Brugg

Malerin Beatriz Stawiski-Cardenas präsentiert ihre Werke: «Wenn ich traurig bin, male ich Blumen»

In Brugg zeigt die in Remigen wohnhafte Malerin ihre Werke zum zweiten Mal einer breiten Öffentlichkeit.

In Brugg zeigt die in Remigen wohnhafte Malerin ihre Werke zum zweiten Mal einer breiten Öffentlichkeit.

Die kolumbianische Malerin Beatriz Stawiski-Cardenas aus Remigen präsentiert ihr Schaffen im Gesundheitszentrum Süssbach. Womit man nicht rechnet: Sie studierte Software-Engineering in Kolumbien und New York.

Die farbsprühenden Acryl-Öl-Bilder von Beatriz Stawiski-Cardenas bringen Farbe ins Gesundheitszentrum Süssbach in Brugg. Als die Künstlerin ihre Exponate im Foyer und Galerie des Gebäudes aufhängte, stand ein älterer Herr mit Rollator lange vor einem Werk mit Hibiskusblüten und meinte: «Ich fühle mich wie im Paradies.»

«Wenn ich traurig bin, male ich Blumen. Dann geht es mir sofort besser», erzählt Stawiski. Rosen, Pfingstrosen und Hortensien sind in der Ausstellung mehrfach zu sehen. Während des Gesprächs offenbart sich aber eine ausgesprochen fröhliche Frau, die gerne und viel lacht. Dass die gebürtige Kolumbianerin schon 60 Jahre zählt, ist kaum zu glauben.

Sie sieht viel jünger aus, als sie ist. Aber die Vollzeitmalerin hat drei erwachsene Kinder und wird in Kürze Grossmutter. Und eigentlich war die Malerei lange Zeit nur ein Hobby, das von ihrer Mutter aber schon im Kindesalter unterstützt wurde. Sie durfte während ihrer Schulzeit Kurse bei der in ihrer südamerikanischen Heimat berühmten Malerin Libe de Zulategui nehmen.

Sie wollte nur zwei Jahre bleiben

Weil sie ein Crack in Mathematik war, studierte sie jedoch Software-Engineering in Kolumbien und New York. Nach verschiedenen Stationen trat sie eine Stelle in einem kolumbianischen Elektrizitätswerk ISA an.

Dort wurde das gesamte Controlling von einem Team der ABB betreut. Schnell erkannte man die Qualitäten der jungen Expertin, und sie wurde in die Schweiz geholt. «Ich wollte zwei Jahre bleiben, jetzt sind es schon 33», erzählt sie mit breitem Lächeln.

Grund dafür ist die Liebe. Bei der ABB lernte sie ihren Mann Wladyslaw, einen gebürtigen Polen mit Schweizerpass, kennen. Vor 29 Jahren kauften sich die Zwei ein Haus in Remigen, in dem sie bis heute leben. Auch während ihrer Berufszeit hatte Stawiski immer einen Block mit dabei. Und malte so, wie andere Tagebuch führen.

Auf Wunsch ihres Mannes, der mitten im kriegszerstörten Warschau gross geworden war und seine hart am Wiederaufbau arbeitenden Eltern nur selten sah, blieb sie nach der Geburt der Kinder zu Hause und widmete sich vollumfänglich ihrer Erziehung. «Das war für mich anfangs nicht ganz einfach», erinnert sich Stawiski, «dafür konnte ich meine kreative Ader wieder mehr ausleben.»

Sie stellte Schmuck und Keramik her – und malte vor allem. Es folgten Kurse, die das Feuer in ihr endgültig wieder aufflammen liessen. Heute steht sie täglich vor der Leinwand. Hortensien erinnern die Kreative an ihre Kindheit, die sie oft auf dem Land, im Wochenendhaus ihrer Grosseltern verbrachte. Blumen sind eindeutig ihr Lieblingsmotiv. Aber auch Meerlandschaften, Lavendel- und Mohnfelder, die an Ferienreisen nach Frankreich erinnern.

Van Gogh ist ihr Lieblingsmaler

Stawiski, deren Lieblingsmaler van Gogh ist, hat ihren Stil zwischen Realismus und Impressionismus gefunden. Um die Farben in ihren Exponaten zum Leuchten zu bringen, schichtet sie Acryl- und Ölfarben so lange, bis sie die von ihr gewünschte Brillanz und Tiefe erreicht haben.

«Bilder sind für mich wie Kinder. Ich lasse sie ungern los», gesteht sie. Auszustellen, war nie ihr Ziel. «Ich wollte eigentlich nur für mich malen und schenkte die Erzeugnisse jeweils im Familien- oder Freundeskreis weiter», bekundet Stawiski bescheiden. Im Gesundheitszentrum Süssbach präsentiert sie sich erst zum zweiten Mal einer breiten Öffentlichkeit.

Die Schweiz ist für die Künstlerin Heimat geworden. Sie hat hier Freunde, liebt die schönen Landschaften und fühlt sich vor allem sicher. «Ich habe in Kolumbien sechs Geschwister sowie meine Eltern, die mittlerweile 84 und 87 sind. Die vermisse ich schon», meint sie.

Während zehn Jahren war es wegen der erbitterten Kämpfe zwischen Guerilla und Regierung unmöglich, in ihre Heimat zu reisen. Der gut situierten Familie wurde mit Entführung und Brandanschlägen gedroht. Mittlerweile hat sich die Situation beruhigt. Auf dem Word Happiness Report der UNO stand Kolumbien bei 155 platzierten Ländern 2017 immerhin auf Rang 36. «Kolumbianer sind fröhliche Menschen», findet Stawiski. Sie selber ist das beste Beispiel dafür.

Die Ausstellung an der Fröhlichstrasse 7 in Brugg dauert noch bis zum 18. Mai 2018.

Meistgesehen

Artboard 1