Windisch/Hausen

Metzger fühlt sich von Regisseur Urs Odermatt betrogen

Über die Zeitung hat Metzgermeister Hansruedi Meier von den Plänen der Filmemacher erfahren – und sich geärgert.

Über die Zeitung hat Metzgermeister Hansruedi Meier von den Plänen der Filmemacher erfahren – und sich geärgert.

Metzgermeister Hansruedi Meier hat den Film «Der böse Onkel» von Urs Odermatt dazumals finanziell unterstützt. Heute wartet er noch immer auf sein Geld. Der Filmemacher reagierte nicht auf die Versuche des Metzgers Kontakt aufzunehmen.

Mit seinem Spielfilm «Der böse Onkel» sorgte Urs Odermatt für Aufsehen und Diskussionen: Erzählt wird die Geschichte von einem Sportlehrer, der sich an seinen Schülerinnen vergreift. Jetzt will der Regisseur mit seinem neuen Werk «Kora» die Zuschauer herausfordern. Verantwortlich für den Film zeichnet das Produktionsbüro des Vereins Kulturwerkstatt Nordwest mit Sitz in Hausen.

Da scheiden sich die Geister: Trailer zum Film «Der böse Onkel» von Urs Odermatt.

Da scheiden sich die Geister: Trailer zum Film «Der böse Onkel» von Urs Odermatt.

Als er über die Zeitung von diesen Plänen erfuhr, hat er sich ziemlich geärgert: Hansruedi Meier, der in Windisch die Zentrum Metzg betreibt. Er sei erstaunt, dass dieser Regisseur und seine Produzentin Jasmin Morgan immer wieder eine Plattform erhalten. Denn für die Produktion von «Der böse Onkel» seien die beiden auf finanzielle Mittel angewiesen gewesen. Er habe sich als Geldgeber zur Verfügung gestellt, sagt Meier. Sein Darlehen aber habe er bis zum heutigen Tag nicht mehr gesehen – «trotz klarem Vertrag, mehreren Schreiben und Zahlungsaufforderungen sowie mündlichen Versprechen». Der Metzgermeister weiss, dass es anderen Geldgebern genau gleich ergangen ist. «Es ist einfach nicht in Ordnung, mit Menschen so umzuspringen.»

Keine Antworten, keine Reaktionen

Seine finanzielle Unterstützung habe er damals erst bei der zweiten Anfrage zugesichert, erinnert sich Meier. Zuerst war er skeptisch und winkte ab. Dann übernahm ein Bekannter – «ein bodenständiger Mann» – für die Filmemacher den Bereich Sponsoring und überzeugte ihn, bei einer guten Sache mitzumachen.

Im Juli 2009 kam der Vertrag über 3000 Franken zustande. Meier lieferte für diesen Betrag Fleisch und gewährte als Sponsor grosszügig 1000 Franken Rabatt. Mindestens 1000 Franken aber – oder je nach Erfolg des Films auch mehr – hätten ihm später zurückerstattet werden sollen. Er habe keine Ahnung, wie der Film angekommen sei, habe bis heute keine Abrechnung zu Gesicht bekommen und nichts mehr von den Filmemachern gehört, die ihm noch mindestens 1000 Franken schulden, sagt Meier. Selbst auf eingeschriebene Briefe erhielt er keine Antworten, auf Telefonanrufe keine Reaktionen. Sein Bekannter, der für das Sponsoring zuständig war, sei in der Zwischenzeit leider verstorben.

Den Gedanken, den Regisseur und die Produzentin zu betreiben, habe er zuerst zwar gehabt, dann aber verworfen, sagt Meier. «Das gibt nur Umtriebe. Trotz grossem Aufwand springt am Schluss häufig doch nicht viel heraus.» Mittlerweile, nach rund sechs Jahren, hat er sein Geld abgeschrieben. Er hofft aber, dass niemand mehr den Filmemachern auf den Leim geht, dass all diejenigen, die für weitere Projekte um Geld angegangen werden, keinen roten Rappen zur Verfügung stellen.

Hansruedi Meier von der Zentrum Metzg: «Es ist einfach nicht in Ordnung mit Menschen so umzuspringen.»

Hansruedi Meier von der Zentrum Metzg: «Es ist einfach nicht in Ordnung mit Menschen so umzuspringen.»

Gleich äussert sich Markus Leimbacher, Anwalt und Mediator aus Brugg: «Das Projekt ‹Der böse Onkel› hat frustrierte Gläubiger von Urs Odermatt und Jasmin Morgan hinterlassen. Rechnungen für bezogene Leistungen wurden nicht bezahlt. Potenzielle Unterstützungspersonen sind also gewarnt.»

«Es gibt keine Kreditgeber»

Regisseur Urs Odermatt weist auf eine schriftliche Anfrage darauf hin, dass er ausschliesslich für die künstlerische und die gestalterische Leitung des Films zuständig war. Die Finanzierung, Logistik und Herstellungsleitung habe in den Händen von Produzentin Jasmin Morgan gelegen.

«Der böse Onkel», fährt Odermatt fort, sei eine Independent-Produktion, die von einer ehrenamtlichen Crew von gegen 250 Leuten hergestellt wurde. Nur so sei es möglich gewesen, diesen Film «mit in der Nachbarschaft erbettelten 68 300 Franken in der Kasse» zur realisieren, nachdem jede Schweizer Filmförderung, auch die aargauische, diese Produktion habe im Regen stehen lassen.

Gemäss Odermatt gibt und gab es für den Film «Der böse Onkel» zu keinem Zeitpunkt Kreditgeber. «Es gibt ausschliesslich Sponsoren für Sachleistungen und für kleine Geldbeträge.» Alle Mitwirkenden hinter und vor der Kamera sowie alle Dienstleister hätten selbstverständlich schriftliche Beteiligungsverträge, die zu Ausschüttungen führen, sollte der Film Gelder einspielen, die über die laufenden Kosten hinausgehen.

Produzentin Jasmin Morgan bestätigt: «Es gibt keine Kreditgeber bei ‹Der böse Onkel›.» Und weiter: «Jeder, der sich eingebracht hat, sei es als Sponsor oder direkt Beteiligter, hat unter dem Wissen und unter der Voraussetzung mitgewirkt, dass es unbezahlt ist, dass hier nicht das Geld im Vordergrund steht, sondern das Realisieren eines tollen Filmprojektes, das Mitschaffen an einem kulturellen Werk.»

Bei der neuen Produktion «Kora» werde nach dem gleichen Prinzip vorgegangen. Sie sei, ergänzt die Produzentin, nach wie vor sehr angetan von Urs Odermatts ausgeklügelten Drehbüchern, seinem Mut und seinem Perfektionismus in seiner eigenen Handschrift. «Die Werke, die er macht, werden Generationen überdauern.» Darum engagiere sie sich. Die Filmemacher könnten davon – «leider» – nicht reich werden. «Aber reich an Kultur, Erfahrungen und guten Erinnerungen.»

Genau wie für Regisseur Odermatt ist es für die Produzentin unbegreiflich, dass keine öffentlichen Fördergelder geflossen sind, dass der preisgekrönte Film nicht einmal in Brugg, wo er zum grössten Teil spielt, im Kino lief. «Es wäre toll gewesen, wenn nicht nur die ausserkantonalen und ausländischen Medien Anerkennendes über ‹Der böse Onkel›, den Aargauer Independent-Klassiker, berichtet hätten, sondern auch die regionalen Medien. Denn wir alle haben unsere Zeit, viel Arbeit, Energie und unser ganzes Wissen und Können da hineingesteckt.»

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