Brugg
Medizinisches Zentrum: Alles begann mit einem Scherbenhaufen

Es war ein schwarzer Tag, als der Grosse Rat die Aufhebung des Spitalstandorts Brugg beschloss. Die Bevölkerung war empört. Aber: Aus der Schliessung ging das Medizinische Zentrum Brugg hervor. Am 1. Juli 2005 wurde feierlich das Band durchschnitten.

Michael Hunziker
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Eindrückliches Bild in der Hofstatt: Im Februar 2005 setzten sich gut 6000 Personen mit ihrer Teilnahme an einer Kundgebung für den Erhalt des Bezirksspitals Brugg ein – vergebens.

Eindrückliches Bild in der Hofstatt: Im Februar 2005 setzten sich gut 6000 Personen mit ihrer Teilnahme an einer Kundgebung für den Erhalt des Bezirksspitals Brugg ein – vergebens.

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Rolf Alder war mittedrin, als das Bezirksspital Brugg die Türen schliessen musste und als das Medizinische Zentrum Brugg (MZB) aus der Taufe gehoben wurde. Als damaliger Brugger Stadtammann und FDP-Grossrat erlebte er jeden einzelnen Schritt hautnah mit. Heute amtet Alder als Präsident der Stiftung Gesundheit Region Brugg und kennt die Begebenheiten und die Entwicklung wie kaum ein anderer.

Viele Ereignisse haben bei ihm bleibenden Eindruck hinterlassen – unter anderem erwähnt er die geschlossene Haltung der Bevölkerung von Brugg und der Region gegen die Aufhebung des Bezirksspital-Standorts mit Kundgebungen in der Brugger Hofstatt und in Aarau, die Betriebsaufnahme des MZB nur vier Monate nach dem Schliessungsentscheid des Grossen Rats oder die vollständige Übernahme des ehemaligen Bezirksspitals durch die Stiftung – nach zähen Verhandlungen mit dem Kanton wohlverstanden.

Die Luftaufnahme zeigt das Bezirksspital in der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Die Luftaufnahme zeigt das Bezirksspital in der Mitte des letzten Jahrhunderts.

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Ein Tiefschlag mit Folgen

Alder kann sich gut erinnern: «Das ungute Gefühl hat mich schon 2003 befallen, als die Aargauer Regierung mit einem umfangreichen Katalog von Sparmassnahmen aufwartete. Unter anderem erschien in dieser Vorlage erstmals die Schliessung des Bezirksspitals Brugg mit einer Kosteneinsparung von rund 3 Millionen pro Jahr.» Am 8. März 2005 fällte der Grosse Rat schliesslich definitiv den Entscheid, den Spitalstandort Brugg aufzuheben. Alder spricht vom «schwärzesten Tag» in seiner zwanzigjährigen Amtszeit als Stadtammann. «Noch heute kaue ich ab und zu an diesem Tiefschlag und an den darauffolgenden Ereignissen.» Als Beispiele führt er die Schliessung des Notfalls am 1. Mai 2005 oder die vorzeitige Aufhebung des Akutspitals am 30. September 2005 auf.

Rückblickend hätte eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Spitälern wahrscheinlich mehr gebracht als die Schliessung, ist Alder überzeugt. «Ein Blick auf die heutige, sehr gefreute Ausgangslage bestätigt die Aussage, ist doch das Kantonsspital Baden mit verschiedenen Disziplinen im ehemaligen Bezirksspital gut integriert», führt er aus und ergänzt: «Die Gesamtregierungsrat und vor allem der Gesundheitsdirektor hätten sich viel Ärger ersparen können, denn am Schluss konnten keine Einsparungen erzielt werden.»

«Grossartiger Einsatz»

Das MZB, das am 1. Juli 2005 seinen Betrieb aufnahm, habe sich zwischenzeitlich etabliert, stellt Alder fest. Eine neue Pflegeabteilung wurde geschaffen, das Haus der Medizin und die Apotheke wurden eröffnet und gegenwärtig ist in Zusammenarbeit mit dem Alterszentrum unter dem Titel «Akkord» das neue Pflegeheim im Bau. «In diesem Zusammenhang darf ich allen beteiligten Kräften für den grossartigen Einsatz ein Kränzlein winden; ohne das gezielte Zusammenwirken wären das Gesundheitszentrum Region Brugg nicht das, was es eben aus dem Scherbenhaufen von 2005 geworden ist.»

Kurz: Das Gesundheitszentrum Region Brugg sei heute eine kompakte, gut erreichbare Anlage mit fast allen Disziplinen, fährt Alder fort und erwähnt auch die Stichworte Röntgen, Dialyse, Spezialärzte, Hospiz, Ergo- und Physiotherapie, Lehrlingsausbildung, Restaurant oder Ambulanz. Die bestehenden Dienstleistungsangebote sollen weiterentwickelt werden, antwortet Alder auf die Frage nach der Zukunft. Und: «Für mich wäre die Installation eines 24-Stunden-Notfalldiensts wünschenswert.»

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