Brugg
Mit 27 Jahren den Traumberuf gefunden: Lastwagenmechaniker leitet jetzt ein Bildhaueratelier

Mit Grabsteinen setzen sich viele nur an Feiertagen wie Allerheiligen auseinander. Für Remo Streit ist das Thema Alltag. Nicht alles darf der Chef des Brugger Bildhauerateliers Meier realisieren.

Maja Reznicek
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Bildhaueratelier Meier
7 Bilder
Geschäftsführer Remo Streit vom Bildhaueratelier Meier in Brugg-Lauffohr.
Im Bildhaueratelier muss millimetergenau gearbeitet werden.
Volle Konzentration und genaue Arbeit.
Die Ergebnisse sind wunderschön.
Wunderschöne Grabsteine.
Steinbildhauer Marc Brügger bei der Arbeit.

Bildhaueratelier Meier

Sandra Ardizzone

Der Inhaber des Bildhauerateliers Meier begleitet Angehörige bei der Wahl des Grabmals bis zu dessen Umsetzung. Ob ihn das nicht bedrücke? Nein, findet der 27-Jährige: «Der Tod gehört zum Leben.»

Wichtig sei, dass sich die Hinterbliebenen genügend Zeit nehmen, um das Erlebte zu verarbeiten und darüber nachzudenken, wie sie der verstorbenen Person gedenken möchten. Darum setzt Streit bei einer Anfrage zuerst auf ein intensives Beratungsgespräch, auch wegen der Möglichkeiten. «Mittlerweile können wir Materialien aus der ganzen Welt beschaffen und besondere Ideen realisieren.» Nach der Wahl kann das siebenköpfige Team mit zwei Bildhauern und einem Steinmetz innerhalb von einer Woche einen Grabstein kreieren.

Variierende Vorschriften für Grabsteine

Ganz jede Idee ist trotzdem nicht realisierbar. Im Büro von Remo Streit stapeln sich darum vier dicke Ordner: die Grabvorschriften pro Gemeinde. «Jede hat ein eigenes Reglement mit eigenen Vorschriften. Meistens betreffen sie die Grösse der Steine, so dass es ein einheitliches Erscheinungsbild auf dem Friedhof gibt. Andere verlangen bei Inschriften in anderen Sprachen zusätzlich eine deutsche Übersetzung.»

Natürlich gebe es auch Symbole – beispielsweise rassistischer Natur – die nicht erlaubt seien. Den Regeln genügen und oft gewählt würden aber folgende Klassiker: «Rosen oder Ären sind sehr beliebt. In katholischen Kreisen Kreuze genauso wie Madonnen.» Dem gegenüber stehen neuere Sujets zum Hobby des Verstorbenen oder dessen Abbild.

Ebenso wichtig wie die Gestaltung, sei den meisten Angehörigen der einfache Erhalt des Grabsteins. «Viele wohnen nicht mehr im gleichen Dorf, wie der Friedhof angesiedelt ist. Darum wünschen sie sich wenig Aufwand bei der Pflege.» Streit gibt als Tipp: «Bei einem geschliffenen Stein reicht einmal pro Jahr eine Reinigung mit Wasser und Lappen. Für Felsen sollte man schon eine Bürste nehmen.»

Kein Wunsch-, aber ein Traumberuf

Sein Wissen über Grabsteine hat Remo Streit nicht von ungefähr. 2013 suchte er nach einer Lehre als Lastwagenmechaniker einen neuen Berufsweg. Diesen ermöglichte ihm der Lebenspartner seiner Mutter: im Aussendienst des Bildhauerateliers Meier.

Fünf Jahre später übernahm Streit dann das Geschäft. Kein Wunsch-, aber trotzdem ein Traumberuf für den 27-Jährigen: «Für mich ist das keine Arbeit, sondern mehr ein Hobby.» Der Kontakt zu den Kunden und der Umgang mit den Steinen mache ihm grossen Spass. Dies geht soweit, dass der Brugger sich die Rohmaterialien nicht nur aus ganz Europa anliefern lässt, sondern in der Schweiz selbst im Steinbruch abholt. Der Inhaber schwärmt: «Jedes Exemplar ist ein Unikat. Man weiss nie, was zum Vorschein kommt, wenn es bearbeitet wird.»

Dass der Fokus des Bildhauerateliers Meier nicht für immer Grabsteine sein wird, ist für Remo Streit klar. «Sie sind immer weniger gefragt. Die meisten Leute werden heute kremiert und davon wieder ein Grossteil im Gemeinschaftsgrab beigesetzt.» Darum erstellt das Unternehmen auch Natursteinbrunnen. Ansonsten würde Streit bei Grabmälern bleiben.