Die Stadt Baden ist in der beneidenswerten Lage, gleich zwei grandiose Villen der BBC-Gründer Sidney Brown und Walter Boveri in die Waagschale touristischer Perlen zu werfen. Die Brownsche «Langmatt» lassen wir weg, weil diesmal die Villa Boveri, vielmehr ihr Gartensaal, im Vordergrund steht. Für Liebhaber klassischer Musik ist er eine feine Adresse, die in den späten Siebzigern in die internationalen Schlagzeilen rückte.

Dort fand statt, was anfänglich als reichlich kühn anmutete: Meisterkurse für spanische Musik. Die spanische Pianistin Maria Luia Cantos und ihr mittlerweile verstorbener Mann Angelo Maccabiani luden hochkarätige Musiker wie etwa den Gitarristen Pepe Romero oder den Harfenisten Nicanor Zabaleta ein, um im Laufe der Jahre 1000 Musiker und Studierende mit den Besonderheiten der spanischen Musik vertraut zu machen.

Tempi passati

Wenngleich die Sommerkurse in der Villa Boveri seit 2003 vorbei sind, sind sie keineswegs vergessen und mit ihr auch nicht die Stiftung Música Española Suiza. Die Sehnsucht danach ist geblieben – und wird bald gestillt. Und das nicht in Baden, sondern in Bözberg, wo Maria Luisa Cantos seit Jahrzehnten zu Hause ist. Nanu? Die Pianistin reagiert auf das Erstaunen ihrer Besucherin mit einem Lächeln und deutet auf das riesige Wohnzimmer mit seinen zwei Bösendorfer-Flügeln.

«Unser Haus ist gross, früher haben wir hier viele Konzerte veranstaltet; zudem befindet sich der Sitz der Stiftung nicht mehr in Baden, sondern in Bözberg. Da kam mir die Idee: Ich könnte doch an diesem Ort Meisterkurse veranstalten.» Dass sich diese anders präsentieren als die einstmaligen im Gartensaal der Badener Villa Boveri, versteht sich, was sich auch im Namen niederschlägt: Internationale Begegnungen der Musik, Bözberg.

Natürlich werden spanische Komponisten wie zum Beispiel Granados, de Falla, Nin-Culmell oder Rodrigo eine Rolle spielen, aber nicht nur. Obgleich Maria Luisa Cantos in der Öffentlichkeit als Botschafterin der spanischen Musik gilt, spielt sie «am liebsten Werke von Romantikern und Impressionisten» – somit von Brahms, Schumann, Skrjabin, Debussy, Ravel und Grieg.

Die Pianistin richtet ihre braunen, lebhaften Augen auf ihr Gegenüber: «Es ist ein Risiko», sagt sie, «aber ich will es eingehen.» Sie ist zuversichtlich, dass sich Musikerinnen und Musiker, aber auch Musikliebhaber einfinden werden, um einen mit Musik, Referat und Konzert vollbepackten Tag zu erleben. Die Meisterklasse am Morgen gibt Maria Luisa Cantos selbst; die Nachmittagsveranstaltung mit einem Referat der Musikpädagogin Mariette Bitterli und einem Konzert auf zwei Flügeln ist öffentlich.

Was passiert eigentlich dazwischen? Maria Luisa Cantos’ Augen funkeln vergnügt. «Sie meinen wohl, wo die Besucherinnen und Besucher essen können? Hier, bei mir.» Ja, ja, bekräftigt die Pianistin mit energischem Kopfnicken: Die Begegnungen sollen nicht allein auf musikalischer, sondern auch auf menschlicher Ebene erfolgen. Was eignete sich hierfür besser als ein Imbiss?

Das spricht für Maria Luisa Cantos, die nicht nur am Flügel eine Gastgeberin sein will. In der für sie typischen, übersprudelnden Art und Weise, erzählt die Pianistin, dass weitere Meisterkurse am 13. Dezember, 14. März und 13. Juni 2015 stattfinden werden. Bis dahin ist es noch lange.

Vorerst steht der erste Anlass am Samstag, 13. September, bevor. Lampenfieber? Eher gespannte Erwartung. Maria Luisa Cantos freut sich, dass für den Startschuss der Internationalen Begegnungen der Musik auch Gemeindeammann Peter Plüss sein Kommen angekündigt hat. Er wird vor dem öffentlichen Teil am Nachmittag zu den Gästen sprechen und Grussworte der Gemeinde Bözberg überbringen. Da kann ja nichts mehr schiefgehen. «Wir werden sehen», sagt die Pianistin mit einer Stimme, die vor lauter Optimismus ganz hell klingt.

Internationale Begegnungen der Musik, Bözberg, Samstag, 13. September, von 10 bis 15 Uhr. Anmeldung per E-Mail an: musicaespanola@bluewin.ch