Habsburg

Mit dem Staublappen an des Kaisers Büste

Fünf Wochen und vier Tage lang lag das Schloss im Winterschlaf. Keine lange Zeit. Heute wird das Schloss Habsburg wiedereröffnet, gestern wurde es auf Hochglanz poliert.

Trutzig ragen die Schlossmauern in die Nebelschwaden. Von den Bäumen tropft das letzte Regenwasser, aus dem Tal herauf rauscht leise die Autobahn, dick einwattiert. Sonst ist es still. Es ist früher Freitagmorgen, der Tag vor der Saisoneröffnung.

Am grossen Tor ist ein Schild angeschraubt, «Ferien bis 25. Februar». Es ist Zeit für den Frühlingsputz, Zeit, das Schloss zu wecken. Stühle, Bänke, Tische, Lampen, Decken, Böden, Bilderrahmen, Kachelöfen, Statuen, Schatztruhen, alles muss glänzen, alles muss blitzen. Aber erst gibt es Kaffee.

500 Bankette im Jahr

Ein Hauch Frittieröl liegt in der Tavernenluft im Erdgeschoss. Schlossherr Hansedi Suter dreht die Lichtschalter an. Beim kleinen Fernseher hinter dem Buffet zucken erste Bilder aus der Überwachungskamera über den Bildschirm, die Kaffeemaschine knorzt und knirscht und zischt. Auf dem Tisch liegen die Menükarten, im Februar sind Fischwochen.

Fünf Wochen und vier Tage lang lag das Schloss im Winterschlaf. Keine lange Zeit; im Gegensatz zu anderen Aargauer Schlössern herrscht auf der Habsburg seit 1979 Ganzjahresbetrieb – und Hochbetrieb: Rund 500 Bankette werden pro Jahr ausgerichtet, manchmal bis zu sieben am Tag. Und das mit nur zwölf Angestellten, dazu kommen Aushilfen im Service.

Kampf gegen den Staub

Der Kaffee wirkt. Flinke Füsse trappeln über die ausgetretenen Holztreppen im Innenhof, irgendwo scheppert etwas. Im ersten Stock riecht es nach Wachs: Kellner Beni Urech steuert die Poliermaschine durch die Schlossstube, träge schwurbelt sie über den Holzboden. In der Gotischen Stube nimmt Schlossherrin Marlene Suter den Boden feucht auf und fährt mit einem Lumpen über die Bilderrahmen. Vor dem Fenster flattern aufgeregt die Turmdohlen, «kjack, kjack», schreien sie und verschwinden im Nebel. Einen Stock weiter oben, im Rittersaal, stauben die Service-Aushilfen Irene Waber und Gertraud Roy den Kachelofen, Tische, Stühle und die Dachbalken ab, schütteln die Vorhänge aus.

Staub, überall Staub. Er rieselt aus den Ritzen des alten Gemäuers, legt einen feinen Schleier über das ganze Mobiliar. «Wenn es windet, ist es besonders schlimm», sagt Manuela Kübler, die in der Taverne mit Schrubber und Lumpen die Decke abwäscht. «Dann fliegt der Staub erst recht.»

Schlossherren seit 32 Jahren

Vor 32 Jahren haben Hansedi Suter und seine Frau Marlene das Schloss gepachtet. «Ein Schloss bietet ganz andere Möglichkeiten als ein Wirtshaus, es hat eine ganz andere Ausstrahlung», sagt Hansedi Suter. Mit der Übernahme 1979 erfolgte auch eine Sanierung: Eine neue Küche, eine Heizung und eine Belüftung wurden eingebaut. Damals wurden auch die Mauern der Vorderen Burg ausgegraben – vorher versteckt unter einem Haufen Dreck.

Während die Habsburg-Wirte früher noch auf dem Schloss lebten, wohnen die Suters im Dorf. Im ehemaligen Wohnzimmer im kleinen Turm hat Hansedi Suter die Jägerstube eingerichtet, das darüberliegende Elternschlafzimmer ist sein Büro. Und wo früher die Kinder geschlafen haben, wird heute gekocht.

In der Küche schneidet Koch Mike Schneider Lauch in dünne Streifen. Anders als das Serviceteam hat die Küchenmannschaft das Putzen bereits hinter sich gebracht, noch vor den Ferien. Jetzt werden die Waren überprüft und Fehlendes nachbestellt, die ersten Saucen vorbereitet. Mit dem Startschuss für die Saison fällt auch der Startschuss für die Bankette: Am ersten Wochenende haben sich vier Gesellschaften angemeldet.

Hansedi Suter steht vor dem Schloss, wischt die Kieselsteine von der «Weltplatte». Noch wenige Stunden, dann kann er das Schild von der Tür schrauben. Und die Gäste, die können kommen.

Schloss Habsburg Ab heute Samstag sind das Schlossrestaurant und das Museum jeweils wieder von 9 bis 24 Uhr geöffnet. Ruhetage: Montag und Dienstag (1. Oktober bis 30. April); Montag (1. Mai bis 30. September). Kostenloser Eintritt ins Museum, www.schlosshabsburg.ch

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