Brugg
Markus Spicher bekennt sich zur alten Pfläschterlifabrik

Brugg Auf dem Gewerbeareal der ehemaligen Isoplast AG in Brugg hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Nun laden die Unternehmen Reding Gärten, Malergeschäft Piani, Schreinerei Spicher und der Künstler Claudio Cassano zum Besuch ein.

Nik Dömer
Drucken
Teilen
Die ehemalige Pfläschterlifabrik in Brugg
4 Bilder
Die Unternehmer Claudio Cassano (links), Markus Spicher(Mitte), Claudia Piani (rechts)
Blick in die neuen Atelier aus anderer Perspektive.
Einblick in die neuen Atelier

Die ehemalige Pfläschterlifabrik in Brugg

Chris Iseli

Auf dem ehemaligen Pfläschterlifabrik-Areal in Brugg wird zum Besuchsweekend eingeladen. Das Malergeschäft Piani zeigt die neu gestaltete Werkhalle, das Gartengeschäft Reding Gärten AG weiht den frisch erstellten Werkhof ein, Künstler Claudio Cassano präsentiert sein bezogenes Atelier und die Schreinerei Spicher feiert den fertig erstellten Anbau. Nebst einem Rundgang durch alle Produktions-, Ausstellungs- und Arbeitsstätten, gibt es natürlich auch Verpflegung, Musik, Attraktionen und Aktionen.

So ist die Pfläschterlifabrik entstanden

Die Isoplast-Firmengeschichte begann im Sommer 1933. Der Gründer Albert Iseli zog damals von Aarau nach Brugg, um eine Fertigung von Wundschnellverbänden, pharmazeutischen Heftpflastern und elastischen Binden aufzubauen. Er arbeitete zuerst in Mieträumen und konnte sich bei der Entwicklung der Produkte weder auf Fachliteratur noch auf technisch Bekanntes stützen. In der Entwicklungszeit entstanden eigene Produktionsmaschinen, die sich in ihrem prinzipiellen Aufbau bis zur Schliessung der Fabrik nicht änderten. Die Isoplast leistete auf dem Gebiet des klebenden Verbandmaterials und der elastischen Binden Pionierarbeit.

Im Jahre 1950 bezog die Isoplast AG die neue Fabrik an der Aarauerstrasse in Brugg. Sechs Jahre später starb der Gründer des Unternehmens und sein langjähriger Freund, Alfred Hitz, übernahm. Die Isoplast belieferte im Laufe der Zeit nebst Spitälern, Ärzten, Apotheken und Drogerien auch die Armeeapotheke. 1972 wurde das Brugger Unternehmen von der Internationalen Verbandstoff-Fabrik Schaffhausen aufgekauft, die ihrerseits später vom deutschen Mitbewerber IVF Hartmann übernommen wurde. 2002 wurde die Produktion in Brugg stillgelegt.

Das Brugger Fabrikgebäude an der Aarauerstrasse 96 wurde zwischen 1950 und 2002 von der Isoplast AG (später Internationale Verbandstoff-Fabrik Hartmann) geführt. Der Slogan der Firma Isoplast: «Heile, heile säge, Isofix zum pfläge» oder das grosse Werbeplakat mit dem Mädchen und der verletzten Puppe, ist sicher der etwas älteren Leserschaft noch geläufig.

Seither ist das Fabrikareal im Besitz der beiden «Ur-Brugger» Unternehmer Herbert Schäpper von Schäpper Plattenbeläge sowie Silvia und Markus Spicher von der Schreinerei Spicher. Neben den beiden Besitzerfirmen ist auch der Gartenbetrieb von Othmar von Reding und das Malergeschäft von Claudia Piani auf dem Areal aktiv. Claudia Pianis Werkhalle wurde die letzten zehn Jahre jeweils Ende Dezember geräumt und zur «Artbar» umgestaltet, die so manche lange Dezembernacht um einiges kürzer gemacht hat.

Im Gespräch mit «Spichi» (unter dem Namen kennt man den Schreiner in Brugg) spürt man seine Freude und auch etwas Stolz über seine Fabrik. Er ist nebenan im «Bananenblock» aufgewachsen. «Ich erinnere mich noch gut, dass wir beim Indianer spielen unsere Gegner jeweils mit Restklebebändern aus der Abfallmulde der Isoplast an den Marterpfahl gebunden, respektive geklebt haben», schmunzelt Markus Spicher.

Auf dem Gewerbeareal hat sich seitdem einiges getan und viel Neues ist entstanden. Mittlerweile arbeiten dort weit über 50 Personen, 23 davon in der Schreinerei Spicher. Die Firma Schäpper hat letztes Jahr für das Gartengeschäft von Othmar von Reding ausgebaut. Ein grosser Werkhof steht nun zusätzlich auf dem Areal.

Solaranlage wurde installiert

Der Unterhalt und die nötigen energetischen Sanierungen wurden Schritt für Schritt in Angriff genommen. Auf der ganzen Südseite des Fabrikdachs wurde schon vor zwei Jahren für den Betrieb der Schreinereimaschinen eine Solaranlage installiert. Dieses Jahr wurde nun auf die rückseitige Werkhalle ein Aufbau mit gut 300 Quadratmeter Atelierfläche realisiert und zusätzlicher Büroraum im Erdgeschoss geschaffen.

Der vom Brugger Architekten Max Suter konzipierte Umbau hat aus der Notwendigkeit heraus, das defekte und nicht isolierte Scheddach zu sanieren, mit dem gestalteten Aufbau neuen Raum für weiteres Leben im Gewerbegebiet geschaffen. Einer der Mieter der Atelierräume ist Künstler Claudio Cassano, der dort seine Licht- und Metallobjekte fertigt und eine Galerie betreiben wird. Nebenan ist der junge Shane Schneider mit seinem startup Geschäft «i-Restore». Er bietet Ersatzteile, Zubehör und Reparaturen für Smartphones und Tablets an. Zudem richtet zurzeit ein Mitarbeiter der Schreinerei seine Wohnung auf dem Dach ein. Ein drittes Atelier ist noch zu vermieten und wird an der Ausstellung als Zukunftslabor für zwei brandneue Entwürfe aus dem Hause der Schreinerei Spicher benutzt.

Lidl hatte Interesse

Für Markus Spicher ist der Anbau der Schreinerei ein Bekenntnis zur alten Fabrik. Vor einigen Jahren hatte einmal Lidl Interesse am Grundstück und wollte das Gebäude abreissen lassen, was für Silvia und Markus Spicher aber nie infrage gekommen ist. Das Gewerbeareal lebt also weiter und freut sich am Samstag und Sonntag auf zahlreiche Besucher.

Tage der offenen Tür: Auf dem Pfläschterlifabrik-Areal am 25. Oktober zwischen 9–17 Uhr und am 26. Oktober zwischen 10–17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten