Öffentlicher Verkehr
Mit Brändlis vom Kutschenbock zum Niederflurbus

Die Postgeschichte ist im Wohnhaus der Familie Brändli in Elfingen noch omnipräsent. Der Betrieb der Familie prägte den öffentlichen Verkehr im oberen Fricktal und in der Region Brugg in den letzten hundert Jahren.

Claudia Meier
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Ueli Brändli aus Elfingen führt das Brändli-Postauto-Unternehmen bereits in der dritten Generation. Chris Iseli

Ueli Brändli aus Elfingen führt das Brändli-Postauto-Unternehmen bereits in der dritten Generation. Chris Iseli

In der Ecke des Wohnhauses der Familie Brändli steht ein Sekretär – der ehemalige Postschalter der Gemeinde –, und an der Wand hängt ein Bild des ersten Autos, mit dem Grossvater Brändli ab 1928 seine Passagiere motorisiert zur Station Effingen führte. Ueli Brändli führt das Unternehmen heute in der dritten Generation.

Laufend mehr Passagiere

Angefangen hat alles vor hundert Jahren. Im Alter von 18 Jahren startete Ernst Brändli-Fehlmann 1912 mit der Pferdepost zwischen Elfingen und Effingen Station. An der Kutsche war ein Briefkasten befestigt. Brändli legte den Weg via Bözen und Effingen zum Bahnhof Effingen zweimal pro Tag mit Pferd und Kutsche zurück. Dafür brauchte er jeweils gut 40 Minuten. Je nach Witterung benötigte er im Winter einen Schlitten und manchmal zwei Pferde.

Bereits 1927 beantragte Grossvater Brändli bei der Post ein Auto, weil er die Kutsche für nicht mehr zeitgemäss hielt, wie Ueli Brändli erzählt. Bereits ein Jahr später kam das siebenplätzige Steyr-Modell zum Einsatz. Die Zahl der Passagiere, die dank der Industrialisierung in Brugg oder Baden eine Stelle fanden, nahm laufend zu. Sitzplätze waren jeweils schnell belegt, obwohl sich nicht alle die Fahrt leisten konnten. Ab Effingen Dorf fuhren einige Fahrgäste auf dem Trittbrett mit. Viele gingen noch zu Fuss. Grossvater Brändli löste 1931 seinen Vater auch als Posthalter ab. 1964 nahm er den ersten Saurer-Bus mit 29 Sitzplätzen in Betrieb.

Busangebot laufend ausgebaut

Die Kinder wurden schon früh in den Betrieb integriert. Nach 61 Jahren übergab der Grossvater den Postautobetrieb an Vater Ernst Brändli-Richard. «Die Kombination Bus-, Post- und Landwirtschaftsbetrieb gefiel meinem Vater. Es war manchmal schwierig, Ablösungen zu finden. Da fuhr man auch, wenn man sich nicht gesund fühlte», so Sohn Ueli. Mit der Einführung des Taktfahrplans und der Schliessung des Bahnhofs Effingen im Jahr 1990 wurde das Busangebot laufend ausgebaut. 1991 übernahm der Sohn den Betrieb von seinem Vater.

Heute steht in Elfingen eine grosse Postautogarage. Die Einzelfirma wurde in eine Aktiengesellschaft überführt und 2011 mit dem Postautounternehmen Obrist aus Rheinsulz zusammengeführt. Für die operative Leitung ist Ueli Brändli alleine verantwortlich. Der Betrieb beschäftigt 12 Angestellte plus Ablösungen. Das Team betreut die Buslinien nach Laufenburg, Stein, Frick und Brugg sowie einzelne Kurse Richtung Aarau.

Heute gibt es in Elfingen keine Post mehr. Die Postautogarage ist aber unübersehbar im 280-Seelen-Dorf. «Die Zukunft ist noch offen. Wir stehen in einem Wettbewerb mit anderen Anbietern. Die Konzession läuft 2017 aus», so Brändli. Steht für das Unternehmen, das so pionierhaft begann, eine weitere Generation bereit? «Ein Neffe zeigt Interesse, ins Unternehmen einzusteigen.»