Brugg

Mit dem Tablet zur Multimedialität: Das Stadtmuseum wird modernisiert

Die Kommission für das Stadtmuseum hält ihre Sitzung im Stäblisaal ab (von links): Reinhard Bodenmann, Trix Roth, Präsidentin Brigitte Süess Gremminger, Felix Müller und Heiko Dobler. Es fehlt Kurator Dominik Sieber.

Die Kommission für das Stadtmuseum hält ihre Sitzung im Stäblisaal ab (von links): Reinhard Bodenmann, Trix Roth, Präsidentin Brigitte Süess Gremminger, Felix Müller und Heiko Dobler. Es fehlt Kurator Dominik Sieber.

Die Museumskommission blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück. Im Dezember beantragt der Stadtrat der Ortsbürgergemeinde, die Ausstellung im ehemaligen städtischen Zeughaus in der Hofstatt für über 900'000 Franken zu modernisieren. Neu soll ein Ganzjahresbetrieb möglich sein.

Während Jahrzehnten habe sie das Heimatmuseum primär als geschlossenes Gebäude wahrgenommen, sagt Brigitte Süess. Das habe sich geändert und nach der nächsten Umbauphase werde sogar ein Ganzjahresbetrieb möglich sein. Süess ist Präsidentin der Kommission für das Stadtmuseum der Ortsbürgergemeinde Brugg.

Vor wenigen Tagen hat sie sich mit den Mitgliedern der Museumskommission, Trix Roth, Felix Müller, Heiko Dobler und Reinhard Bodenmann, am ovalen Tisch im Stäblisaal zur Sitzung verabredet. Die Beteiligten blicken auf eine erfolgreiche Saison zurück. Weil das Museum erstmals jeden Sonntag offen stand, konnte die Besucherzahl gegenüber dem Vorjahr von 746 auf 1422 fast verdoppelt werden.

Es sind die Veranstaltungen wie Vorträge, Konzerte oder Stadtführungen, die am meisten Publikum ins Museum locken. Das Stadtfest habe vor allem am ersten Wochenende für viele spontane Besucher gesorgt, ergänzt die Präsidentin.

Obwohl die Besucherzahlen teilweise erheblich schwankten, sind die Aufseher aber nie unter sich geblieben. «Am 28. Juli kamen nur zwei Personen», sagt Süess beim Blick in die detaillierte Statistik. Werden die Gäste an den 140 standesamtlichen Trauungen im Stäblisaal mitgezählt, steigt die Gesamtzahl der Menschen im Stadtmuseum für dieses Jahr von 1422 auf zirka 3250.

Das Foyer wird mit Zeitstrahl und Windfang aufgewertet

Zur Attraktivitätssteigerung soll nun die Dauerausstellung im früheren Heimatmuseum, das seit der ersten Umbauetappe vor über vier Jahren «Stadtmuseum Brugg – Stäblisaal und Historische Sammlung» heisst, bis im August 2020 modernisiert und das Gebäude weiter renoviert werden.

Die Ortsbürger entscheiden an der Wintergmeind am 3. Dezember über einen Baukredit von 901 000 Franken. Ohne Gegenstimme hiessen die Ortsbürger im letzten Dezember einen Projektierungskredit in der Höhe von 103'000 Franken für das Vorhaben gut. Damals wurde mit Umbaukosten von 740'000 Franken gerechnet.

Die Museumskommission freut sich auf die Modernisierung. Denn in den letzten beiden Jahren wurde die historische Sammlung aussortiert und inventarisiert. Das Foyer im Erdgeschoss wird als multifunktionaler Raum gestaltet. Neben den Jugendfestkanonen beherbergt es den Empfang und einen Teil der Sammlung. Auf einer neu einzuziehenden Wand stellt ein Zeitstrahl mit Texten, Fotos und Stadtplänen die Geschichte von Brugg dar.

Für die Vortragsnutzung ist eine maximale Bestuhlung für 45 Personen vorgesehen. Ein verglaster Windfang ermöglicht es, das Tor als Haupteingang zu nutzen. Während der Betriebszeiten können so die hölzernen Türflügel offenstehen. Im neuen Serviceraum hinter dem Zeitstrahl gibt es eine Teeküche sowie ein Stuhl- und Tischmagazin.

Gegenüber der Vortragsnutzung im Stäblisaal bietet das Vorhaben laut Projektbericht folgende Vorteile: behindertengerechte Erschliessung, feste Installationen von Projektionsflächen und Beamer, einen verbesserten Schutz der Gemälde und stabileres Raumklima im Stäblisaal. Aufgrund der denkmalpflegerischen Anforderungen und aus Platzgründen kann im Stadtmuseum hingegen keine Liftanlage eingebaut werden.

Im Sammlungssaal im zweiten Obergeschoss werden verschiedene Ausstellungselemente entlang den Wänden platziert. Die Raummitte bleibt frei für die Besucher sowie für kleinere Wechselausstellungen. Bei den Fenstern wird ein Sitzbereich mit Sesseln eingerichtet, der zum Lesen und Online-Recherchieren mit Tablets im Sammlungsinventar einlädt. Der Dachraum im dritten Obergeschoss wird weiterhin als Büro und Arbeitsraum für die Museumsleitung genutzt.

Bilder von Adolf Stäbli werden zur Sicherheit zwischengelagert

Während der geplanten Bauarbeiten im Erdgeschoss und im zweiten Obergeschoss werden die Bilder von Adolf Stäbli (1842–1901) aus Sicherheitsgründen in einem Speziallager für Kunstgegenstände zwischengelagert. Ansonsten werden im 2015 erneuerten Stäblisaal lediglich brandschutztechnische Verbesserungen ausgeführt.

Abklärungen des Bauingenieurs ergaben, dass sich das ursprüngliche Hängetragwerk aufgrund des unverhältnismässig hohen Aufwands nicht wiederherstellen lässt. Das historische Tragwerk wurde 1958 mit dem Einbau der Stahlträger im Erdgeschoss und im Obergeschoss zerstört. Zuvor war das Erdgeschoss stützenfrei.

Die Kosten für die Modernisierung der Dauerausstellung des Stadtmuseums inklusive Gebäudesanierung zweite Etappe werden auf insgesamt 971'000 Franken veranschlagt. Das sind 26% mehr als bei der Grobkostenschätzung für den Projektierungskredit im Dezember 2018. Laut der Botschaft liegt das innerhalb der prognostizierten Kostengenauigkeit von 30% und kann mit den detaillierten Planungserkenntnissen begründet werden.

Die kantonale Denkmalpflege hat einen provisorischen Beitrag von 38 000 Franken zugesagt. Der beantragte Baukredit von 901'000 Franken setzt sich aus dem Kostenvoranschlag abzüglich des Projektierungskredits von 103'000 Franken sowie dem Zuschlag einer Kreditreserve zusammen. Die Investition soll mit Eigenmitteln finanziert werden.

Bevölkerung soll einfachen Zugang zur Sammlung haben

Der Brugger Stadtrat ist überzeugt, dass mit der Neugestaltung der Räume und der Ausstellung ein wichtiger kultureller Mehrwert in der Altstadt geschaffen werden kann. Reinhard Bodenmann von der Museumskommission hält dazu fest: «Jede Stadt ist verpflichtet, bedeutsame und besonders vergängliche Gegenstände, die mit ihrer Geschichte verbunden sind, zu sammeln, wenn sie irgendeine Zukunftsvision hat.

Denn nur ein solches Erbe wird es den künftigen Generationen erlauben, ihre Geschichte besser zu erfassen, zumal nicht nur schriftliche Dokumente, die im Stadtarchiv und in der Bibliothek abgelegt werden können, Zeugen der Vergangenheit eines Orts sind.» Felix Müller ergänzt: «Museen dürfen nicht nur sammeln. Sie müssen vor allem schöne und wertvolle Objekte, verbunden mit guten Geschichten, der Bevölkerung zugänglich machen.»

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