Birrfeld
Max Vogelsang hat den lahmen «Vogel» wieder zum Fliegen gebracht

Eine legendäre AT-16 aus dem Fliegermuseum von Dübendorf wurde vom Wohler Max Vogelsang restauriert. Jetzt hat sie ihren erfoglreichen Erstflug ab Flugplatz Birrfeld absolviert. Bald soll sie die definitive Flugbewilligung erhalten.

Edgar Zimmermann
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Per Traktor wird die AT-16 zum Auftanken an die Tankstelle des Flugplatzes gezogen.

Per Traktor wird die AT-16 zum Auftanken an die Tankstelle des Flugplatzes gezogen.

1200 Exemplare der AT-16 Harvard II B (zum weitverbreiteten Typ T-6 zählend) waren 1942 in Kanada für die US Air Force gebaut worden. Sie dienten der amerikanischen Armee während des Zweiten Weltkrieges zur Ausbildung von Jagdpiloten.

Sie konnten auch Bomben und Maschinengewehre aufnehmen. Nach dem Krieg wurde ein Teil nach Europa verkauft und in den Fokkerwerken in Holland überholt. Die die Schweizer Armee erwarb im Jahr 1949 davon 40 Stück.

Es waren die ersten Trainingsflugzeuge, die bei unserer Luftwaffe dank entsprechender Instrumentenausstattung den Blindflug ermöglichten. 20 Jahre lang standen sie erfolgreich im Einsatz. Dann wurden die meisten verschrottet. Vier fanden schon 1968 einen besonderen Abnehmer: Bei den Dreharbeiten des Agenten-Kriegsfilmes «Agenten sterben einsam» in Österreich wurden sie gemäss Drehbuch zerstört.

Eine AT-16 ist im Fliegermuseum in Dübendorf ausgestellt, aber nicht mehr flugtüchtig. Das Museum besass noch ein zweites Exemplar, das aber in einem desolaten Zustand war. Und diese AT-16 mit dem Kennzeichen U-323 konnte der Wohlemer Unternehmer, Pilot und Konstrukteur Max Vogelsang vor 10 Jahren übernehmen und im Birrfeld stationieren.

Um die 7000 Stunden Freizeit hat er in der Folge für die Restaurierung aufgewendet. Unterstützt wurde er unter anderem. von Familienangehörigen, seinem Bruder Ruedi, Florian Gygax und vom Piloten Christian Aegerter.

Was die Besucher des Erstfluges zu Gesicht bekamen, war unglaublich: Der «Schrotthaufen» hatte sich in ein neu wirkendes Oldtimer-Bijou verwandelt, das fast sämtliche Teile original behalten konnte.

Nur wenige Teile wurden neu eingebaut, so erhielt es Scheibenbremsen anstelle von Trommelbremsen. Der Motor war in den USA revidiert worden. Dank Entnahme unnötiger Einrichtungen konnte das Gewicht um 180 Kilogramm reduziert werden.

Max Vogelsang hatte somit allen Grund zum Strahlen, war aber vor dem Erstflug doch etwas angespannt: Klappt alles wie berechnet? «Der Adrenalinspiegel ist gestiegen», wie er gegenüber der Aargauer Zeitung zugab. Dann bestieg er zusammen mit Christian Aegerter die Maschine, startete rasant und entschwebte in die Birrfelder Wolken. Vogelsang wagte gar eine Rolle.

Bei der Landung wurde er von den Besuchern mit kräftigem Applaus empfangen: Der Erstflug war hervorragend gelungen. «Kleinere Anpassungen sind noch nötig, aber sonst bin ich rundum zufrieden, ja begeistert», so Max Vogelsang. Der Flugbewilligung durch das BAZL steht nichts im Weg.

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