Brugg
Max Gessler: «Mit 13 war für mich klar, dass ich Fotograf werden wollte»

Aus dem einen Tag, den Fotograf Max Gessler länger als sein Vater Armin arbeiten wollte, sind inzwischen zehn Jahre geworden. Und es geht weiter für den Mann, der kein Küsschen-Typ ist.

Louis Probst
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Diese Kamera mit Holzgehäuse bedeutete für Max Gessler den Einstieg in die Fotografie.

Diese Kamera mit Holzgehäuse bedeutete für Max Gessler den Einstieg in die Fotografie.

Chris Iseli

«Das war gewissermassen mein Einstieg in die Fotografie», sagt Max Gessler (64) und zeigt in seinem Studio im Untergeschoss des Geschäftshauses an der Bahnhofstrasse in Brugg auf eine Kamera mit Holzgehäuse auf einem massiven Gestell. Die Kamera lässt sich mittels einer Handkurbel in der Höhe verstellen.

«Ich war damals in der ersten Klasse», erzählt er. «Als ich eines Tages von der Schule nach Hause kam, stand die Kamera draussen vor dem Geschäft meines Vaters. Er wollte sie offensichtlich loswerden.»

Ein paar Schulkameraden hätten ihm dann geholfen, das schwere Ding nach oben in die Wohnung zu bugsieren. «Als mein Vater die Kamera erblickte, meinte er: ‹Wie konnte ich nur!› Er hat mir dann auch das Objektiv gegeben.»

Als Sohn von Armin Gessler, der zusammen mit seiner Frau Erika am 1. April 1946 das Fotogeschäft von Heinrich Rundstein übernommen hatte – und zum zehnjährigen Bestehen des Geschäfts den 16-mm-Farbfilm «1956 Euses Städtli Brugg» realisierte – war für Max Gessler der Weg zur Fotografie vorgezeichnet.

«Mit 13 war für mich klar, dass ich Fotograf werden wollte», sagt er. Beim Fotografen Klöti in Rothrist trat er seine Lehre an. «Klöti war ein guter Fotograf», erinnert sich Max Gessler. «Ich habe von ihm viel gelernt.» Auch das, dass man für eine Aufnahme mit einem Film auskommen sollte. «Mein Lehrmeister hielt aber nichts von der Farbfotografie. Wenn ein Kunde Farbaufnahmen wollte, sagte er jeweils: ‹Chum Max, do wot sone Löu Farbböuder›.»

Nach Lehr- und Wanderjahren, in denen er unter anderem tagsüber die Handelsschule besuchte und abends als Fotograf für die Bildagentur Keystone arbeitete, übernahm Max Gessler am 1. Januar 1977 das Geschäft seines Vaters. «Bei der Übernahme habe ich zu meinem Vater gesagt: Ich werde einen Tag länger machen als du», erklärt er. Es sollten dann allerdings ein paar Tage mehr werden.

Nur der Wandel hat Bestand

«Ich bin nicht der Typ, der sich gerne dreinreden lässt», stellt Max Gessler fest. «Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht.» Er wollte aber zwei Standbeine haben. Daher hat er den Laden beibehalten und das Studio ausgebaut.

Mit der Papeterie, die er ab 1987 unter dem Namen Büromax aufbaute – und dafür zusammen mit seiner Frau Lisebeth während eines Jahres die Berufsschule für Papeteristen besuchte – kam ein weiterer Bereich dazu. «Ich musste dann aber feststellen, dass Papeteristen und Fotografen nicht zueinander passen», meint Max Gessler.

Aus dem Jahr 1981 (v. l.): Die Eltern Armin und Erika Gessler, Max mit Sohn Martin auf dem Arm, und Lisebeth Gessler. Zwei Kombi-Firmenautos davor.

Aus dem Jahr 1981 (v. l.): Die Eltern Armin und Erika Gessler, Max mit Sohn Martin auf dem Arm, und Lisebeth Gessler. Zwei Kombi-Firmenautos davor.

Max Gessler

«Ich habe auch schon früh erkannt, was mit den Fotofachgeschäften passieren wird. Die frühen Achtzigerjahre waren die grosse Zeit der Kameraverkäufe. 1981 haben wir in unserem Laden rund 600 Spiegelreflexkameras verkauft. Ich habe jedoch gemerkt, dass das alles ein Verfallsdatum hat.»

Max Gessler spezialisierte sich früh in Richtung Industrie- und Werbefotografie. Modefotografie dagegen habe ihn nicht interessiert, erklärt er. «Ich bin nicht so der Küsschen-Typ. Ich habe zwar als junger Fotograf mal eine Zeit lang bei Modeaufnahmen assistiert.

Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht meine Welt ist.» 1987 konnte er im Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse, das er 1979 erworben hatte, ein neues Fotostudio beziehen. Mit seinen 180 Quadratmetern war es das zweitgrösste der Schweiz und es galt als das am besten ausgerüstete. Das Studio machte es möglich, Aufnahmen der Autoneuheiten von Opel und Toyota zu machen.

«Multimage: mein Baby»

«Ich habe immer gerne experimentiert», sagt Max Gessler. «Aber davon kann man nicht leben.» Die Versuche, die er anfangs der Neunzigerjahre zusammen mit Heinz Erismann mit der Grossformat-Panoramakamera Multimage unternahm, sollten allerdings zur Erfolgsstory werden. Einer der Höhepunkte war die Aussengestaltung einer Lok zum 100-Jahr-Jubiläum der SBB mit der Aufnahme des Antriebsgestänges einer Krokodil-Lok. «Multimage ist mein Baby», sagt Max Gessler und blickt geradezu zärtlich auf die Kamera, die im Studio einen Ehrenplatz einnimmt. «Aber alles hat ein Verfallsdatum. Auch Multimage.»

Nach vielen grossen Erfolgen und anspruchsvollen Werbeaufträgen, für die er im In- und Ausland fotografiert hatte, beschloss er 2010, das Geschäft etwas ruhiger anzugehen. Nachdem Laden und Papeterie bereits Jahre zuvor verkauft worden waren, vermietete er das grosse Studio und zog sich ins Untergeschoss zurück. «In die Katakomben», wie er lachend feststellt.

Noch immer macht er Werbe- und Porträtaufnahmen, allerdings nur noch auf Voranmeldung. Er führt auch Beratungsaufträge bei fotografischen Problemstellungen aus. Die Fotografie hat für Max Gessler nichts von ihrer Faszination verloren. «Das Schönste am Fotografieren ist die Arbeit mit dem Licht und dass man lernt, zu sehen», erklärt er. «Mit dem Licht zu arbeiten macht glücklich.»