Brugg
Logistische Meisterleistung: Beim Umzug der Erwachsenenpsychiatrie werden 200 Betten übersiedelt

In diesen Wochen wird der Neubau für die Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden bezogen. Besonders für die Patientinnen und Patienten ist dies keine leichte Situation. So wurde die Planung für den umfangreichen Umzug bereits 2018 aufgenommen. Seither ist an jedem Mittwoch Zügeltag.

Noemi Lea Landolt
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Alle hoffen, dass der Lift nicht aussteigt: Repo Umzug der PDAG (24.07.2020)
29 Bilder
Die Patientenbetten werden unterirdisch in den Neubau gebracht.
Damit es schnell geht, werden sie an einem Elektromobil befestigt.
Alle hoffen, dass der Lift nicht aussteigt. Ohne ihn wäre man hier aufgeschmissen.
Beim Verpacken von Medikamenten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, gilt das Vier-Augen-Prinzip.
Beim Kontrollgang durch die leer geräumte Station findet Zügelchef Christian Egloff viele vergessen gegangene Kleiderbügel.
Strafer Zeitplan: Pro Station zwei Tage zum Einpacken, einen zum Zügeln und zwei zum Auspacken.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.
Impressionen Umzug der Erwachsenenpsychiatrie in Königsfelden.

Alle hoffen, dass der Lift nicht aussteigt: Repo Umzug der PDAG (24.07.2020)

Fabio Baranzini

Einer rollt Patientenbetten zum Lift. Andere tragen Kisten zum Zügelwagen. Jemand demontiert den Drucker und schon bald sollte die Pharmaassistentin eintreffen, um Medikamente einzupacken. Chaosphase nennt Christian Egloff die Zeit, bis die erste Ladung Material im Zügelwagen verstaut ist. Während um ihn herum alles in Bewegung ist, es scheppert und gewerkelt wird, wirkt er tiefenentspannt. «Wir müssen ruhig bleiben», sagt Egloff. «Wenn wir hektisch werden, kann sich die Stimmung auf die Patientinnen und Patienten übertragen.»

Egloff steht vor einem Pavillon auf dem Areal der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) in Königsfelden. Er ist einer von drei Zügelchefs. Im Herbst 2018 hat das zehnköpfige Team der Abteilung Unterhalt Immobilien angefangen, den Umzug der Stationen in den erst kürzlich fertiggestellten Neubau für Erwachsenenpsychiatrie zu planen. Neun Stationen mit insgesamt über 200 Betten müssen im laufenden Betrieb gezügelt werden.

Es wurden Pläne verworfen und neue entwickelt – bis schliesslich die beste Lösung gefunden war: Pro Station zwei Tage zum Einpacken, einen zum Zügeln und zwei zum Auspacken. Montag bis Freitag. So sollte der Umzug bis im September fertig sein. Die ersten Abteilungen sind bereits umgezogen. Die Planung hat den Praxistest bestanden. Vielleicht ist Christian Egloff auch deshalb entspannt.

Die Betten werden unterirdisch gezügelt

Im Untergeschoss schiebt ein Zügelhelfer ein Bett aus dem Lift. Das Gepäck des Patienten liegt auf der Matratze. Ein unterirdisches Gangsystem verbindet die einzelnen Gebäude auf dem Areal miteinander. Aus Neonröhren fällt Licht auf die nackten Betonwände. Ein Surren kündet die Ankunft des Elektromobils an. Es hält vor dem Lift. Der Zügelhelfer befestigt das Bett am Fahrzeug, der Fahrer gibt Gas. Nächster Halt Neubau.

Interview mit Christian Egloff, Projektleiter Umzug:

Wer die neue Abteilung betritt, sieht durch eine Scheibe direkt ins Stationszimmer. Der erste Bildschirm läuft bereits. Während die ersten Patientenbetten auf die neuen Zimmer verteilt werden, nutzt Egloff die Zeit für einen letzten Sicherheitscheck. Er geht in jedes Zimmer, kontrolliert, ob die Arretierung der Fenster funktioniert. Dass sich die Fenster nur einen Spalt breit öffnen lassen, ist eine der Vorkehrungen zur Suizidprävention. Auch den Wasserhahn, die Duschbrause und die WC- Spülung kontrolliert er.

«Ich habe schon gespürt, dass sie heute nervös sind»

Unterdessen kommen die Patientinnen und Patienten auf der Abteilung an. Etwas skeptisch blicken sie sich um und folgen der Stationsleiterin Regula Siegrist. Bereits im Vorfeld hat das Pflegeteam die Patienten auf den Umzug vorbereitet, den Ablauf immer wieder thematisiert. Sie durften die neue Station auch bereits besichtigen. «Ich habe schon gespürt, dass sie heute nervös sind», sagt Siegrist. Mit Veränderungen umzugehen, sei für viele psychisch kranke Menschen nicht ganz einfach, dasselbe gelte für das Ankommen an einem neuen Ort. Das brauche wohl ein, zwei Tage, sagt Siegrist.

Für den Nachmittag hat das Team der Kunst- und Bewegungstherapie ein Programm für die Patientinnen und Patienten auf die Beine gestellt. Das gibt den Mitarbeitenden etwas Luft, um schon erste Kisten auszupacken. Die Züglete war auch für das Team nicht ganz einfach. Die Kisten mussten neben dem Tagesgeschäft gepackt werden. Dafür fühle sich der Umzug in den Neubau ein bisschen an wie ein Neuanfang, sagt Regula Siegrist. «Ich freue mich aufs Einrichten.»

Die Treppe ist keine Alternative

Die Zimmer der alten Station werden immer leerer. Im Stationszimmer sind schon fast alle Medikamente in Kisten verpackt. Es fehlen noch jene, die unter das Betäubungsmittel­gesetz fallen. Für diese gilt das Vieraugenprinzip. Eine Pflegefachfrau leert rosa Kapseln in einen flachen Glasbehälter. Die Mitarbeiterin der Spitalpharmazie sitzt daneben. Mit einer Pinzette legt die Pflegefachfrau Tablette um Tablette zurück in die Verpackung und zählt sie. Die Pharmaassistentin notiert die Zahl und vergleicht sie mit jener auf dem Rapport. Die Transportkisten werden versiegelt und unterirdisch in den Neubau gebracht. Dort wiederholt sich die Zählerei.

Der Psychiatrie-Neubau «Magnolia»:

Ein Rundgang durch den Neubau des Hauptgebäudes «Magnolia».
22 Bilder

Ein Rundgang durch den Neubau des Hauptgebäudes «Magnolia».

Britta Gut

Bis jetzt läuft alles reibungslos. Zügelchef Egloff ist zufrieden. Seine Planung geht einmal mehr auf. «Schlimm wäre, wenn der Lift aussteigen würde», sagt er. Im alten Gebäude hat es nur einen Lift, in den die Betten passen. Bei einem Gewicht von 150 Kilo pro Bett ist die Treppe keine Alternative. Aber Egloff wäre auch auf diesen Fall vorbereitet. «Der Liftbetreiber wäre im Fall eines Zwischenfalls innerhalb von einer halben Stunde vor Ort.» Nötig war das bis jetzt nie. Auch an diesem Mittwoch nicht. Im Gegenteil: Das Zügelteam hat im Hintergrund einen neuen Rekord aufgestellt. Um 10.10 Uhr sind alle Betten auf der neuen Station ­angekommen.

Eine letzte Runde durch die alte Station

Die Patienten essen Zmittag auf der neuen Station. Der Zügelchef hatte immerhin Zeit für eine Banane und ein Joghurt vor dem nächsten fixen Termin, dem Rundgang mit seinem Team und der Stationsleitung durch die leere Station. «Wir schauen in jede Schublade, öffnen jeden Schrank», sagt Egloff. Es habe auf der neuen Station zu wenig Kleiderbügel, sagt Siegrist.

«Ich verspreche Dir, nach dem Rundgang hast Du genug», sagt er und hat recht: In jedem Schrank hängen ein paar. «Entsorgen», sagt Siegrist immer wieder, wenn ihr jemand einen vergessenen Gegenstand hinhält. Manchmal auch: «Das nehmen wir mit.» Der Rundgang endet im Stationszimmer. Zig Tassen, ein Glas Essiggurken, Ovopulver, Haferflöckli und ein Trottinett stehen noch da. Das Trottinett kommt mit. Der Rest überlebt die Züglete nicht.