Brugg
Viele Marktfahrende und Standbetreibende haben weiterhin zu kämpfen

Trotz Pandemie hat am Dienstag der Brugger Maimarkt stattgefunden. Die Markthändlerinnen und Markthändler sind erleichtert, aber noch ist nicht alles beim Alten.

Janine Walthert
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Schon seit 15 Jahren ist Walter Notz am Brugger Maimarkt (links, rote Maske) anzutreffen. Mit seinem Mitarbeiter Walter Ulrich bietet er an seinem Stand Käse, Fleisch und Wurstware an.

Schon seit 15 Jahren ist Walter Notz am Brugger Maimarkt (links, rote Maske) anzutreffen. Mit seinem Mitarbeiter Walter Ulrich bietet er an seinem Stand Käse, Fleisch und Wurstware an.

Bild: Janine Walthert

Rund 70 Stände reihen sich auf dem Brugger Eisi-Platz und in der Altstadt aneinander. Für jeden Besucher lässt sich etwas finden: Von Schmuck über handgefertigte Körbe bis zu Zuckerwatte und dem beliebten Magenbrot wird alles angeboten.

Die Situation hat sich seit dem letzten Brugger Jahresmarkt im Dezember nicht gross verändert. Viele Märkte sind abgesagt. Einige der Marktfahrenden und Standbetreibenden bangen um ihre Zukunft.

Wichtige Einnahmequellen fielen aus

Am Maimarkt in Brugg finden sich – trotz Regen am Nachmittag – die Besucherinnen und Besucher ein.

Am Maimarkt in Brugg finden sich – trotz Regen am Nachmittag – die Besucherinnen und Besucher ein.

Bild: Janine Walthert

Auf dem Eisi-Platz steht der Stand von Walter Notz aus dem luzernischen Ettiswil. Schon seit 15 Jahren trifft man ihn an den drei Jahresmärkten in Brugg an. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Walter Ulrich verkauft er hier Käse, Fleisch und Wurstware.

Für die beiden war es eine schwierige Zeit. Viele Märkte fielen weg, Notz ging einzig an den Frischwarenmarkt in Basel. Doch als auch dieser während des ersten Lockdowns ausfiel, hatte Notz Bedenken:

«Unsere grössten Einnahmequellen fielen alle ins Wasser. Die Hälfte unseres Jahresumsatzes haben wir eingebüsst.»

Die finanzielle Unterstützung, die Notz vom Bund erhielt, deckt seine früheren Einnahmen nicht. «Es war ein Krampf, bis wir diese überhaupt bekamen», sagt er. Doch trotz fehlenden Grossanlässen hat sich die Lage für den Standbetreiber etwas erholt.

Die Durchführung der Märkte ist stark gemeinde- oder stadtabhängig. «Während dieser Zeit bedeutet die Durchführung einen Mehraufwand. Nicht alle Veranstalter wollen das auf sich nehmen.» Zusätzlich fehlt Notz die Planungssicherheit für die kommenden Monate.

Doch: «Die Kunden sind froh und solidarisch. Sie kaufen mehr ein oder lassen etwas Trinkgeld da», sagt Walter Notz. «Das freut uns».

Steffi Nicolet-Lüscher bedient eine Kundin an ihrem Schmuckstand «Argento».

Steffi Nicolet-Lüscher bedient eine Kundin an ihrem Schmuckstand «Argento».

Bild: Janine Walthert

Alternativen mussten gefunden werden

Anfang des letzten Jahres übernahm Steffi Nicolet-Lüscher aus dem solothurnischen Laupersdorf den Schmuckstand «Argento» von ihren Eltern. «Ein blöder Zeitpunkt», sagt sie. Denn im letzten Jahr fielen 90 Prozent ihres Umsatzes weg.

Trotzdem klagt Steffi Nicolet-Lüscher nicht. Wenn sie gefragt wird, wie es ihr im letzten Jahr erging, meint sie:

«Im Garten lässt es sich aushalten.»

Nicolet-Lüscher musste sparsam leben. Als Alternative zum Marktstand übernahm sie Stellvertretungen, hütet geistig und körperlich behinderte Kinder.

Vom Bund bekam sie nur eine kleine Summe, da sie den Stand erst kürzlich von den Eltern übernahm.

Seit dem März geht Nicolet-Lüscher an drei Märkte pro Woche. «Ich versuche, möglichst überall dabei zu sein. Denn trotz allem ist es an den Märkten wieder lockerer und froher als vorher.»

Auffallend solidarische Besucher und Besucherinnen

Hans Wyder knöpft an seinem Kleiderstand eine Jacke zu.

Hans Wyder knöpft an seinem Kleiderstand eine Jacke zu.

Bild: Janine Walthert

Auf der Hauptstrasse, vor der Alten Post, haben Hans und Margrith Wyder ihren Stand aufgestellt. Sie sind seit 1985 an den drei Brugger Märkten anzutreffen und bieten Mützen, Arbeitskleider, Edelweiss-Hemden und noch vieles mehr an. Doch ein Jahr wie 2020 haben sie noch nie erlebt.

Neben dem Marktstand haben Wyders im luzernischen Rickenbach einen Laden – auch der musste coronabedingt kurzzeitig schliessen. Einige Kleidungsstücke konnten trotzdem auf Bestellung versandt werden. So nahmen Wyders nur einen Bruchteil ihrer normalen Einnahmen ein. Hans Wyder sagt:

«Die grossen, umsatzstarken Märkte fehlten. Das war hart.»

Die Unterstützung des Bundes deckte Wyders Einnahmen nicht ab, war aber eine willkommene Hilfe.

Die Spannung löst sich etwas, doch noch immer besteht eine Ungewissheit, wie es in diesem Jahr weitergeht. Schön wäre es für Wyders, wenn bis im Herbst grössere Veranstaltungen wieder möglich wären. Hans Wyder erklärt:

«Wir gehen Ende Jahr in Pension, bis dann müssen wir all unsere Ware loswerden.»

«Auch wir Marktbesuchende sind froh», meint Erika Hauenstein, die ein pinkes Edelweiss-Hemd anprobiert. «Wir können wieder draussen einkaufen und treffen viele Leute.» Sie unterstützt die Marktfahrenden gerne. «Diese können die Besuchenden gut motivieren und ihnen einen schönen Tag bereiten.»

Margrit und Hans Wyder sind zum letzten Mal am Brugger Maimarkt. Ende Jahr geht das Ehepaar in Pension.

Margrit und Hans Wyder sind zum letzten Mal am Brugger Maimarkt. Ende Jahr geht das Ehepaar in Pension.

Bild: Janine Walthert