Reportage

Mit dem Kehrichtwagen durch Windisch: Die Arbeit ist hart – und systemrelevant

An einem frühen Morgen durfte sich die AZ in Windisch auf Tour begeben mit der Kehricht-Equipe der Voegtlin-Meyer AG.

Ruhig und routiniert fährt Francisco Abreu den Kehrichtwagen durch Windisch. Er liebt seine Arbeit. Er könne einen Beitrag leisten an eine saubere, intakte Umwelt – und ein wenig zutun zu einer besseren Welt, sagt der Chauffeur. «Es ist schon fast eine Herzensangelegenheit.»

Früher transportierte der gebürtige Portugiese Lebensmittel. Fahren mit dem Kehrichtwagen sei etwas ganz Anderes, stellt er fest. Vor vier Jahren begann er bei der Voegtlin-Meyer AG in Windisch. Bis er sich an das Fahrzeug gewöhnt hatte, die Routen auswendig kannte, habe es ein paar Monate gedauert, blickt er zurück. «Ich bin zufrieden, gehe jeden Tag mit Freude arbeiten.» Auch das Umfeld sei super. «Alle helfen und respektieren einander.»

Worte braucht es kaum, aber viel Konzentration

Begonnen hat der Morgen im Pausenraum am modernen Firmenhauptsitz im Industriegebiet, wo sich die Kehricht-Equipen einfinden. Mit Chauffeur Abreu unterwegs sind an diesem Tag die beiden Belader Michi Höchli und Stephan Kuhn. Alle tragen leuchtend orange Kleidung und Schutzmasken. Die Stimmung ist locker-entspannt, die Männer kennen einander und ihr Metier. Nach einem Kaffee fahren sie um Punkt 7 Uhr los mit dem mit Biodiesel angetriebenen Fahrzeug. «Wir sorgen für eine saubere Region», steht auf der Seite.

Trotz Kälte und Pandemie: die Kehrricht-Equipe der Vögtlin-Meyer AG ist täglich in Windisch unterwegs.

Trotz Kälte und Pandemie: die Kehrricht-Equipe der Vögtlin-Meyer AG ist täglich in Windisch unterwegs.

Das gelbe Drehlicht ist eingeschaltet. Zuerst steuert der Chauffeur das Industriegebiet an, zirkelt sein schweres Gefährt – zentimetergenau – durch die Baustelle der Südwestumfahrung Brugg. Ein Mann spaziert vorbei mit seinem Hund an der Leine, hält mit einem Lachen den Daumen in die Höhe. Abreu biegt in die engen Quartierstrassen ein. Kinder und Eltern sind unterwegs auf den Trottoirs Richtung Schulanlagen, Autofahrer machen sich auf den Weg zur Arbeit und sind in Eile, Velofahrer quetschen sich am breiten Kehrichtwagen vorbei.

Anhalten, anfahren, wenden – und freundlich winken – im Sekundentakt: Der Chauffeur ist hellwach, hat die Umgebung und die beiden Aussenspiegel im Auge, die Belader hinten auf dem Trittbrett via Kamera auf dem Monitor. Nur dann und wann braucht es ein paar Worte, meistens bleibt die Gegensprechanlage stumm. «Das Wichtigste ist die Sicherheit», hält der Chauffeur fest. «Wir müssen nicht nur effizient, sondern auch vorsichtig sein. Es darf nichts passieren. Das ist die oberste Regel.»

Er mag die Routen durch das dicht besiedelte Gebiet, wo alles konzentriert ist auf engem Raum. Die Leute seien dankbar. «Meistens.» Dann und wann werde ihnen ein Getränk offeriert oder – in der Weihnachtszeit – sogar ein Geschenk überreicht.

Bis zu 23 Tonnen Abfall sind es bis am Abend

Zur Sparte Entsorgung sind die Männer per Zufall gekommen. Nach Standortschliessungen und Umzügen ihrer früheren Arbeitgeber suchten die heutigen Belader Michi Höchli und Stephan Kuhn eine neue Herausforderung – «vorübergehend» – und blieben hängen. Sie schätzen, dass sie den ganzen Tag draussen sind, ob wie heute bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt oder bei 30 Grad im Schatten, ob bei Regen oder Schnee. Zudem handle es sich um eine sinnvolle und notwendige Aufgabe.

Reizvoll seien die Touren durch die ländlichen Gebiete und die schönen Landschaften – etwa im Schenkenbergertal – genauso wie diejenigen durch die grösseren Orte wie Windisch und Brugg, wo es tendenziell hektischer sei, aber sie mit unterschiedlichen Leuten in Kontakt kommen und auch einmal Kinderaugen zum Glänzen bringen. Die regelmässigen Arbeitszeiten seien ebenfalls kein Nachteil. Diese Tätigkeit, antworten sie auf die Frage nach allfälligen Schattenseiten, sei körperlich sehr anstrengend. Nicht jedermanns Sache, sind sie sich bewusst, sei ebenfalls der Geruch dann und wann. Dieser lässt sich nicht immer vermeiden, obwohl die Fahrzeuge regelmässig gründlich gereinigt und sogar desinfiziert werden.

Bis am Abend werden die Männer rund 23 Tonnen Abfall eingesammelt, den Kehrichtwagen in der Kehrichtverbrennungsanlage dreimal geleert haben. Über 7 Tonnen sind schon beisammen bis zur Znünipause. Abreu, Höchli und Kuhn kaufen sich Gipfeli und Eistee im Laden, fahren zurück zum Pausenraum. Ins Restaurant gehen sie derzeit nicht. Wegen der Coronapandemie – «zum Glück hatten wir bei uns keinen Lockdown» – versuchen sie, Kontakte wo möglich zu vermeiden, sich nicht anzustecken, damit die Entsorgung weiterhin sichergestellt ist. Es seien sehr zuverlässige Männer, lobt Firmeninhaber Martin Gautschi denn auch, der just in diesem Moment um die Ecke kommt und ein paar freundliche Worte mit ihnen wechselt, bevor sich die Equipe wieder auf den Weg macht, ruhig und routiniert.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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