Stilli
Los, schickt den Winter am Funkensonntag in die Wüste

In Stilli ist das Scheibensprengen Kult. Jedes Jahr findet es am so genannten Funkensonntag statt. Um das traditionsreiche Scheibensprengen ranken sich zahlreiche Geschichten. Wie auch immer: Hauptsache, das Ganze macht den Teilnehmern Spass.

Arthur Dietiker
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Schebi Baumann zeigt, wie es geht
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Scheibensprengen in Villi
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Schebi Baumann zeigt, wie es geht

AZ

Man sagt, in heidnischer Vorzeit seien mit dem so genannten Scheibensprengen über die Aare zur Sonnenwende jeweils die bösen Geister vertrieben worden. Es gibt aber auch andere Aufzeichnungen, die spekulieren, damit habe man den Winter «in die Wüste geschickt». Dazu wurden und werden auch heute noch die kleinen Buchenholzscheiben zum abendlichen «Sprengen» angeglüht.

Wenn der Winter Feuer sieht, dann haut er ab, soll einst die Überlegung gewesen sein. Und daraus ergab sich, dass man dem Sonntag nach Aschermittwoch, an dem das Scheibensprengen in Stilli traditionsgemäss stattfindet, auch Funkensonntag sagt. Oder war diese «Sportart» ehemals ein keltischer Sonnenkult oder gar – wie gewisse Brauchtumsforscher kombinieren – ganz am Anfang vielleicht sogar ein Fruchtbarkeitsritual?

Egal, wo dessen Ursprung auch immer basiert: Am Funkensonntag war der Freizeit Club Villigen erneut als Organisator besorgt, dass auch zur 39. Neuzeit-Auflage des Stillemer Scheibensprengens eingeladen werden konnte. Dazu hatte die Gansinger Drechslerei Oeschger 600 der im Durchmesser etwa 12 Zentimeter grossen Buchenholzscheiben geliefert. Schade nur, dass nicht mehr Erwachsene zur Startrampe kamen, um mit gezielten Schlägen die kleinen Holzscheiben über die Aare zu katapultieren, das heisst «den Winter in die Wüste zu schicken». Wie man das macht, demonstrierten u.a. auch der Villiger Gemeindeammann Jakob «Schebi» Baumann und Gemeindeschreiber Markus Vogt.

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