Lupfig
Nach Unruhe und Unmut: «Schulstandort Scherz ist nicht gefährdet»

Der Gemeinderat Lupfig wurde von den heftigen Reaktionen der Eltern überrascht und räumt Fehler ein bei der Kommunikation rund um das Thema Schulstandort Scherz.

Michael Hunziker
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Betroffene Eltern fühlten sich überrumpelt und fürchteten um den Schulstandort Scherz (Symbolbild).

Betroffene Eltern fühlten sich überrumpelt und fürchteten um den Schulstandort Scherz (Symbolbild).

Bild: san

Zu Unmut ist es gekommen unter Eltern im Ortsteil Scherz: Die Schule bat um die Einwilligung, die neun künftigen Fünft- und Sechstklässler ab August vorerst für das Schuljahr 2021/22 im Ortsteil Lupfig in die Schule schicken zu können.

Ebenfalls wurde in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass an der Gemeindeversammlung im Juni eine Anpassung zum Zusammenschlussvertrag zur Diskussion stehen wird. Mit der Fusion von Lupfig und Scherz auf Anfang 2018 war festgelegt worden, dass sowohl Kindergarten als auch Unter- und Mittelstufen in den einzelnen Ortsteilen geführt werden. Dieser Punkt, so die Ankündigung, soll geändert werden.

Betroffene Eltern fürchteten um den Schulstandort Scherz, fühlten sich überrumpelt, erteilten die Zustimmung zur Integration der 5. und 6. Primarklasse im Ortsteil Lupfig für das kommende Schuljahr nicht. An einem Informationsabend letzte Woche war die Stimmung aufgeladen.

Der Zusammenschlussvertrag steht doch nicht zur Diskussion

Vertreter des Gemeinderats, der Schulpflege sowie der Schulleitung haben diese Woche nun zur Medieninformation eingeladen: Richard Plüss, Gemeindeammann; Jürg Baur, Gesamtschulleiter; Jeannette Wehrli, Schulpflegepräsidentin; Peter Hochstrasser, Gemeinderat; Pierre-Yves Golay, Mitglied der Schulpflege.

Der zuständige Gemeinderat Peter Hochstrasser räumte unumwunden ein, dass die Kommunikation auf Behördenseite ungenügend gewesen sei. Das Vorgehen sei auf Unverständnis gestossen und habe teilweise heftige Reaktionen ausgelöst. «Wir hätten die Eltern von Anfang an besser einbeziehen sollen.» Dann hätte es weniger Unruhe gegeben, zeigte sich Hochstrasser überzeugt und ergänzte:

«Es muss in unserem Interesse sein, solche Differenzen künftig gleich zu Beginn auszuräumen.»

Zu einer Anpassung des Zusammenschlussvertrags, fuhr Hochstrasser fort, werde es nicht kommen an der Gemeindeversammlung. Dieses Traktandum werde gestrichen.

Ursprünglich ging der Gemeinderat davon aus, begründete Hochstrasser, dass die Anpassung zwingend sei, um die Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Schule vor Ort zu erhalten. Dies sei aber nicht der Fall, hätten die Abklärungen mit den Fachpersonen gezeigt. Alle drei Stufen könnten weiterhin im kommenden Schuljahr angeboten werden im Ortsteil Scherz. Sämtliche rechtlichen Vorgaben würden eingehalten.

Gesamtschulleiter war überzeugt von reibungsloser Integration

Gesamtschulleiter Jürg Baur ging auf die neue kantonale Ressourcenverordnung ein. Er erwähnte die veränderten Rahmenbedingungen mit diesem pauschalen Gesamtpaket sowie den Gestaltungsraum für die Schulen, den es zu nutzen gelte, etwa mit der Möglichkeit für unterschiedliche Klasseneinteilungen und Klassengrössen. Der Ressourceneinsatz liege in der Zuständigkeit der Schulleitung, betonte er. Ziel sei es, ein Mehrwert zu generieren, eine pädagogische Wirkung zu erzielen, die Chancengerechtigkeit zu bewahren.

Jürg Baur ist Gesamtschulleiter.

Jürg Baur ist Gesamtschulleiter.

Bild: san

Durch den Ausfall einer Lehrperson nach den Sportferien, gab Baur zu bedenken, besuchen schon die heutigen zwölf Fünft- und Sechstklässler aus Scherz die Schule am Standort Lupfig.

Vom Gegenwind der Eltern war Baur überrascht. Er sei zusammen mit den Lehrpersonen der Überzeugung gewesen, die Integration habe reibungslos geklappt. Auch der Schulweg – von Schulhaus zu Schulhaus beträgt die Distanz rund 1,6 Kilometer – stelle kein Problem dar.

Im Nachhinein würde Brief in dieser Form nicht verschickt

Die Eltern um ihre Zustimmung zu bitten, sei eine Empfehlung gewesen von Fachpersonen, um Sicherheit zu erhalten für die Stellenplanung, führte Baur aus. «Wir wollten Transparenz schaffen.» Im Nachhinein, fügte der Gesamtschulleiter an, hätte er den Brief in dieser Form mit der Umfrage nicht verschickt, weil dies für Verwirrung gesorgt habe.

Es habe nie die Absicht bestanden, die Schule Scherz zu schliessen, hoben die Anwesenden übereinstimmend hervor. Der Standort sei nicht gefährdet. Die umfangreiche, sorgfältig erstellte Schulraumplanung zeige ganz klar auf, dass die Gemeinde Lupfig längerfristig auf diesen angewiesen sei. Es müssten aber gewisse Optimierungsmöglichkeiten bei der Organisation genutzt werden können, hielt Gemeindeammann Richard Plüss fest.

Für den Kindergarten-Neubau ist ein Schülertausch vorgesehen

Richard Plüss ist Gemeindeammann in Lupfig.

Richard Plüss ist Gemeindeammann in Lupfig.

Bild: asp

Bereits zweimal, blickte Plüss zurück, habe ein Schülertausch stattgefunden. Ein solcher sei wieder im 2022 oder 2023 vorgesehen, wenn der Kindergarten in Lupfig durch einen Neubau ersetzt werden soll. Für voraussichtlich ein Jahr werde eine Kindergartenklasse in Scherz einquartiert. «So soll es sein, die Qualität soll im Vordergrund stehen.»

Plüss ist sich bewusst, dass die Eltern schnell aufgeschreckt werden, wenn es um ihre Kinder und um die Schule geht. «Es ist ein sensibles Thema.» Aber gewisse Veränderungen liessen sich nicht aufhalten. Deshalb brauche es Verständnis von allen Beteiligten, es müsse ein Miteinander sein. Bei einer Schlammschlacht, pflichtete Gesamtschulleiter Baur bei, gebe es nur Verlierer. Gemeinderat Hochstrasser versicherte, dass die Lehren gezogen werden. Das Vertrauen müsse wieder aufgebaut werden.