Scarabée ihre Idee.»