Bezirksgericht Brugg
Mehrfacher Betrug: Das Gericht geht bei dem Eishockeyfan von Arglist aus

40-Jähriger steht wegen mehrfachen Betrugs vor dem Bezirksgericht in Brugg – auch ein Sporttrikot spielt eine Rolle an der Verhandlung.

Michael Hunziker
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Der Beschuldigte, ein Eishockeyfan, liess sich ein Trikot der New Jersey Devils per Express liefern. Den vereinbarten Kaufpreis von 320 Franken hat er allerdings nicht überwiesen (Symbolbild).

Der Beschuldigte, ein Eishockeyfan, liess sich ein Trikot der New Jersey Devils per Express liefern. Den vereinbarten Kaufpreis von 320 Franken hat er allerdings nicht überwiesen (Symbolbild).

zvg

Ein unbeschriebenes Blatt ist Markus (Name geändert) nicht, mit der Justiz ist er schon mehrmals in Kontakt gekommen. Er stehe zu seiner Vergangenheit, habe sich vielleicht nicht immer korrekt verhalten, räumte er diese Woche als Beschuldigter vor dem Bezirksgericht in Brugg ein. Aber er sei auf einem guten Weg.

Als strafbare Handlungen zur Last gelegt wurden dem 40-jährigen Schweizer mehrfacher Betrug. Im März 2018 – damals lebte er in der Region – hat er gemäss Anklageschrift via eine Internetplattform von einem Mann aus dem Kanton Bern ein Hockeytrikot der New Jersey Devils bestellt und per Express schicken lassen. Den vereinbarten Kaufpreis von 320 Franken hat er nicht überwiesen. Der Beschuldigte habe sich in einer schlechten finanziellen Lage befunden und gar nicht beabsichtigt, die Rechnung zu begleichen, heisst es in der Anklageschrift.

Der 35-jährige Verkäufer des Trikots erklärte vor Gericht, dass er nicht auf Vorauskasse bestanden habe, weil ihm Markus als ehrlich, als vertrauenswürdig erschien und glaubhaft dargelegt habe, dass er ein grosser Eishockeyfan sei. Auf die mehrmaligen Zahlungsaufforderungen sei allerdings nichts passiert. Deshalb habe er die Betreibung eingeleitet.

Sein Bankkonto verschwieg er beim Sozialamt

Weiter hat Markus laut Anklageschrift Leistungen der Sozialhilfe bezogen, die ihm nicht zustanden. Konkret habe er dem Sozialdienst «wissentlich und willentlich» vorgetäuscht, über kein Einkommen zu verfügen und in finanziellen Nöten zu sein. In Tat und Wahrheit habe er mit einem Onlinehandel einen «nicht zu verachtenden» Nebenerwerb erzielt und überdies mehrfach freiwillige Zuwendungen erhalten. Sein Bankkonto habe er beim Sozialamt verschwiegen. Dieses zahlte ihm im Jahr 2018 während fünf Monaten über 6500 Franken aus, obwohl Markus in dieser Zeit Einnahmen von knapp 13300 Franken erzielt hat.

Dass er wegen seines Bankkontos und seines Vermögens geschwindelt habe, bestritt Markus – rotes T-Shirt, graue Hose, braune Schuhe – nicht in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven. Aber er habe nicht absichtlich betrügen wollen und von der Sozialhilfe wegkommen wollen. Die Situation habe sich so ergeben, er sei hineingeschlittert. «Ich wollte eigentlich, dass es gut kommt», sagte Markus.

Viele seiner Aussagen waren widersprüchlich und blieben vage – trotz hartnäckigem Nachfragen von Einzelrichterin Kerkhoven. Die Frage, warum er das Hockeytrikot bestellt und nicht bezahlt habe, beantwortete er zwar ausführlich, aber nicht schlüssig. Der Zahlungswille sei vorhanden gewesen, versicherte er. Allerdings habe es Verzögerungen gegeben, es sei eine strube Zeit gewesen, es sei grad nicht gegangen, führte er aus und erwähnte seine damalige teure Wohnung. Mehrmals wies er darauf hin, dass es sich bei diesem Sachverhalt nicht um Betrug handle, dass sein Verhalten nicht strafrechtlich, sondern zivilrechtlich relevant sei, die Gerichtsverhandlung also die «falsche Plattform» sei.

Das Gericht geht von Arglist aus

Markus hat mehrere Vorstrafen, war schon früher wegen Betrugs verurteilt worden. Er habe Fehler gemacht und dafür bezahlt, stellte er fest. Aber er habe es aus eigener Kraft geschafft, sein Leben zu ändern, auch wenn es nicht einfach war. Er gebe sich eine gute Zukunftsprognose. Mittlerweile wohnt er nicht mehr im Aargau und hat eine 100-Prozent-Anstellung im Gesundheitsbereich gefunden. Er habe sich hochgearbeitet, der Betrieb unterstütze ihn, erklärte er. Nun habe er sogar die Chance auf eine Weiterbildung. Markus plädierte dafür, dass er – im Falle einer Verurteilung – gemeinnützige Arbeit leisten kann, anstatt die von der Staatsanwaltschaft geforderten unbedingten Freiheitsstrafe von vier Monaten abzusitzen. Das wäre sinnvoller, er sei vom Fach.

Das Gericht sprach ihn schliesslich schuldig des mehrfachen Betrugs sowie der Verletzung der Verkehrsregeln, weil er im Sommer 2019 die signalisierte Höchstgeschwindigkeit um 10km/h überschritten hatte auf der Autobahn auf Höhe Mülligen. Zur Freiheitsstrafe von vier Monaten – als Zusatzstrafe zu früheren Urteilen des Obergerichts – kommt eine Busse von 60 Franken. Das Gericht ging in seiner Begründung von Arglist aus, sprach von einem Lügengebäude, das der Beschuldigte aufgebaut habe. Gemeinnützige Arbeit könne das Gericht nicht anordnen, der Verurteilte habe aber die Möglichkeit, den entsprechenden Antrag zu stellen.