Regionalkonferenz Jura Ost
Mehr gelesen als diskutiert: Mitglieder sind dem Leitungsteam gefolgt

Der Antrag des Gemeinderats Effingen,den Vertreter des Gemeinderats Hornussen per sofort von seinen Aufgaben in der Fachgruppe Oberflächenanlagen zu entbinden, hatte keine Chance. Die Regionalkonferenz Jura Ost stimmte über 23 Anträge ab.

Claudia Meier
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Die Mitglieder der Regionalkonferenz Jura Ost absolvierten ein Abstimmungsmarathon.

Die Mitglieder der Regionalkonferenz Jura Ost absolvierten ein Abstimmungsmarathon.

Claudia Meier

An der sechsten Vollversammlung am Donnerstagabend im Brugger Salzhaus ging es eher ums Lesen als ums Diskutieren. 78 von 95 Mitgliedern waren anwesend. Sie hatten über 21 Anträge zur Beurteilung der Oberflächenstandorte sowie zwei Zusatzanträge zu befinden. Dementsprechend kurz war der Zeitrahmen zur Behandlung jedes einzelnen Antrags. Fachgruppe und Leitungsteam stellten den Mitgliedern alle Anträge sowie eine Abstimmungsempfehlung mit Begründung im Vorfeld zu.

Im Salzhaus ging es dann eher darum, diese Anträge vor der Abstimmung nochmals zu lesen anstatt ausgiebig zu diskutieren. Trotz einzelnen Einwänden wurden fast alle Anträge abgelehnt oder die Antragsteller verzichteten auf die Abstimmung, weil dem Anliegen bereits entsprochen wurde. Einzig der Antrag des Gemeinderats Hornussen, das Risiko des Eisenbahngüterkorridors in der Beurteilung einer möglichen Oberflächenanlage in Hornussen besser zu berücksichtigen wurde ohne Gegenstimme angenommen.

Ein Antrag der Organisation «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib) wurde mit 10 zu 63 Stimmen abgelehnt. Kaib verlangte, die Regionalkonferenz Jura Ost zu sistieren, bis das Bundesamt für Energie nachweisen könne, dass der Prozess zum Entscheid für das sicherstmögliche Endlager ergebnisoffen sei.

Für Kopfschütteln unter den Anwesenden sorgte der Antrag des Gemeinderats Effingen. Er verlangte, dass der Vertreter des Gemeinderats Hornussen, Guy David, wegen Interessenkonflikts per sofort von seinen Aufgaben in der Fachgruppe Oberflächenanlagen entbunden wird. Die Mitglieder lehnten den Antrag mit 4 zu 61 Stimmen ab.

Vertreter der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) präsentierten ihre Resultate der Überprüfung von Alternativstandorten für Oberflächenanlagen. Klar wurde, dass die Station Effingen (JO-2a) als Oberflächenanlage für hochaktiven Atommüll ungeeignet ist. Für das Umpacken der Brennelemente wäre der Platz neben dem Eisenbahnkorridor zu eng. Die Oberflächenanlage für schwach- und mittelaktiven Abfall hingegen könnte man in den Berg hinein bauen. Die Militärstrasse müsste aber auf die andere Seite der Bahnlinie verlegt werden.

Beim Standort neben dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen wurden Erschütterungsmessungen durchgeführt. Die Nagra klärte ab, ob Bauaktivitäten die sensible Forschungstätigkeit negativ beeinflussen würde. Allfällige Ausbrucharbeiten für die unterirdische Anordnung von Betriebsanlagen während zirka zwei Jahren sowie der Baustellenverkehr über die PSI-Aarebrücke würden aus Sicht des PSI als äusserst kritisch beurteilt, teilte Thomas Fries von der Nagra mit.

Die Fachgruppe Oberflächenanlage hat die beiden zusätzlichen Alternativstandorte mit den gleichen Instrumenten wie die ersten vier Vorschläge der Nagra bewertet. Die Resultate der Erschütterungsmessung in Villigen sind noch nicht in die Bewertung eingeflossen.

Der weitere Fahrplan sieht vor, den Entwurf des Schlussberichts an der 7. Regionalkonferenz am 11. April zu besprechen. Danach sollen Bewertung und Schlussbericht bereinigt und an der 8. Regionalkonferenz am 6. Juni verabschiedet werden.

In zwei Referaten erfuhren die Anwesenden aus erster Hand, dass im laufenden Sachplanverfahren für die Lagerung von radioaktivem Abfall sowohl Schacht wie Rampen oder Kombinationen davon als Erschliessungsvarianten möglich sein sollen.

Martin Herfort vom Ensi erklärte, dass man seit dem ersten Konzept davon ausgehe, dass beide Varianten bautechnisch machbar seien und während mehr als 100 Jahren unterhalten werden könnten. «Es gibt aber nicht der Schacht oder die Rampe, sondern ganz viele Varianten», so Herfort.

Als besondere Herausforderung beim Bau und Betrieb eines geologischen Tiefenlagers gilt der Umgang mit Grund- und Tiefenwasser. «Wasserzuflüsse können in diesen beiden Phasen nicht verhindert werden», sagte Herfort. Nach dem Verschluss in der Tiefe seien aber keine Auswirkungen mehr auf das Grundwasser zu erwarten.

Auch Tunnelbauspezialist Peter Jost von Basler und Hofmann aus Zürich betonte, dass es im Tiefbau etliche Erschliessungsvarianten gebe und die standortspezifische Beurteilung zentral sei. Am Beispiel des Tiefenbahnhofs Luzern zeigte Jost auf, dass man bei der Vorstudie sowohl einen Kopf- als einen Durchgangsbahnhof in Betracht ziehe. «Wir müssen aktuell am Standort definieren, welche Erschliessungsvariante richtig und am besten geeignet ist», sagte Jost. Wenn man auf das Variantenstudium verzichte, drohten Fehlentscheidungen.

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