Pizza-Tour
Mit 63 geht Gysi auf die grosse Velotour ganz in den Süden

Mit 63 fängt das Leben an - sagt sich der scheidende AZ-Fachjournalist Martin Gysi und bricht zusammen mit seiner Frau Martine auf zu einer Velotour kreuz und quer durch Italien bis nach Apulien und zurück. Mit diesem Blog berichten die beiden.

Martin Gysi
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Martin und Martine Gysi: Die Pizza zur Stärkung haben sie schon gebacken...

Martin und Martine Gysi: Die Pizza zur Stärkung haben sie schon gebacken...

Basil Gysi

In diesen Tagen schreibt und redigiert der langjährige Chefredaktor der AZ-Fachzeitschrift technica, Martin Gysi, seine letzten Manuskripte für die Mai-Ausgabe und räumt dann seinen Schreibtisch. Bereits am Sonntag bricht er zusammen mit seiner Frau Martine auf zu seinem «Giro d'Italia». Gysi berichtet in der az von seiner grossen Velotour.

Am Sonntag um 8 Uhr geht es los. Dann erfüllen sich die Gysis einen Lebenstraum, der die beiden begeisterten Tourenradfahrer schon seit Jahren umtreibt: Im Frühling mit dem Velo nach Apulien und im Herbst wieder zurück.

Wenn alles gut geht, werden der Frühpensionär und seine beruflich auch nachher noch aktive Ehefrau gut 4600 km in den Beinen haben, wenn sie Ende September wieder im Eigenamt einfahren. Und sie fahren nicht etwa auf flachen Wegen der Küste entlang, sondern Kreuz und Quer durch den hügeligen bis bergigen Stiefel bis zum Absatz und zurück. Schliesslich geht es ihnen nicht darum, Kilometer zu «fressen», sondern Italien zu «erfahren».

Weshalb gerade Apulien?

Weshalb gerade nach Apulien? Die beiden haben dort Bekannte - schon vor Jahren in ihre Heimat zurückgekehrte Gastarbeiter - und sind dort schon ein paar Mal in den Ferien gewesen. Dazu Martin Gysi: «Da man halt jeweils spätestens nach zwei Wochen zurück sein musste und deshalb nie Zeit blieb, um die Gegenden dazwischen zu erkunden, blieb der ganze Rest Italiens zwischen Mailand und Matera ein weisser Fleck auf der Landkarte. Das soll sich nun ändern.»

Die geplante Route liest sich tatsächlich wie das Inhaltsverzeichnis eines Reiseprospekts: Vom Aargau aus über den Ofenpass durch das Vinschgau und das Val Sugana nach Venedig. Der Küste entlang nach Ravenna und dann über Bologna quer durch den Appenin nach Florenz. Peruggia, Spoleto, Rom, Benevento und Pompeji sind die nächsten Etappenstädte bevor es der Amalfiküste entlang über Paestum ins Cilento geht. Quer über das «Rist» des Stiefelfusses führt die Route dann an den Golf von Taranto und schliesslich weiter nach Süden zum Zielort bei Porto Cesareo, wo die beiden «übersömmern» werden.

Zurück über die Abruzzen

Auf dem Rückweg wollen sie über Campobasso in die Abruzzen hochfahren und wenn immer möglich ohne Wolf- und Bärenkontakte die «legendären» Hochebenen Campo Imperatore und Piano Grande erkunden. Quer durch die Toskana führt der Rückweg dann weiter über Siena, Volterra und Lucca nach La Spezia. Der Küste entlang durch die Cinque Terre wird es dann nochmals „ruppig" bevor in Savona der Aufstieg ins Piemont beginnt. Dem Lago Maggiore entlang geht's schlussendlich zum Gotthard und von dort zurück ins Mittelland.

Übernachtet wird in Hotels und Pensionen. Das Gepäck kommt in je zwei Sacochen mit. Das muss reichen.

Eine Gewaltstour? Martin Gysi relativiert: «Wir planen durchschnittlich fünf 70-km-Etappen pro Woche. Das gibt genügend Spielraum für Besichtigungen, Erholung und allfällige Regenpausen. 1000-km-Touren auf dieser Basis haben wir auch schon gemacht, wir können deshalb einigermassen abschätzen, worauf wir uns einlassen.»

Trotzdem ist man natürlich gespannt, was den beiden im «Land, wo die Zitronen blühn» alles widerfahren wird. Wir werden es erfahren. Die beiden berichten an dieser Stelle regelmässig über ihre Erlebnisse.

Und die budgetierten Regenpausen könnten schon zum Tourbeginn eingesetzt werden müssen. Die Wetterprognosen für den nächsten Wochenbeginn sind nicht gerade vielversprechend...