Brugg
«Max. 30 Min» – Kanton nimmt Brugg wegen Parkmarkierung ins Visier

Seit rund sechs Jahren befinden sich auf der Hauptstrasse mehrere Bodenmarkierungen, die mit einer aufgemalten blauen Parkscheibe auf die maximale Parkdauer von 30 Minuten hinweisen. Diese entsprechen nicht der Norm und sollen weg.

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Die Bodenmarkierung mit der blauen Parkscheibe auf der Brugger Hauptstrasse ist dem Kanton ein Dorn im Auge.

Die Bodenmarkierung mit der blauen Parkscheibe auf der Brugger Hauptstrasse ist dem Kanton ein Dorn im Auge.

Claudia Meier

Das Parkierungsregime in der Brugger Altstadt ist eine Knacknuss für Autofahrer, die mit den örtlichen Verhältnissen noch nicht vertraut sind. Von morgens um 7 Uhr bis um 19 Uhr kann man während 30 Minuten kostenlos auf einem markierten Feld an der Hauptstrasse parkieren. Es muss lediglich die Parkscheibe richtig gestellt werden, sodass die Einhaltung der 30 Minuten auch kontrolliert werden kann.

Die Zufahrt für die Autos in die Begegnungszone erfolgt im Einbahnverkehr bei Tempo 20 über die Storchengasse, den Spitalrain und den Rathausplatz zur Hauptstrasse. Im letzten Abschnitt befinden sich seit rund sechs Jahren mehrere Bodenmarkierungen, die mit einer aufgemalten blauen Parkscheibe auf die maximale Parkdauer von 30 Minuten hinweisen.

Bodenmarkierung statt Schilder

«Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht», sagt Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei Brugg. Denn die Signalisation beim Storchenturm alleine sei nicht zielführend gewesen, weil sich die Autolenker nach der Rundstrecke kaum mehr an die Signalisationstafel erinnert hätten, so Hossli weiter. Um dem Verkehrsteilnehmer nochmals einen Hinweis zu geben, wurden wenige Bodenmarkierungen gut sichtbar auf der Strasse angebracht. Diese Massnahme zeigte gemäss Hossli schnell Wirkung. Um das gleiche Ziel zu erreichen, hätte man neben jedem Parkfeld eine Signaltafel stellen müssen.

Nun soll diese Bodenmarkierung wieder verschwinden, weil sie keine Gesetzesgrundlage habe und auch keiner Norm entspreche. So jedenfalls forderte es der Kanton in einer Verfügung von der Stadt Brugg. Die gleiche Aufforderung ging auch an die Gemeinde Ennetbaden, wo diese Bodenmarkierung – jedoch in anderer Form und Grösse – ebenfalls anzutreffen ist.

Zu viel Fantasie bei der Signalisation ist dem Kanton also ein Dorn im Auge. «Wenn wir das dulden, dann malt der Nächste ein Feuerwehrauto oder ein Schwimmbad auf die Strasse», sagt Kai Schnetzler, Leiter der Sektion Verkehrssicherheit beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Es sei der Verständlichkeit für den Verkehrsteilnehmer abträglich, wenn jede Gemeinde individuelle und gesetzlich nicht genormte Markierungen und Signalisierungen auf den Gemeindestrassen anbringe.

Vorbild für andere Gemeinde

Warum reagiert der Kanton erst jetzt? Schnetzler betont: «Bei Gemeindestrassen sind grundsätzlich die Gemeinden für die Signalisation verantwortlich. In diesem Fall wurde der Kanton aktiv, weil eine andere aargauische Gemeinde dieselbe Bodenmarkierung wie in der Stadt Brugg realisieren wollte und bei uns nachfragte.» Offiziell geregelt sind Markierungen für Tempo 30 sowie im Bereich der Schule oder zur Signalisation des Rechtsvortritts. Alles andere müsse noch genauer angeschaut werden, so Schnetzler weiter. Und das sei in Bezug auf die Verkehrssituation in Innenstädten gar nicht so einfach.

Das Beispiel in Brugg zeige, dass beim Storchenturm eine Informationsflut herrsche, erklärt Schnetzler. Der Automobilist werde dadurch abgelenkt und müsste theoretisch anhalten, um alles genau zu erfassen. Gemäss geltenden Normen ist eine spätere Wiederholung des Parkierungsregimes dann eigentlich nicht mehrnötig, sagt der Kantonsangestellte. Offenbar habe es aber viele verärgerte Parksünder gegeben, sodass die Stadt Brugg handeln wollte. Anstatt neben den Parkfeldern, neue Tafeln zu montieren, die das Ortsbild stören könnten, habe sich die Stadt im Unwissen für diese Bodenmarkierungen entschieden, erzählt Schnetzler.

Kanton fragt beim Bund nach

Die Stadt Brugg hat nun mit dem Kanton das Gespräch gesucht, um eine für beide Seiten befriedigende Lösung zu finden. Der Kanton anerkenne die Problematik und habe seine Fragen zudem zur genauen Abklärung der Möglichkeiten beim Bundesamt für Strassen (Astra) deponiert, sagt Schnetzler. Jetzt wolle man zuerst abwarten, was das Astra sagt. «Wir sind auch offen für gute Vorschläge aus den Gemeinden. Es muss einfach einheitlich sein.»

Zur Diskussion steht, dass man die Bodenmarkierung vorläufig nicht aktiv entfernt, sondern verblassen lässt und so den Strassenbelag nicht zusätzlich strapaziert. Repol-Chef Hossli sagt dazu: «Das wäre eine gute Lösung. Es tut mir leid, dass ich mich hier nicht genau an die Normen gehalten habe.» Schnetzler vom BVU räumt ein: «Möglicherweise werden wir diesen Vorschlag der Stadt Brugg akzeptieren. Damit ist das Problem aber längerfristig nicht gelöst.»

Seit rund sechs Jahren befinden sich mehrere Bodenmarkierungen, die mit einer aufgemalten blauen Parkscheibe auf die maximale Parkdauer von 30 Minuten hinweisen.