Die Podiumsdiskussion «Sind wir bereit für den Campus?» am Dienstagabend im Brugger Salzhaus kam einem Wechselbad der Gefühle gleich: Nach dem Formulieren von grossen Träumen und Visionen war der Aufprall auf dem Boden der Realität besonders hart. Organisator war die überparteiliche Diskussionsplattform «region.bruggjetzt».

«I have a dream»: Mit diesen grossen Worten von Martin Luther King stieg Ursula Renold, Präsidentin des Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in ihr Referat ein und skizzierte einen inspirierenden Bildungsraum, in dem die FHNW das Flaggschiff sein soll.

Nach ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in der amerikanischen Hochschulumgebung zeigte sie auf, wo es am Standort Brugg-Windisch noch am meisten mangelte: Sie sprach von flächendeckendem, drahtlosem Internetzugang, reizvollen Cafés, gemütlichen Lounges, attraktivem Angebot im öffentlichen Verkehr und besserem Logierangebot in Campus-Nähe.

Anregende Lernkultur

«Ich stelle mir vor, dass wir hier eine anregende Lernkultur für Jung und Alt entwickeln», sagte Renold mit Blick auf die zunehmende Lebenserwartung. «Der Campus ist ein Identifikationspunkt und nicht bloss eine Summe von Räumen.»

Zur Schaffung eines attraktiven Hochschulstandorts brauche es Leidenschaft, Herzblut sowie dynamische, irreale, verrückte und verblüffende Ideen, so Renold.

Nach dieser engagiert vorgetragenen Auslegeordnung fragte Podiumsleiter Hans Fahrländer, Autor bei der Aargauer Zeitung, ob die Region Brugg-Windisch stark genug sei und der Campus sogar ein Motor für die Fusion der beiden Gemeinden sein könnte.

Für Verena Rohrer, Leiterin regionale Standortförderung gehören Brugg und Windisch zusammen. Auch Benno Meier, Präsident Gewerbeverein Zentrum Brugg betonte, dass die Zusammenarbeit immer wichtiger werde.

«Das Projekt hat geholfen, Brücken zwischen Brugg und Windisch zu bauen. Jetzt stellt sich die Frage, wie die Reise weitergeht», sagte Anton Lauber, Leiter Technopark Aargau und Präsident des Fördervereins Campussaal.

Es sei eine Frage des Willens, was aus dieser neuen Situation gemacht werde, betonte Renold. Die Zurückhaltung sei in der Region grösser als im Zentrum, ergänzte Rohrer.

Mangelndes Hotelangebot

Das bescheidene Hotelangebot in der Umgebung sei ein grösseres Problem stellte Fahrländer fest. Unternehmer Werner Eglin aus Baden erklärte: «Die Hotellerie hat sich enorm verändert. Ich kenne Brugg zu wenig, aber eine Zusammenarbeit mit der Hotelfachschule könnte sich lohnen, um Businesspläne erstellen zu lassen.»

Eglins Einschätzung veranlasste Renold zum sofortigen Handeln: «Wenn ich Ihnen zuhöre, spüre ich ihr Herzblut für die Hotellerie. Können wir eine Sitzung abmachen und über Hotels sprechen?»

Kathrin Kalt, Betriebsleiterin Campussaal, ergänzte: «Der Campussaal wird zu 50 Prozent für Firmenanlässe, Seminare und Kongresse gebucht. Es gibt eintägige und mehrtägige Anlässe, aber das Hotelangebot ist ein Problem.»

Beim studentischen Wohnen gebe es vor allem private Angebote, hier gelte es für den Informationsaustausch im Internet geeignete Plattformen zu erstellen, sagte Rohrer. Gemäss Renold ist der Preis entscheidend.

Alt Regierungsrat Kurt Wernli, Präsident des Vereins Studentisches Wohnen Region Brugg-Windisch, meldete sich aus dem Publikum: «Neben der Maximalmiete von 500 Franken pro Monat, ist die Distanz zum Campus entscheidend. Begehrt ist Wohnraum in 5 Minuten Velodistanz oder maximal 15 Minuten Gehdistanz.»

Viele Bedürfnisse seien noch nicht wirklich greifbar und die Hauptfrage sei, wie schnell man auf diese reagieren werde, räumte Rohrer auf die Frage nach dem Nutzen für die Region ein. Renold appellierte ans Publikum: «Sie sind Pioniere und können neue Ideen entwickeln. Sicher ist es gut, die Studierenden bei der Umsetzung miteinzubeziehen.»

Dass es noch mehrere offene Baustellen gebe, waren sich die Podiumsteilnehmer und zahlreiche Gäste einig. «Ohne Probleme ist man aber nicht kreativ», sagte Eglin. Gemeinderätin Heidi Ammon aus Windisch bilanzierte: «Wir haben eine riesige Chance, aber wir sind noch mit angezogener Handbremse unterwegs.»