Brugg
Mit «Alice» wagt eine regionale Band den Sprung auf die grosse Bühne

Im Salzhaus feiern die einheimischen Those And The Weirdo am Samstag ihre Videopremiere. Die Bandmitglieder sind im Video nicht zu sehen – sie waren für die Verpflegung der jungen Darsteller zuständig.

Michael Hunziker
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Eine Mischung zwischen Pop und Rock, Funk und Blues: Those And The Weirdo – hier an einem ihrer raren Auftritte im intimen Rahmen in Baden. Toni Widmer/Archiv

Eine Mischung zwischen Pop und Rock, Funk und Blues: Those And The Weirdo – hier an einem ihrer raren Auftritte im intimen Rahmen in Baden. Toni Widmer/Archiv

zvg

Es ist ein Höhepunkt in der – relativ jungen – Bandgeschichte: Die einheimischen Those And The Weirdo präsentieren im Salzhaus in Brugg ihr brandneues Musikvideo «Alice».

Mit dieser Premiere tritt eine Band an die Öffentlichkeit, die viel Zeit im Proberaum verbracht hat. Die Pläne für ein Musikvideo bestehen seit längerem, sagen Sänger Dino Brandao und Bassist Pascal Ammann gut gelaunt im Gespräch am Morgen bei Kaffee und Gipfeli. Diesen Sommer seien verschiedene Ideen geprüft, überarbeitet, verworfen und erneut aufgenommen worden. Das Drehbuch nahm Form an, im August wurde das Stück «Alice» im Studio eingespielt.

Diesen Monat standen schliesslich die Dreharbeiten auf dem Sulzer-Areal in Winterthur an. «Wir konnten eine riesige Halle mieten, in der unsere Film-Crew die Kulisse aufgebaut und die einzelnen Szenen aufgenommen hat», sagt Sänger Brandao und gerät ins Schwärmen. «Dank unseren Freunden konnten wir auf grosse unentgeltliche Unterstützung zählen, hatten ein professionelles Team zur Seite und eine professionelle Ausrüstung zur Verfügung.» Regie führte ein enger Freund, Filmstudent Moris Freiburghaus, der bereits mehrere Kurzfilme realisiert hat. Auf diese Weise sei der Video-Dreh finanzierbar gewesen, stellt Brandao fest.

Trotzdem: Unter dem Motto «entweder richtig oder gar nicht» hätten sie als Band für die Ton- und Bildaufnahmen viel Geld in die Finger genommen – um die 10 000 Franken. Ein beachtlicher Teil kam mittels Crowdfunding zusammen. Aufgerufen wurde zu dieser Geldbeschaffung übers Internet, das Echo sei überwältigend gewesen, sagt der Sänger. Ebenfalls unterstützt wurde die Brugger Band durch Kulturdünger, eine Stiftung zur Förderung junger Kultur im Aargau.

Weder banal noch gestellt

Die Bandmitglieder selber werden im fertigen Werk übrigens nicht zu sehen sein. «Bei den Dreharbeiten sorgten wir für die Verpflegung der rund 25-köpfigen Crew», sagt Bassist Ammann mit einem Lachen. Er erklärt: «Häufig sind in Musikvideos banale Sequenzen und gestellte Konzertaufnahmen zu sehen. Das wollten wir nicht. Die Absicht war es vielmehr, einen guten Film zur Musik zu produzieren.» In diesem spielen neun Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren mit. Der Dreh sei zwar intensiv und anstrengend, trotzdem aber ein Riesenplausch gewesen, sagt der Bassist und lobt den Einsatz der Akteure vor und hinter der Kamera. «Die Stimmung war super, alle waren motiviert. Für uns war es ein tolles Erlebnis.»

Bei «Alice» handle es sich um ein eher melancholisches Stück, ergänzt Sänger Brandao. Zuviel will er nicht verraten, nur soviel: «Der Text ist aus dem Leben gegriffen, erzählt wird eine wahre Geschichte.» Als Songschreiber nehme er grundsätzlich Themen auf, die ihn persönlich beschäftigen. «Gerade in meinem Alter als junger Erwachsener passiert sehr viel.»

Sie kennen sich schon ewig

Those And The Weirdo bestehen neben Sänger Dino Brandao und Bassist Pascal Ammann aus: Lorenz Moser, Gitarre; Martin Irmann, Keyboard; Lukas Kuprecht, Schlagzeug. Die Bandmitglieder kennen sich seit Jahren – «schon ewig», wie sie mit einem Lachen betonen. Sie sind zusammen aufgewachsen und haben in verschiedenen Ensembles musiziert. Zu Those And The Weirdo zusammengefunden haben sie vor rund vier Jahren. Nur Martin Irmann stiess erst vor eingien Monaten dazu. Aber: «Es fühlt sich an, als wärs schon immer so gewesen – eine wunderbare Erweiterung», sagt Dino Brandao.

Wie kamen sie auf den Bandnamen mit dem Ausdruck Weirdo, der Bezeichnung für einen Sonderling? Es stelle sich doch je nach Standpunkt immer die Frage, was normal sei und was nicht, wer denn eigentlich ein Spinner sei. «Diese Auseinandersetzung finden wir spannend», sagt Bassist Ammann. Ihr Musikstil sei schwer in Worte fassen, sei irgendwo anzuordnen zwischen Pop und Rock, Funk und Blues, fährt er fort. «Wir wollten uns noch nie einschränken, nahmen verschiedene Einflüsse auf.» Sie hätten sich Zeit gelassen, ihren eigenen Stil zu finden. Und, haben sie ihn gefunden? Sänger Brandao schmunzelt. «Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Aber für einen Musiker und eine Band ist die Entwicklung nie abgeschlossen.»

Gemeinsam ist fast allen Bandmitgliedern, dass sie nach ihren Ausbildungen – Studium, kaufmännische oder handwerkliche Lehre – in Zukunft stark auf die Karte Musik setzen wollen. Ziel sei es, möglichst viele Konzerte zu geben. «Wir möchten unsere Musik weitergeben», sagt Ammann. An Auftrittsmöglichkeiten zu kommen, sei indes nicht immer ganz einfach, denn es gebe sehr viele gute Bands, weiss er. Das neue Musikvideo soll deshalb auch als Türöffner dienen.

Kurz vor der Premiere sei neben einer Anspannung auch eine grosse Vorfreude zu spüren. Das Salzhaus sei eines der schönsten Konzertlokale überhaupt. «Wir sind sehr glücklich, dass es mit diesem Termin klappt», so der Bassist. Those And The Weirdo werden wahrscheinlich – «das ist einmalig» – live zum Video spielen und daneben weitere Songs präsentieren. Als Eröffnungsband stehen Most Of The Time auf der Bühne.

Konzert und Videopremiere «Alice» von Those And The Weirdo im Salzhaus in Brugg: Samstag, 25. Oktober, 20 Uhr;
Eintritt 15 Franken (20 Franken mit EP).