Lupfig
Lupfigs Probleme in den Griff bekommen: Das harte Durchgreifen zeigt Wirkung

Neben Polizei sorgt ein privater Sicherheitsdienst in Lupfig für Ruhe und Ordnung – Der Gemeinderat zieht positives Fazit.

Michael Hunziker
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Sowohl die Polizei (Foto) als auch ein privater Sicherheitsdienst führen in Lupfig Kontrollen durch.efu/Archiv az

Sowohl die Polizei (Foto) als auch ein privater Sicherheitsdienst führen in Lupfig Kontrollen durch.efu/Archiv az

EMANUEL PER FREUDIGER

Littering, Sachbeschädigungen, Nachtruhestörungen und Drogenkonsum: Lupfig hatte mit einer ganzen Reihe von Problemen zu kämpfen. Um die Situation in den Griff zu bekommen, investierte der Gemeinderat viel Zeit und Geld – und engagierte vor rund drei Jahren einen privaten Sicherheitsdienst.

Der grosse Aufwand hat sich gelohnt, sagt Gemeinderat Antonino Vecchio heute. «Unsere Strategie hat sich bewährt. Vorfälle sind praktisch keine mehr zu verzeichnen.» Vecchio weist darauf hin, dass es eine Minderheit sei, die sich nicht korrekt verhalte. Aber: «Die Bürger sind froh um Ruhe und Ordnung und begrüssen die getroffenen Massnahmen.»

Eine explosive Mischung

Rückblick: Das Schulareal in Lupfig hatte sich zu einem Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – nicht nur aus dem Dorf, sondern aus der ganzen Region – sowie von abgewiesenen Asylsuchenden entwickelt. «Die Anwohner hatten Angst, das Gelände am Abend zu betreten. Einige wurden sogar bedroht», erinnert sich Vecchio. Im Gemeinderat ist er sowohl zuständig für die Verwaltungsliegenschaften als auch für die Sicherheitsfragen. «Es entstand eine explosive Mischung und es kam zu heftigen Reklamationen der Bevölkerung.»

Die Ausgangslage sei sehr schwierig gewesen, fährt Vecchio fort. Denn die blosse Wegweisung der Gruppierungen habe sich als zu wenig effektiv herausgestellt. Mit der Einführung der Regionalpolizei habe sich die Situation zwar verbessert, allerdings erfolgten Kontrollen trotzdem nicht immer zur richtigen Zeit.

Gruppenchefs herauspicken

«Eine Schwierigkeit bestand darin, dass wir die Anwesenden gar nicht kannten», stellt Vecchio fest. «Es war häufig nicht möglich, Fehlbare zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen.» Der Gemeinderat beschloss, klare Regeln zu schaffen, denn: Die Täter sollten sich nicht länger hinter ihrer Anonymität verstecken können. «Ziel war es, die Gruppendynamik zu brechen und die Gruppenchefs zu isolieren», erklärt Vecchio.

Weil die vom Gemeinderat im Jahr 2010 erlassenen Nutzungsvorschriften für das Schulareal aus ressourcengründen nicht von der Polizei durchgesetzt werden konnten, wurde der private Sicherheitsdienst Gisi aus Gebenstorf beigezogen. Die Vorteile für die Gemeinde bestehen laut Vecchio darin, dass entsprechendes Sicherheitspersonal auf Bestellung zur Verfügung steht. «Der Bedarf ist nicht immer gleich. Im Winter ist das Problem sicher kleiner als im Sommer. Möglich sind tägliche Einsätze genauso wie Patrouillen am Freitag und Samstag sowie an Feiertagen oder bei Schulferienbeginn», führt der Gemeinderat aus, der die Einsätze Monat für Monat plant und die Szene genau beobachtet. Er ergänzt: «Kontrollen sind aber immer nötig, da sonst andere Hotspots entstehen. Wichtig ist, dass alle wissen, dass wir präsent sind und sehr schnell reagieren können.»

Zusammenarbeit klappt

Auch wenn für die Patrouillentätigkeit in einem Spitzenjahr um die 25 000 Franken aufgewendet werden müssen: «Um Erfolg zu haben, wählten wir dieses repressive Vorgehen, anfänglich mit teilweise täglichen Kontrollen», sagt Vecchio. «Mittlerweile kennen wir unsere Pappenheimer und können sie sogar persönlich ansprechen. Viele betreten unsere Anlagen gar nicht mehr. Das Schulgelände wie auch die Umgebung rund um das Gemeindehaus und den Kindergarten haben für sie an Attraktivität und Anziehungskraft verloren.»

Der Gemeinderat räumt ein, dass sich nicht jeder Sicherheitsdienst für die Überwachung von öffentlichen Gebäuden eignet. «Die Sicherheitsleute müssen die Örtlichkeiten und die Szene kennen. Gefragt sind psychologisches Geschick und gesunder Menschenverstand. Herausgepickt werden müssen nur diejenigen Personen, die Ärger machen.» Über eine Verzeigung entscheide dann der Gemeinderat. Bis jetzt habe ein Rayonverbot für eine Person ausgesprochen und umgesetzt werden müssen. Weigere sich jemand, seine Identität freiwillig preiszugeben, werde sofort die Polizei benachrichtigt. «Das Gewaltmonopol liegt immer noch beim Staat. Alle Handlungen dürfen nur im Rahmen des Gesetzes wahrgenommen werden», betont der Gemeinderat. Zur Polizei bestehe regelmässiger Kontakt, das Zusammenspiel klappe reibungslos.

Weniger Schäden dank Kameras

In einem nächsten, weitergehenden Schritt plant die Gemeinde eine Videoüberwachung an den neuralgischen Punkten. Den Kredit bewilligte die Gemeindeversammlung nach kurzer Diskussion im November 2013. Das entsprechende Gesuch wurde mittlerweile eingereicht. Der Hintergrund: Bei Beschädigungen ist die Aufklärungsquote tief. «Mit einer Videoüberwachung kann die Wahrscheinlichkeit merklich erhöht werden, dass die Täter überführt werden», sagt Vecchio. Er ist überzeugt, dass mittelfristig ein Rückgang von Schäden verzeichnet werden kann.

Vecchio ist sich bewusst, dass durch blosse Kontrollen nicht nachhaltig alle Schwierigkeiten aus der Welt geschafft werden können. «Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem.» Nach seinem Dafürhalten müssten die Gemeinden aus diesem Grund zusammenspannen, gemeinsame Strategien entwickeln. Er habe sich in den letzten Jahren einiges Wissen aneignen können. Auf Wunsch stelle er dieses gerne auch anderen zur Verfügung, denn: «Die Herausforderungen sind überall ähnlich.»