Brugg
Mit dem Lernatelier «Leiterli» gehts wieder aufwärts

Mit Familie Merkli übernimmt am Freitag eine ehemalige Schülerin das Erbe des «Leiterli»-Gründers Ewald Muntwiler. Viel ändern wollen die neuen Chefs nicht. Trotzdem sind sie bereits jetzt mit viel Herzblut dabei.

Claudia Meier
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Freuen sich auf das neue Familienunternehmen (v.l.): Karin Merkli, Mutter Elisabeth Merkli und Yvonne Merkli. Claudia Meier

Freuen sich auf das neue Familienunternehmen (v.l.): Karin Merkli, Mutter Elisabeth Merkli und Yvonne Merkli. Claudia Meier

«Das ist die perfekte Lösung», sagt Hedi Muntwiler im Lernatelier «s’Leiterli» und fährt fort: «Schade, kann das mein Mann nicht mehr erleben.» Rückblick: Wenige Tage vor Weihnachten war der Gründer Ewald Muntwiler tödlich verunfallt. Am 5. Januar berichtete die Aargauer Zeitung über die ungewisse Zukunft des Lernateliers an der Brugger Hauptstrasse. Die Trauerfamilie suchte dringend eine Nachfolgelösung. Diese kam nun dank dem Zeitungsartikel und nach nur zwei Gesprächen bereits zustande – eine Erfolgsgeschichte.

Die Eltern Elisabeth und Manfred Merkli mit Tochter Yvonne aus Stilli kamen am 3. Januar von ihrer Australien-Reise zurück. Sie besuchten dort Sohn Thomas, der noch bis Ende März «downunder» weilt. «Als ich nach der Rückkehr den Bericht in der Aargauer Zeitung las, war ich sehr betroffen», erzählt Mutter Elisabeth Merkli. «Ich wuchs in Brugg auf. Ewald Muntwiler war mein Mathematik-Lehrer an der Bezirksschule und ich ging immer gerne zu ihm. Für mich war klar, dass das ‹Leiterli› nicht schliessen durfte.» Dann ging alles ganz schnell.

Mutter Merkli und die beiden Töchter Karin und Yvonne überzeugten Thomas im fernen Australien, gemeinsam das «Leiterli» zu übernehmen. «Wenn uns etwas gefällt, dann passt es eigentlich der ganzen Familie», sagen Yvonne und Karin und lachen. Mutter Elisabeth ergänzt: «Wir müssen als Familie einfach alle am gleichen Strick ziehen, dann können wir die Zeit bis zur Rückkehr von Thomas überbrücken.» Das begeisterte Frauenteam wird sich die Aufgaben aufteilen. Vater Manfred Merkli trägt das Familienunternehmen mit.

Thomas Merkli wird ab Ende März in die Fussstapfen von Ewald Muntwiler treten und als Geschäftsführer und Mathematiklehrer wirken. Der 28-jährige Betriebsökonom beginnt im Sommer eine höhere Lehrerausbildung.

Er wird von Mutter Elisabeth und Schwester Yvonne in der Administration unterstützt. Schwester Karin arbeitet als Leiterin Finanzbuchhaltung bei der FHNW und kann sich auch vorstellen, dass im «Leiterli» künftig Lehrlinge im Fach Rechnungswesen für die Abschlussprüfung fit gemacht werden.

«Wir wollen hier nichts gross ändern. Es soll so weitergehen wie bisher», sagt Mutter Merkli. «Die Lehrpersonen sind unsere wertvollsten Ressourcen. Wir werden sie alle weiter beschäftigen.» Die Mathematikstunden von Ewald Muntwiler hat nun ein Student übernommen. Er soll auch nach der Rückkehr von Thomas Merkli weiterbeschäftigt werden.

«Es ist schon ein grosser Zufall, dass meine Mutter den Zeitungsbericht gesehen hat», sagt die 29-jährige Karin, die selber keine az-Leserin ist. Zuerst hat sich Elisabeth Merkli mit Hedi Muntwiler zu einem Gespräch getroffen. Am vergangenen Samstag trafen sich die beiden Familien und wurden schnell handelseinig.

«Bei den Lehrpersonen ist die Erleichterung spürbar, dass diese legendäre Brugger Institution weiter besteht», so Hedi Muntwiler. «Dass sich nun sogar eine ehemalige Schülerin dafür einsetzt, ist ganz toll.»

Den drei berufstätigen Frauen steht die Vorfreude auf die neue Aufgabe ins Gesicht geschrieben. Hedi Muntwiler fasst die vergangenen Wochen so zusammen: «Ich bekam einige Anfragen von Interessierten. Aber nur bei Merklis spürte ich sofort, dass sie genügend Herzblut für ‹s’Leiterli› mitbringen.»