Dass am kommenden Wochenende ausgerechnet in der Region Brugg der beste Schweizer Militärradfahrer im Radquer erkoren wird, ist eine logische Konsequenz der momentanen Kräfteverhältnisse im Land. «Wir Aargauer dürfen für uns in Anspruch nehmen, die innovativste Sektion zu sein. Wir führen das ganze Jahr zahlreiche Wettbewerbe durch und haben starke Fahrer in unseren Reihen.»

Der Scherzer Walter Riedwyl, seit 15 Jahren Präsident der Aargauer Sektion des Militärsport-Verbands, kommt ins Schwärmen, wenn er über sein Hobby spricht. Der Gefreite freut sich augenscheinlich auf die Durchführung der Schweizer Meisterschaft. Klar, dass auch er einer der 30 Startenden sein wird.

«Ich fahre immer noch gerne. Aber die grossen Ambitionen überlasse ich ebenso gerne anderen», schmunzelt der 57-jährige Riedwyl.

Schweiz war eine Quer-Macht

Radsport-Romantiker erinnern sich gerne an die 1970er- und 1980er-Jahre. Damals war die Schweiz im Radquer eine Macht. Unvergessen die «Schlammschlacht zu Hägendorf», bei welcher Pascal Richard 1988 den Weltmeistertitel holte.

Zwei Jahre zuvor gelang den Eidgenossen gar ein Doppelsieg, Albert Zweifel holte sich seinen insgesamt fünften WM-Titel vor Richard. 1995 schliesslich ging dank Dieter Runkel das letzte Mal Quer-WM-Gold in die Schweiz.

Seither sorgen vor allem die Mountainbiker international für Furore. Egal, sagten sich die unermüdlichen Militärradfahrer und satteln seit vielen Jahren ihre 25 Kilogramm schweren Eingänger nicht nur für Rennen auf geteerter Strasse. Immer wieder begeben sie sich auf Abwege.

Alle zwei Jahre treffen sie sich zur offiziellen Schweizer Quer-Meisterschaft. Mit einem Militärrad auf Feldwegen fahren – muss das sein, Walter Riedwyl? Der Chef der Aargauer Sektion schmunzelt: «Es macht auch nach vielen Jahren noch Spass. Und es ist ein Bedürfnis. Wenn niemand solche Rennen fahren möchte, würden wir auch keine mehr organisieren.»

Laut Riedwyl rechnet das Organisationskomitee für das Championat in Scherz mit rund 30 Fahrern. Das Feld wird angeführt vom grossen Favoriten, dem bärenstarken, 50-jährigen Ostschweizer Adrian Schläpfer. Sollte sich der amtierende Meister Raphael Constantini (24) doch noch zum Rennen anmelden, wäre auch er ein heisser Kandidat für den Gewinn des Titels.

Nettes Detail: Da die Schweiz das einzige Land ist, in dem Militärradrennen auf einem hohen Niveau gefahren werden, darf man den Schweizer Meister getrost auch gleich als den international Besten bezeichnen. Mit anderen Worten: In Scherz geht es am kommenden Sonntag um nichts anderes als den Weltmeistertitel.

Der Älteste ist 81, der Jüngste 20

Die Aargauer Militärradfahrer sind ein sympathisches, illustres Grüppchen von Idealisten. Die einen fahren in jedem Rennen auf Teufel komm raus. Andere kurbeln Kilometer um Kilometer vor allem aus Spass an der Freud. Wie Pius Zimmermann.

Der rüstige Fislisbacher feierte jüngst seinen 81. Geburtstag und ist immer noch an den meisten Rennen dabei. So bestritt er im vergangenen Sommer zum 32. Mal das Militärradrennen an den Gippinger Radsporttagen.

Ehrensache, dass Zimmermann auch in Scherz am Start stehen wird. An anderen Ende der Altersskala steht ein 20-jähriger Jungspund, der seine erste Quer-Schweizer-Meisterschaft auf dem Militärrad absolvieren wird.

Dass die Schweizer Meisterschaft in Scherz am kommenden Sonntag durchgeführt wird, ist kein Zufall. Weil am Abend zuvor die örtliche Theatergesellschaft das fünfte und letzte Mal das Stück «De Güggelichrieg» in der Turnhalle aufführt, können die Militärradfahrer die bestehende Infrastruktur benützen.

Wie passend, dass Walter Riedwyl nicht nur Chef der Militärradfahrer ist, sondern auch gleich noch Vizepräsident der Scherzer Theaterleute.