Birrhard
«Mit dem Schlimmsten rechnen müssen»: Finder des Blindgängers hatte viel Glück

Der Wanderer, der die scharfe Granate der Schweizer Armee aus den Schweizer Bergen nach Birrhard brachte, hat fahrlässig gehandelt, muss aber keine strafrechtlichen Folgen fürchten. Der Blindgänger lag wohl schon seit Jahren im Schnee und Eis.

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Finder des Blindgängers von Birrhard riskierte sein Leben
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Das unbewohnte Grundstück, zu dem das Bienenhäuschen gehört. Hinten der Laster mit Spezialanhänger der Schweizer Armee.
Blick auf das Bienenhäuschen, wo der Blindgänger deponiert worden war.
Bei diesem Grundstück wurde der Blindgänger abgelegt und in einen sicheren Anhänger der Schweizer Armee abtransportiert. Ein Bewohner von Birrhard nahm die Granate von einer Gletscherwanderung mit nach Hause. (Symbolbild)

Finder des Blindgängers von Birrhard riskierte sein Leben

Kapo AG

Die Person, die eine Blindgängergranate von einer Gletscherwanderung in den Bergen mit nach Birrhard genommen hat, muss nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen: «Es ist keine strafbare Handlung ersichtlich», sagte Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei.

Doch hätte der Fund für den Bergwanderer noch weitaus schlimmere Folgen haben können: «Wäre nämlich die Minenwerfergranate während des Transports detoniert, so hätte dies enormen Schaden angerichtet», sagt Erwin Gilgen, Kampfmittelbeseitigungsspezialist vom Kompetenzzentrum Kampfmittelbeseitigung in Spiez.

«Wäre das Geschoss beispielsweise in einem Auto explodiert, so würde das Auto nicht mehr existieren und die Insassen hätten ebenfalls mit dem Schlimmsten rechnen müssen.» Glücklicherweise ist jedoch nichts passiert, die Granate konnte gestern von Fachspezialisten der Schweizer Armee fachgerecht geborgen und in einem militärischen Lastwagen mit Spezialanhänger abtransportiert werden.

Keine Aufregung im Dorf

Der Wanderer war am vergangenen Freitag auf eine abgeschossene, aber nicht detonierte Minenwerfergranate der Schweizer Armee gestossen. Er hat das Geschoss kurzerhand eingepackt und mitgenommen. Als er bemerkte, dass die Granate scharf sein könnte, hat er sie am Montag gemeldet.

«Die Person hat sich übers das Wochenende wohl ihre Gedanken gemacht und dann am Montagmorgen die Nationale Blindgängermeldezentrale über den Fund informiert», sagt Ursula Berger, Gemeindeammann von Birrhard.

Berger sagt, sie sei im ersten Moment ziemlich erschrocken gewesen über die Meldung. Polizei und Spezialisten der Schweizer Armee hätten jedoch gute Arbeit geleistet. Im Dorf sei es ruhig geblieben. Einzig die Dorfstrasse musste während der Bergung des Geschosses für etwa zehn Minuten gesperrt werden.

Granate lag jahrelang im Gletscher

Die Minenwerfergranate wurde gemäss Gilgen 1968 in der Schweizer Armee eingeführt und bis vor kurzem noch eingesetzt. Nach Beurteilung des Kampfmittelbeseitigungsspezialistes Gilgen ist es gar möglich, dass der Blindgänger bereits jahrzehntelang im Gletscher gelegen hat. «Es kann gut sein, dass er vor zwanzig oder gar dreissig Jahren abgeschossen, durch die Gletscherschmelze im Sommer jeweils freigelegt und im Winter wieder meterhoch eingeschneit wurde. Auf alle Fälle war das Geschoss ziemlich rostig.» (str)