Brugg

«Luna» - das Taxi der besonderen Art

Die Aargauer Zeitung hat beim Verein Rollstuhlfahrdienst Brugg einen Blick hinter die Kulissen geworfen:

Für Menschen im Rollstuhl ist es nicht einfach, grössere Distanzen zu bewältigen. Damit sie nicht auf ihre Mobilität verzichten müssen, gibt es seit bald 30 Jahren den Verein Rollstuhlfahrdienst Region Brugg (VRRB). Dieser wird mit vier rollstuhltauglichen Fahrzeugen und 45 freiwilligen Fahrpersonen betrieben.

Die az hatte die Gelegenheit, bei zwei Fahrten mit dem VRRB-Präsidenten Ernst Meier mitzufahren. Nach einer kurzen Begrüssung und einigen Erläuterungen zu den Rollstuhl-Halteeinrichtungen geht es bereits zum ersten Auftrag: In Gebenstorf soll die junge Frau, M. (alle Namen der Redaktion bekannt) abgeholt und in die arwo-Stiftung für Behinderte nach Wettingen gebracht werden.

Im neuen Fahrzeug «Luna», welches der VRRB Ende September in Betrieb genommen hat, riecht es nach Neuwagen und ist angenehm aufgeräumt – dies sei aber bei allen Fahrzeugen so, wie Meier erklärt. «Wir haben für jedes Fahrzeug einen Wagenchef, der das Auto mindestens einmal in der Woche reinigt.» In Gebenstorf angekommen wird die junge, sprachunfähige Frau im Rollstuhl von ihrem Vater und Ernst Meier in das Fahrzeug gerollt und mit verschiedenen Sicherungen befestigt.

50 Rappen pro Kilometer

Mit vier Sicherheitsgurten für den Rollstuhl, einem Personengurt und einer Rückensicherung ist M. genug gesichert und wird liebevoll von ihrem Vater verabschiedet.

«Ab jetzt zählen wir die Kilometer», erklärt Meier, als wir uns von Gebenstorf entfernen. Er erläutert: «Die Anfahrt wird nicht verrechnet, das ist ein Zusatzdienst für unsere Kunden.» Es sei ein wichtiges Anliegen des Vereins, dass der Rollstuhlfahrdienst auch für finanziell schwächere Personen angeboten werden könne – deshalb bleibe der Grundtarif für Normalversicherte mit 50 Rappen pro Kilometer tief.

Meier erkundigt sich im Rückspiegel nach der jungen Frau und erzählt: «Sie nutzt den Rollstuhlfahrdienst schon seit einigen Jahren. Früher brachten wir sie in die HPS und mittlerweile in die arwo. Manchmal wird sie aber auch zum Baden oder Ponyreiten gebracht – dort wird sie von speziell ausgebildetem Personal begleitet. Dann ist sie abends ziemlich müde.»

In Wettingen angekommen, entsichert Ernst Meier die Rollstuhl-Halterungen mit einigen geschickten Griffen. «Als Rollstuhldienst-Fahrer hat man einfach die besten Parkplätze», bemerkt der VRRB-Präsident lachend und weist auf die gut platzierten Handicap-Parkplätze vor dem arwo-Wohnheim hin. Nachdem M. vom Pflegepersonal im arwo-Gebäude empfangen worden ist, notiert sich Meier die Kilometerzahl und macht sich auf den Weg nach Wildegg, wo der nächste Fahrgast wartet.

Zur Therapie oder zur Hochzeit

Wir haben ganz verschiedene Fahraufträge», erklärt Meier unterwegs. «Viele Fahrten sind fix und werden weit im Voraus geplant, aber wir haben auch Aufträge, die nur zwei Tage vorher angemeldet werden.» Auch die Art der Aufträge sei gemischt: Neben Fahrten zur Therapie oder ins Spital gäbe es auch viele private Fahrten an Gottesdienste, Feste oder in die Ferien. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit der Dispostelle, die Vreni Brühlmann führt. «Sie plant und stimmt die einzelnen Fahrten aufeinander ab, und erstellt für die Fahrer und Fahrkunden einen Fahrplan», so Meier.

In Wildegg wird P., ein junger körperbehinderter Mann, empfangen. Dieser erinnert uns prompt daran, dass wir einige Minuten Verspätung hätten und er zur Arbeit müsse. Mit seinem elektrischen Rollstuhl fährt er zur Rampe und wird durch Meier gesichert. Während der Fahrt nach Dättwil, wo er im Kontor-Bürozentrum des Zeka-Wohnheims arbeitet, erzählt P., wie sehr er den Service schätze: «Der Rollstuhlfahrdienst ist sehr zuverlässig. In anderen Ländern gibt es keine solchen Angebote, und man würde den ganzen Tag zu Hause bei der Mutter sitzen.»

Sonderwunsch Marroni

Der VRRB zählt rund 50 Stammkunden, die mehrmals in der Woche zu ihrem Bestimmungsort gefahren werden. Viele Fahrer, von denen die meisten pensioniert sind, hätten sich auf einzelne Routen festgelegt und würden die Kunden schon gut kennen: «Sie haben eine freundschaftliche Beziehung zu den Fahrgästen aufgebaut und sind routiniert im Umgang miteinander», erläutert der Präsident.

Beim Rollstuhlfahrdienst sei man aber nicht nur Fahrer, sondern erbringe manchmal auch Sonderleistungen. «Da musste ich mich zuerst dran gewöhnen», so Meier. «Einmal sagte ein Fahrgast, er habe Lust auf Marroni – und da habe ich ihm eben Marroni besorgt», sagt er schmunzelnd. Meier fasst zusammen: «Der VRRB ist laufend auf Spenden, Vereinsmitglieder und neue Fahrer angewiesen, um weiterhin diesen Fahrdienst anbieten zu können.»

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